Skandalschiff "Gorch Fock" Ex-Kommandant warf Anker für Wasserski-Spaß

Der Kapitän der "Gorch Fock" ist abberufen - doch schon sein Vorgänger sorgte offenbar für bizarre Vorfälle. Einem Bericht zufolge ließ dieser einst vor Lanzarote ankern, um das bordeigene Speedboat für einen Wasserski-Trip zu nutzen. Ausgerechnet er soll das Schiff jetzt nach Hause bringen.

"Gorch Fock"-Kapitän Brühn: Ankern zum Vergnügen?
DPA

"Gorch Fock"-Kapitän Brühn: Ankern zum Vergnügen?


Berlin - Er soll die "Gorch Fock" nach einer Serie von Skandalen zurück in die Heimat segeln: Michael Brühn, 55, neuer Kommandant des legendären Marineseglers. Nach dem jüngsten Tod einer Kadettin, Informationspannen und einer Reihe von Vorwürfen sollte der Personalwechsel an der Spitze des Schulschiffs eigentlich einen Neuanfang signalisieren. Doch nun gibt es der "Bild"-Zeitung zufolge auch Vorwürfe gegen Kommandant Brühn, der das Schiff bereits zwischen 2001 und 2006 führte.

Im November 2004 ließ Brühn die "Gorch Fock" vor Lanzarote vor Anker gehen, um mit dem bordeigenen Speedboat einen Wasserski-Ausflug zu machen, berichtet die Zeitung am Donnerstag. Die Mannschaft musste dafür eigens in die Takelage klettern und die Segel einholen.

Ein ehemaliges Besatzungsmitglied sagte: "Unser Kommandant wollte unbedingt Wasserski fahren. Er ist mit dem Beiboot runter und dann circa zwanzig Minuten immer auf- und abgefahren. Wir waren alle fassungslos." Der Kommandant, so ein Besatzungsmitglied, soll vor seiner Wasserski-Fahrt die Besatzung aufgefordert haben, keine Fotos davon zu machen.

Allerdings gibt es ein Video, das ihn beim Wasserskifahren zeigt und der "Bild"-Zeitung vorliegt. Der Kommandant gehört auch der Kommission an, die prüfen soll, ob es Fehlverhalten oder Missstände an Bord der "Gorch Fock" gegeben hat. Er soll das Schiff von Ushuaia (Argentinien) nach Deutschland überführen.

Guttenberg erklärt sich

Meuterei, mangelhafte Tests neuer Kadetten, insgesamt sechs Todesfälle und unangemessene Trauerarbeit: Die Liste der Skandale auf der "Gorch Fock" ist lang. Mehrere Offizieranwärter hatten sich beim Wehrbeauftragten des Bundestags etwa über massive Alkoholexzesse an Bord beklagt. Auch Vorfälle sexueller Nötigung kamen zur Sprache. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte den langjährigen Kommandanten Norbert Schatz am Freitag abberufen und Brühn als seinen Nachfolger eingesetzt.

Guttenberg musste sich am Mittwoch vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestags erklären. In einer vierstündigen Sitzung nahm er erstmals ausführlich Stellung zu Missständen auf der "Gorch Fock", einem mysteriösen Schießunfall bei der Bundeswehr und geöffneter Feldpost in Afghanistan. Der Minister räumte Informationspannen in seinem Haus ein, wehrte sich aber gegen den Vorwurf der Vertuschung. Guttenberg verteidigte seine Entscheidung, Schatz von der "Gorch Fock" abzuberufen.

Die Opposition warf dem CSU-Politiker Dünnhäutigkeit und mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Die Grünen erwägen weiter eine parlamentarische Untersuchung der Vorfälle. Die Koalitionspolitiker zeigten sich dagegen mit den Aufklärungsbemühungen des Ministers zufrieden.

amz/AFP/dpa

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beobachter1960 27.01.2011
1. Um Gottes Willen
Ein Offizier will Wasserski fahren, wie schnell kann der Kriegsverbrechergerichtshof zusammentreten. Nein, besser gleich hinrichten. Meine Güte, wenn das raus kommt, deutsche Offiziere beim Wasserskilaufen.
Sapientia 27.01.2011
2. Da werden doch jetzt angebliche Skandale fingiert
Zitat von sysopDer Kapitän der Gorch Fock ist abberufen - doch schon sein Vorgänger sorgte offenbar für*bizarre Vorfälle. Einem Bericht zufolge ließ dieser einst vor Lanzarote ankern, um*das bordeigene Speedboat für einen Wasserski-Trip zu nutzen. Ausgerechnet er soll das Schiff jetzt nach Hause bringen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,741887,00.html
von der Presse. Auch eine Gorch Fock führt ein Schiffstagebuch und dort wird vermerkt sein, in welchen Zeiten das Schiff wann und wo wie lange aus welchem Grund ankerte. An dem ganzen "Drama" Gorch Fock wird doch eines zuerst sichtbar: Lernen müssen die Journalisten.
Wasserfloh 27.01.2011
3. Na ja ...
Zitat von sysopDer Kapitän der Gorch Fock ist abberufen - doch schon sein Vorgänger sorgte offenbar für*bizarre Vorfälle. Einem Bericht zufolge ließ dieser einst vor Lanzarote ankern, um*das bordeigene Speedboat für einen Wasserski-Trip zu nutzen. Ausgerechnet er soll das Schiff jetzt nach Hause bringen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,741887,00.html
... ich kann mir schlimmere Vergehen vorstellen, als öffentliches Eigentum für den privaten Spaß des Wasserskifahrens zu verwenden. Gibt es doch bei den Politikern und Beamten unter den Landratten genügend Beispiele dafür, dass fahrbare Untersätze des Staates für Privatfahren eingesetzt wurden. Wer wollte da den ersten Stein heben ;-)
axel_p 27.01.2011
4. Was...
...wollen Sie eigentlich mit dem Artikel sagen? Nach Ihrem Selbstverständis werden auf der GF junge Menschen in den Tod getrieben und anschliessend fährt der Kommandant Wasserski? Habe ich das jetzt richtig interpretiert? Finden Sie es nicht peinlich in dieses BILD-Hysterie einzustimmen?
Mitten in Bayern, 27.01.2011
5. Kleinlich
ist vielleicht nicht absolut korrekt, aber in meinen Augen wirds jetzt etwas kleinlich.
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