Greenwald in Berlin "Ohne Snowden keine NSA-Aufklärung möglich"

Edward Snowden ist vorerst nicht als Zeuge im Bundestagsausschuss erwünscht. Ein Fehler, glaubt der Journalist Glenn Greenwald. Ohne den Ex-NSA-Mitarbeiter ließe sich der Abhörskandal nicht vollständig aufklären.

Snowden auf Protestplakaten: Bisher ist der US-Informant im NSA-Untersuchungsausschuss als Zeuge unerwünscht
REUTERS

Snowden auf Protestplakaten: Bisher ist der US-Informant im NSA-Untersuchungsausschuss als Zeuge unerwünscht


Berlin - Der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald drängt den Bundestag, Edward Snowden zu befragen. Ohne ihn könne der NSA-Abhörskandal nicht vollständig aufgeklärt werden, sagte Greenwald am Donnerstagabend in Berlin.

"Snowden hat eine Menge Informationen, denn er hat fast ein Jahrzehnt innerhalb des Systems gearbeitet", sagte Greenwald. "Es wäre unglaublich unverantwortlich für Ermittler, nicht alles irgend Mögliche dafür zu tun, ihn persönlich zu befragen. Wenn sie das nicht tun, wird es riesige Lücken in ihrer Untersuchung geben - allein aus dem Grund, dass sie nicht den politischen Willen aufbringen konnten, Snowden hierher zu bringen."

Die Personalie Edward Snowden ist im NSA-Untersuchungsausschuss höchst umstritten. Wegen des Streits hatte Clemens Binniger nach wenigen Tagen den Vorsitz des Gremiums aufgegeben. Am Donnerstag musste die Sitzung des NSA-Ausschusses wegen heftiger Debatten über Snowden mehrmals unterbrochen werden. Trotz des Protestes der Opposition vertagten Union und SPD eine Entscheidung über seine mögliche Befragung. Im Mai kommt das Thema auf Wiedervorlage.

Snowden ist kein Zeuge wie jeder andere. Gegen den 30-Jährigen besteht ein Auslieferungsgesuch. Garantiert Deutschland ihm freies Geleit oder gar Asyl, zieht das diplomatische Verwerfungen mit den USA nach sich. Der Whistleblower würde nur aussagen, wenn man ihn nicht anschließend ausliefert, das hat er deutlich gemacht.

"Ein Land wie Deutschland hat riesig davon profitiert, dass Snowden bereit war, seine eigenen Interessen für die Rechte anderer zu opfern", sagte Greenwald. "Dass so ein Land nicht willens ist, im Gegenzug irgendein Opfer zu bringen, wirkt auf mich beleidigend und unmoralisch."

Der US-Amerikaner ist einer der Journalisten, denen Snowden sein Archiv streng geheimer NSA-Dokumente anvertraut hat. Greenwald hat unter anderem das Überwachungsprogramm Prism aufgedeckt.

ras/dpa

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insgesamt 120 Beiträge
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Seite 1
Baustellenliebhaber 11.04.2014
1.
Recht hat er und wir müssen endlich aufhören uns die USA als unseren Freund zu sein, das sind allenfalls flüchtige Bekannte geworden.
m. yorck blecher 11.04.2014
2. Wie gut,
Zitat von sysopREUTERSEdward Snowden ist vorerst nicht als Zeuge im Bundestagsausschuss erwünscht. Ein Fehler, glaubt der Journalist Glenn Greenwald. Ohne den Ex-NSA-Mitarbeiter ließe sich der Abhörskandal nicht vollständig aufklären. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/snowden-greenwald-fordert-dessen-befragung-im-nsa-ausschuss-a-963813.html
dass es bislang keine Verwerfungen gibt, sondern alles wunderbar ist: Angie darf mit Barrack telefonieren, die Verhandlungen wegen der Freihandelszone gehen weiter, die NSA spioniert wie gehabt, und keiner regt sich auch nur ein bisschen auf. Es ist schön in Deutschland! Wir haben uns toll eingerichtet und es macht uns nichts, wenn wir nach Strich und Faden belogen und hintergangen werden. Wir atmen tief und entspannt!
pkreuser 11.04.2014
3. Unmoralisch, beleidigend und beschämend...
... trifft es ganz gut. Der Mann der das Thema erst aufgedeckt hat, alle Hinweise und Beweise geliefert hat, soll nicht vom Untersuchungsausschuss befragt werden? Was soll das ganze dann? Dass er dann Asyl beantragen könnte ist dann erst mal nebensächlich. So ist das im Rechtsstaat eben, da kann einer auch mal Asyl beantragen. Und Ärger mit den USA haben wir in dem Zusammenhang eh schon, da käme es meiner Meinung nach dann auch nicht mehr drauf an. Kann nicht viel schlimmer sein als sich gegen den Wunsch Chinas mit dem Dalai-Lama zu treffen, was schon 1 Jahr später auch kein Problem mehr war.
Ger-mann 11.04.2014
4. Schleimspur
Der politischen Bequemlichkeit zuliebe wird Snowden ebenso nicht befragt werden wie seinerzeit V.Ostrowsky nicht zu Barschel befragt wurde.
StFreitag 11.04.2014
5. Mag ja alles sein,
aber der Ton des Herrn Greenwald gefällt mir ebenso wenig wie seine bisherigen Geschäftsfelder. Da ist Recherche lohnend!
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