Soldaten im Auslandseinsatz De Maizière spricht erstmals von Veteranen

Zum ersten Mal hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière die Teilnehmer an Auslandseinsätzen der Bundeswehr als Veteranen bezeichnet. Den Umgang mit ihnen will er zu einem Schwerpunkt seiner Politik machen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU): "Wir sind eine Armee im Einsatz"
dapd

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU): "Wir sind eine Armee im Einsatz"


Berlin - Krieg, Gefallene, Veteranen: Jahrzehntelang waren solche Begriffe aus dem sprachlichen Umgang mit der Bundeswehr verbannt. Der Afghanistan-Einsatz galt beispielsweise noch als "Stabilisierungsmission", als deutsche Soldaten schon regelmäßig von den Taliban in teils tödliche Kämpfe verwickelt wurden. Am Donnerstag hat nun Verteidigungsminister Thomas de Maizière deutliche Worte gefunden: "Wir sind eine Armee im Einsatz. Wie andere Nationen auch sollten wir deshalb auch von unseren Veteranen sprechen", sagte er im Bundestag.

Damit hat der CDU-Politiker die Bundeswehrsoldaten mit Einsatzerfahrung erstmals als Veteranen bezeichnet. "Ich bekenne mich heute zu diesem Begriff", sagte de Maizière - und versprach, dass er den Umgang mit den Veteranen und ihre Versorgung zu einem Schwerpunkt seiner Politik machen wolle. In den vergangenen 20 Jahren waren insgesamt 300.000 Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz.

Im vergangenen Jahr hat sich in der deutschen Politik erstmals etwas an der Formulierungsproblematik geändert: Als der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte, man könne umgangssprachlich von Krieg reden. Mit diesem Begriff ging de Maizière bisher vorsichtig um: "Vieles, was sie hier tun, ist wie im Krieg", sagte er im März bei seinem ersten Afghanistan-Besuch.

Die Realität anerkennen

In der Bundestagsdebatte über den Bericht des Wehrbeauftragten forderte de Maizière eine stärkere Würdigung des Engagements der Soldaten in den Einsätzen. "Junge Menschen werden sich nur dann für den Dienst in der Bundeswehr entscheiden, im äußersten Fall ihr Leben für unser Land und unsere Freiheit einsetzen, wenn unsere Gesellschaft den soldatischen Dienst als wertvoll, ja als ehrenhaft ansieht." Erst kurz vor der Rede war der Verteidigungsminister aus Afghanistan zurückgekehrt - es war bereits sein dritter Truppenbesuch binnen eines halben Jahres. Dort machte er klar: Für eine Entscheidung, wie viele deutsche Soldaten im nächsten Jahr aus Afghanistan abgezogen werden sollen, ist es noch zu früh.

Bereits Ende August war die bessere Versorgung von Einsatzsoldaten vom Kabinett auf den Weg gebracht worden. Werden sie im Ausland verletzt, sollen sie deutlich mehr Entschädigung bekommen: 150.000 Euro bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit um mindestens 50 Prozent - das sind 70.000 Euro mehr als bisher gezahlt wurden. Betroffen sind Soldaten, die seelisch oder körperlich verwundet aus einem Einsatz zurückkommen sowie Hinterbliebene von getöteten Soldaten.

Seit einem Jahr sind Soldaten mit Einsatzerfahrung im " Bund Deutscher Veteranen" organisiert. Deren Vorsitzender Andreas Timmermann-Levanas begrüßte die jüngsten Äußerungen de Maizières: "Wenn man in den Begriffen nicht deutlich genug wird, dann kommen auch die Inhalte zu kurz", sagte er. Auch der Bundeswehrverband äußerte sich positiv. "Ich begrüße sehr, dass Minister de Maizière mehr und mehr die Realitäten anerkennt", sagte Vorstandsmitglied Thomas Behr. Aus dem Bekenntnis zu den Veteranen ergebe sich jetzt allerdings eine besondere Verantwortung der Bundesregierung.

aar/dpa



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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
kdshp 22.09.2011
1. Politik find ich gut!
Zitat von sysopZum ersten Mal hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière die Teilnehmer an Auslandseinsätzen der Bundeswehr als Veteranen bezeichnet. Den Umgang mit ihnen will er zu einem Schwerpunkt seiner Politik machen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,787833,00.html
Hallo, deutsche soldaten haben im ausland nix zu suchen ist meine meinung.
Gandhi, 22.09.2011
2. Er spricht von Veteranen
Ich sehe Soeldner.
Uta Riestenberger 22.09.2011
3. Ptsd
Posttraumatische Belastungsstörungen, kurz PTSD, also Traumata nach schweren Belastungen nach Kriegserfahrungen etc sind z.B. für die US-amerikanische Armee eines ihrer grössten Probleme überhaupt. Die Spitze des Eisbegs sind eine beängstigend hohe Selbstmordrate unter Veteranen sowie ein häufiges Abgleiten in Wohnungslosigkeit. http://fakten-transzendentale-meditation.com/tm-gesundheit.htm#ptsd und zur Mitte der Seite scrollen: Das Fachjournal Military Medicine veröffentlichte nun aktuell eine Pilotstudie, die weltweit Ausehen erregte. Mittels transzendentaler Meditation reduzierten sich PTSD-Störungen um rund 50% innnerhalb 8 Wochen. Die Orginalstudie, die entprechenden Veröffentlichungen in "Military Medicine", "British Forces News", Videobericht der Nachrichtenagentur AFP u.a. sind direkt über den genannten link erreichbar. - Diese Ergebnisse geben Hoffnung.
dunnhaupt 22.09.2011
4. Normales deutsches Wort
Brockhaus definiert Veteranen als Soldaten, die an einem Krieg teilgenommen haben. Was ist daran so besonders?
Berta, 22.09.2011
5. Mein Gott
jeder Soldat weiß doch was da los ist. Da kann ich doch nicht hinterher auf Frührente pochen.
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