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Solidarität mit der Bundeswehr: Ein gelbes Band als Dank an die Soldaten

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Das Band findet seit dem Tod der drei deutschen Fallschirmjäger in Afghanistan immer mehr Käufer: Mit einer gelben Schleife will eine Frau aus Niedersachsen ein Zeichen der Solidarität mit Bundeswehrsoldaten setzen.

Bundeswehr im Einsatz: Zeichen der Solidarität Fotos

Hamburg - Die Idee kam Monica Melloh im Auto. Im Radio hörte sie das Lied "Tie a yellow ribbon round the ole oak tree" (Binde eine gelbe Schleife um die alte Eiche). US-Sänger Tony Orlando besingt in dem Lied eine Sage aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs: Ein Soldat bat seine Frau in einem Brief, sie solle als Zeichen der Liebe ein gelbes Tuch in die alte Eiche hängen. Als er nach langer Gefangenschaft wieder nach Hause zurückkehrte, erblickte er den Stoff im Baum.

Für Monica Melloh war die Idee des gelben Bandes geboren. Die Ansteckschleifen sollen ein Zeichen der Solidarität mit den Bundeswehrsoldaten im Einsatz sein. Ende 2007 ließ die 57-jährige Unternehmerin aus Oldenburg die ersten Stoffschleifen herstellen. "Der Verkauf lief träge an", berichtet sie. "Aber das Blatt hat sich nach Ostern völlig gewendet." Denn seit am Karfreitag drei deutsche Soldaten bei Gefechten in Afghanistan von Taliban getötet wurden, gehen täglich so viele Bestellungen ein, dass Melloh kaum mit dem Versand hinterher kommt.

Zeichen der Solidarität hatte nach den Anschlägen vom Karfreitag auch die Bundesregierung gesendet. Erstmals nahm die Kanzlerin an einer Trauerfeier für getötete Soldaten teil. "Durchweg positiv" sehe man innerhalb der Truppe diese Geste Angela Merkels, sagt ein Bundeswehrsprecher. Skepsis herrscht aber, ob es bei der Bevölkerung eine gestiegene Solidarität mit der Truppe gibt. Bundespräsident Horst Köhler beklagte mehrfach das "freundliche Desinteresse" der Bürger gegenüber der Bundeswehr.

Monica Melloh will das ändern. "Mir geht es auch darum, dass darüber gesprochen wird, was die Soldaten leisten", sagt sie. Ihre Initiative des gelben Bandes wird von der Bundeswehr "uneingeschränkt begrüßt", sagt deren Sprecher. "Die Schleife ist ein ganz unbelastetes Symbol", betont deren Erfinderin. Anfangs kauften vor allem Reservisten, Soldaten und deren Angehörige die Bänder, berichtet sie. Doch inzwischen wollten immer mehr Bürger ihre Solidarität mit der Bundeswehr zeigen. Tausende der knapp drei Euro teuren Schleifen habe sie bereits verkauft. Auch einige Politiker hätten das Solidaritätszeichen bereits in der Öffentlichkeit getragen, darunter etwa Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) oder der Verteidigungsstaatssekretär Thomas Kossendey (CDU), berichtet Melloh.

Den Deutschen fällt Solidarität mit der Truppe schwer

Auch von Bundestagsabgeordneten kamen Bestellungen, etwa von Lars Klingbeil. "Viele Menschen sind auf der Suche, wie sie ihre Solidarität mit der Truppe zeigen können", sagt der SPD-Politiker.

Bereits zwei Wochen vor dem blutigen Karfreitags-Gefecht bestellte Klingbeil das gelbe Band. "Es ist ein kleines Symbol, das auch Debatten anstößt", sagt er. Immer wieder werde er auf Terminen auf die Schleife am Revers angesprochen, erzählt Klingbeil, der auch Mitglied im Verteidigungsausschuss ist. Selbst Menschen, die gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr seien, könnten die Schleife tragen, meint er. "Es geht um ein Zeichen des Mitgefühls an die Soldaten." Ob der Einsatz richtig sei, müsse die Politik klären. "Die Soldaten machen nur ihren Job."

In den USA haben Solidaritäts-Bänder Tradition. Dort sind Schleifen mit dem Slogan "Support our troops" massenhaft als Aufkleber auf Autos und auf T-Shirts zu sehen. Auch in Dänemark zeigen die Bürger mit gelben Stoffschleifen Solidarität mit den Soldaten ihres Landes in Afghanistan.

In Deutschland seien solche Kampagnen viel schwieriger, meint der Historiker Klaus Naumann vom Hamburger Institut für Sozialforschung. In Ländern wie Frankreich, den USA und Großbritannien zeigten sich Bürger auch dann mit Soldaten solidarisch, wenn sie deren Auslandseinsätze ablehnen. Diese Differenzierung zwischen der Kritik der Einsätze und der Solidarität mit den Soldaten ist wichtig, fällt in Deutschland aber noch immer schwer", meint Naumann.

Das bekam auch Monica Melloh zu spüren. Als sie in ihrem Geschäft für Armeeausrüstung den Verkauf der Schleifen begann, sprühten Kritiker Anti-Nato-Parolen an die Hauswand. "Wir haben trotzdem weitergemacht", sagt Melloh. Denn von der Bundeswehr bekam sie Zuspruch. "Ziel und Zweck Ihrer öffentlichen Solidaritätsaktion finden meine volle Zustimmung", schrieb ihr der damalige Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan.

Inzwischen bietet Melloh auch Armbänder, T-Shirts, Schlüsselanhänger, Karten und Aufkleber mit dem Schleifen-Symbol an. 20 Prozent des Verkaufserlöses spendet sie an "Lachen helfen", eine Initiative deutscher Soldaten und Polizisten für Kinder in Kriegs- und Krisengebieten. Ihre Idee der gelben Schleife hat sich die Unternehmerin patentieren lassen - auch aus Sorge vor Missbrauch. "Ich möchte, dass die Aktion ganz sauber bleibt."

"Man soll durchaus nicht alles gut finden, was die Armee tut"

Aus naheliegenden historischen Gründen gingen die Deutschen mit militärischer Gewalt sehr vorsichtig um, meint Historiker Naumann. Doch die Soldaten bräuchten mehr Rückhalt von der Bevölkerung. "Man soll durchaus nicht alles gut finden, was die Armee tut. Aber Bürger sollten sich dafür einsetzen, dass zumindest die Ausstattung der Soldaten angemessen und gut ist, trotz möglicher Skepsis an den Einsätzen", sagt er.

Naumann glaubt auch durch die jüngsten Todesfälle in Afghanistan, dass das Interesse der Deutschen am Einsatz der Bundeswehr langsam wächst. Merkels Teilnahme an der Trauerfeier hält der Historiker zudem für ein wichtiges Signal. "Die Politik verleiht den ungeliebten, aber selbst angeordneten Einsätzen noch immer den Beiklang einer Nebensache", meint er. Doch das ändere sich allmählich. Hier seien neben Berichten über Trauerfeiern auch Filme wichtig, die die Situation von Soldaten zeigen. Etwa den oft schwierigen Umgang mit Einsatzfolgen wie Verwundungen oder auch posttraumatische Belastungsstörungen.

Abzeichen mit Bezug auf das Militär werden in Deutschland noch lange gemischte Gefühle auslösen, meint der Historiker mit Blick auf die gelbe Schleife. "Aber derartige Kampagnen sind zugleich auch Anzeichen einer Normalisierung. Und das ist ein positiver Prozess."

Mitarbeit: Julia Troesser

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Forum - Afghanistan - soll die Bundesrepublik ihren Einsatz beenden?
insgesamt 6744 Beiträge
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1. pervers
blowup 09.04.2010
Wäre mein Sohn in Afghanistan ums Leben gekommen, ich hätte nicht zugelassen, dass seine Leiche für diese verlogene Inszenierung benutzt wird. Dieselben Typen, die aus Machtgeilheit und politischen Kalkül durch Lüge und Zauderei an seinem Tod mit schuld sind, setzen sich hier in Szene. Pfui. Das haben die Soldaten, die aus Pflichtgefühl und Engagement in diesen Einsatz gegangen sind, nicht verdient. Und wenn ich heute im TV Gestalten wie Struck sehe, die so tun, als hätten Sie kaum etwas mit den fatalen Fehlentscheidungen zu tun, wird mit schlecht...
2. Merkels Trauerrede
egils 09.04.2010
Meiner Meinung nach die beste Rede die ich von Frau Merkel als Bundeskanzlerin gehört habe! Ich hoffe das diese Rede im fernsehen von einer grösstmöglichen Anzahl von Buerger/innen gehört und gesehen wurde. Zum ersten mal habe ich ihr wirklich alles abgenommen und geglaubt. Respekt und Dank dafuer.
3. Die toten von Kunduz
Die Blickerin 09.04.2010
Diese Menschen, Guttenberg und Merkel, sollten sich zutiefst schämen. Sie sind es, die die direkte Schuld tragen für diese junge Opfer. Sie sollten sich schämen und sie sollten zur Verantwortung gezogen werden.
4. Wie verlogen........
odet 09.04.2010
Erst werden Junge Menschen nach Afghanistan geschickt um dort Taliban, Frauen und Kinder zu ermorden, und dann müssen sie sich auch noch von Merkel "betrauern" lassen. Dieser Regierung ist wirklich gar nichts mehr zu verlogen.
5. Stell Dir vor es ist Krieg und niemand geht hin
Boone 09.04.2010
Nun wird es immer klarer, immer offenbarer, wir haben zugelassen, dass unsere Politiker unser Land wieder in den Krieg geführt haben. Wir schicken wieder Soldaten durch die Welt, töten wieder fremde Menschen, werden getötet und glauben so Frieden in die Welt bringen zu können. Tragisch daran ist, dass Merkel & Co keine Soldaten in den Krieg schicken könnten, sie keinen Krieg führen könnten, gäbe es nicht Deutsche, die bereit sind in den Krieg zu ziehen und auf Befehl Soldat zu sein. Keine 60 Jahre hat es gedauert und es kommen wieder tote deutsche Soldaten nach Hause - und nur wenige scheinen das seltsam und unsinnig zu finden.
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Fotostrecke
25 deutsche Kriegsbilder: Gefangen in der Gefechtszone

Der schwarze Karfreitag von Kunduz
Drei tote Bundeswehrsoldaten, sechs versehentlich erschossene Afghanen - der Karfreitag war einer der schlimmsten Tage der deutschen Mission am Hindukusch. Wie es dazu kam, ist in einer Chronologie zu sehen - klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren

Quelle: Bundeswehr; alle Angaben in afghanischer Ortszeit
13.04 Uhr: Der Hinterhalt der Taliban
Die in Kunduz stationierte 1. Infanteriekompanie des Fallschirmjägerbataillons 373 aus dem niedersächsischen Seedorf, die sich im Rahmen einer Routineoperation im Distrikt Chahar Darreh aufhält, wird durch etwa 30 bis 40 Taliban mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten aus einem Hinterhalt heraus angegriffen. Im Verlauf dieses ersten Feuergefechts werden drei deutsche Soldaten verwundet, zwei davon schwer. Der Kompaniechef der Infanteriekompanie fordert Verstärkung an. Eine Eingreifreserve wird sofort in Marsch gesetzt. Über dem Gebiet kreist eine Drohne. Die Gefechte halten noch bis gegen 17 Uhr an. Dabei werden weitere vier Soldaten verletzt.
14.50 Uhr: Panzerfahrzeug gerät in Sprengfalle
Ein gepanzertes Bundeswehrfahrzeug vom Typ Dingo gerät in eine Sprengfalle. Bei diesem Anschlag wird das Fahrzeug schwer beschädigt, vier weitere deutsche Soldaten werden verwundet. Der Dingo kann nicht mehr geborgen werden und wird später durch eigene Kräfte zerstört. Amerikanische Hubschrauber bergen die verletzten deutschen Soldaten und werden dabei selbst von den Taliban beschossen.
15.35 Uhr: Taliban-Attacke auf die Polizei
Die nördlich der 1. Kompanie gelegene Polizeistation Chahar Darreh wird ebenfalls durch etwa 40 Taliban angegriffen. Die Gefechte dort dauern bis etwa 16.40 Uhr. Der Angriff kann schließlich abgewehrt werden.
19.42 Uhr: Die versehentlichen Todesschüsse
Die 2. Kompanie befindet sich auf dem Weg zur Ablösung der 1. Kompanie, als sich zwei unbekannte Fahrzeuge nähern. Die Fahrer reagieren nicht auf Hinweis- und Warnzeichen, so der Kenntnisstand der Bundeswehr. Ein Schützenpanzer Marder eröffnet daher das Feuer. Sechs verbündete afghanische Soldaten werden getötet. Die genauen Umstände werden noch untersucht.
21 Uhr: Die Ablösung trifft ein
Die 1. Kompanie wird durch die 2. Kompanie abgelöst.
21.50 Uhr: Die erste Einheit kehrt zurück ins Camp
Die 1. Kompanie ist in das Lager Kunduz zurückgekehrt.
Die Positionen der Parteien zum Afghanistan-Einsatz
CDU/CSU: Abzugsdatum offen lassen
Die Union will die Gefahr bannen, dass "Instabilität und Terror" von Afghanistan aus auch auf Deutschland ausstrahlen. Mit Blick auf den deutschen Einsatz betont die Union, dass militärische Sicherheit und ziviler Aufbau voneinander abhängig seien. "Ohne Sicherheitspräsenz ist kein Wiederaufbau, ohne Erfolge beim Wiederaufbau keine Reduzierung der Sicherheitspräsenz möglich." CDU und CSU wollen den Afghanistan-Einsatz zeitlich nicht konkret begrenzen. Sie machen vielmehr "tragfähige staatliche Strukturen" zur Voraussetzung für eine "spätere Reduzierung und schließlich zur Beendigung" des militärischen Engagements. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte im September 2009 aber eine deutliche Verbesserung der Lage bis zum Jahr 2014.
SPD: In zehn Schritten zum Abzug
Auch die SPD fordert, Afghanistan dürfe nicht wieder zum Zufluchtsort für Terroristen werden. Die Partei wirbt im Wahlprogramm für eine Kombination aus zivilgesellschaftlicher und entwicklungspolitischer Hilfe sowie einem "zivil-militärischen Ansatz", der auf die verstärkte Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte zielt. Kanzlerkandidat und Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier fordert nun außerdem, "die Grundlagen für den Abzug der Bundeswehr" zu schaffen. In einem Zehn-Punkte-Plan hat er die Bedingungen für das Ende des deutschen Engagements definiert. Bis 2011 soll demnach im von Deutschland kontrollierten Norden Afghanistans "eine angemessen ausgebildete Polizei" existieren.
FDP: "Mehr Tempo"
Die FDP würdigt den deutschen Afghanistan-Einsatz. Er habe dazu beigetragen, "dass das Land bislang nicht wieder zum zentralen Rückzugsort für international agierende Terroristen geworden ist". Es sei allerdings versäumt worden, den Aufbau effizienter Regierungs-, Verwaltungs- und Sicherheitsapparate voranzutreiben. Dieses Versäumnis habe auch die Bundesregierung mit zu verantworten. Die FDP will in diesem Bereich mehr Tempo machen, "um den Zeitraum des Einsatzes der internationalen Truppen zu begrenzen". Sie fordert zudem einen stärker regionalen Ansatz und die Einbeziehung von Ländern wie Pakistan, Russland, China und Iran. Die FDP hält die internationale Truppenpräsenz für eine "Übergangszeit" weiterhin für erforderlich.
Grüne: Strategiewechsel zu mehr zivilem Engagement
Die Grünen kritisieren die bisherige Afghanistan-Strategie wegen ihrer "Dominanz militärischer Lösungen". Ein so verstandener "Krieg gegen den Terror" sei nicht zu gewinnen. Deswegen müsse der US-geführte Anti-Terror-Einsatz "Enduring Freedom" (OEF) sofort beendet werden. Trotz aller Kritik bekennen sich die Grünen aber grundsätzlich zur "Verantwortung für Afghanistan und zu einem Engagement, das den Aufbau des Landes in den Mittelpunkt stellt". Eine Weiterführung des deutschen Einsatzes wollen die Grünen nur unterstützen, wenn ein Strategiewechsel hin zu mehr zivilem Engagement umgesetzt wird.

Linke: Soldaten raus aus Afghanistan
Die Linke fordert, "die Bundeswehr sofort aus Afghanistan abzuziehen". "Auslandskriegseinsätze" - auch unter Uno-Mandat - lehnt sie kategorisch ab. Die Linke wirft der Nato vor, ihre eigentliche Absicht beim Einsatz in Afghanistan sei es, "sich als globale Interventionsmacht zu zeigen". Ein militärischer Sieg im sogenannten Anti-Terror-Krieg sei unmöglich.

Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.


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