Somalia: Kampfschwimmer der Bundeswehr sollen Piratenschiffe lahmlegen
Angriff unter Wasser: Im Kampf gegen die Piraten am Horn von Afrika greift die Bundeswehr zu neuen Mitteln. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte den Einsatz von Kampfschwimmern. Sie sollen die Motoren der Piraten-Versorgerschiffe zerstören.
Hamburg - 550 Soldaten der Bundeswehr sind bereits am Anti-Piraten-Einsatz vor Somalia beteiligt, darunter auch die Kampfschwimmer einer Eliteeinheit. Die Spezialisten sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums bereits an Bord des Einsatzgruppenversorgers "Berlin", der im Rahmen der EU-Mission vor der Küste Somalias operiert. Ein Ministeriumssprecher bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Bild am Sonntag". Die Elitesoldaten der Marine könnten beim Entern von Piratenschiffen oder gekaperten Booten eingesetzt werden.
Vorgesehen ist nach Informationen der "Bild am Sonntag", dass die Soldaten der Deutschen Marine per Hubschrauber und Schlauchboot in der Nähe der Piraten abgesetzt werden. Von dort sollen sie sich ihnen unbemerkt nähern und die Motoren der Piraten-Mutterschiffe außer Gefecht setzen. Ohne diese Versorger könnten auch die wendigen Schnellboote der Seeräuber nicht mehr operieren.
Um sich schnell fortbewegen zu können, stünden den Soldaten sogenannte "Unterwasser-Scooter" zur Verfügung. Diese sollen dem Bericht zufolge an den Einsatzgruppenversorger "Berlin" geliefert werden, der im Rahmen der EU-Anti-Piraten-Mission "Atalanta" vor der Küste Somalias im Einsatz ist. Die Kampfschwimmer seien bereits an Bord.
Erst im Dezember hatte der Bundestag das Mandat der Bundeswehr innerhalb der EU-geführten Anti-Piraten-Mission "Atalanta" um ein Jahr verlängert.
jus
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- Sonntag, 04.03.2012 – 17:17 Uhr
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Am gefährlichsten sind die Gewässer vor Afrika. Somalia, Nigeria und Tansania sind Schwerpunkte der Angriffe. Vor der Küste Somalias operieren Piraten oft von Mutterschiffen aus, von denen sie auf pfeilschnellen Booten mit Maschinenpistolen und Panzerfäusten bewaffnet zu Raubzügen aufbrechen. Die gekaperten Schiffe werden dann vor die Küste gebracht.
Gemessen an somalischen Verhältnissen galt die Region bisher als stabil, nach Selbstmordanschlägen auf Regierungsgebäude im Oktober wird aber befürchtet, islamistische Terroristen könnten auch im Puntland Fuß fassen. Inzwischen herrscht auch hier weitgehende Gesetzlosigkeit. Kriminelle Banden verdienten viel Geld mit dem Schmuggel von Flüchtlingen aus Somalia und Äthiopien auf die arabische Halbinsel. Dazu kommen Piratenüberfälle. Die Machthaber von Puntland wurden wiederholt beschuldigt, die Piraten zu unterstützen und einen Teil des Lösegeldes für Schiffe und Besatzungsmitglieder selbst zu kassieren.
Es sei "erschreckend", dass die Piraten mittlerweile 438 Besatzungsmitglieder und Passagiere sowie 20 Schiffe in ihrer Gewalt hätten, sagte der Uno-Untergeneralsekretär B. Lynn Pascoe. Es müsse mehr getan werden, um die Ursachen von Raubüberfälle und Entführungen zu beseitigen.
Doch noch ist von einer Lösung keine Spur, im Gegenteil: Die Angriffe werden brutaler. Am 7. November 2011 erschossen somalische Piraten einen Mann, der die von ihnen gekaperte Yacht nicht verlassen wollte. Die anderen Geiseln - darunter eine Frau und ein Junge - wurden Augenzeugen zufolge an Land gebracht. Bislang kam die Tötung von Geiseln selten vor.
Britische Reedereien und Versicherer haben die Idee einer Privatarmee erneut in die öffentliche Diskussion gebracht.
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