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11. September 2018, 21:01 Uhr

Rekord-Einsatz

Armee und Bundespolizei müssen öfter gegen Waldbrände ran

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Der Sommer 2018 war so trocken wie selten zuvor - und das führte zu weit mehr Flächenbränden. Das hat Folgen für Bundeswehr, Bundespolizei und Technisches Hilfswerk. Immer öfter müssen sie beim Löschen helfen.

Der Sommer ist noch nicht zu Ende, aber eines steht schon fest: Für den Norden und Osten Deutschlands war es der wärmste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Deutschlandweit war dieser Sommer nach 2003 der bisher zweitwärmste. Und was fatal war: Es war so trocken wie lange nicht mehr. Die Folge waren zum Teil verheerend, es gab etliche Waldbrände.

Immer wieder mussten die Bundesländer - sie sind für den Katastrophenschutz zuständig, dem Bund obliegt der Zivilschutz - auch die Bundeswehr und Bundespolizei um Amtshilfe bitten. Aus eigenen Kräften konnten sie die Brände nicht löschen. Bundeswehr und Bundespolizei setzten Hubschrauber ein, die Löschwasser über den Flammen abließen, die Bundespolizei stellte Wasserwerfer zur Verfügung.

Doch wie gut ist Deutschland auf die wahrscheinliche Zunahme heißer und auch trockener Sommer und damit verstärkt auftretender Waldbrände - vorbereitet? In einer kleinen Anfrage an die Bundesregierung wollte der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser nun wissen, wie es um die Vorsorge und Hilfe des Bundes gegen Wald- und Flächenbrände in der Bundesrepublik insgesamt gestellt ist - also durch Bundeswehr, Bundespolizei und das dem Bundesinnenministerium ebenfalls unterstehende Technische Hilfswerk (THW).

Anfrage der FDP

In der Antwort der Bundesregierung, die dem SPIEGEL vorliegt, spiegelt sich die Wetterentwicklung auch anhand der Einsätze von Bundeswehr und Bundespolizei wider: Zwar liegen für 2018 noch keine Zahlen für Waldbrände vor, doch die Statistik für 2016 und 2017 zeigt, dass die Zahl der betroffenen Flächen schon damals anstieg:

Bundeswehr leistete bis August 5526 Stunden Amtshilfe

Auch andere Daten zeigen, dass die Waldbrandbekämpfung künftig ein drängenderes Thema sein könnte:

Ähnlich sieht es bei der Bundespolizei aus. FDP-Innenpolitiker Strasser wollte wissen, wie viele Stunden die Bundespolizei durch boden- und luftgebundene Einheiten zur Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden geleistet wurden. 2016 gab es keine Löscheinsätze, auf 2017 entfielen lediglich 15,50 Flugstunden, doch bis zum 26. August dieses Jahres flog die Bundespolizei bereits 101 Flugstunden.

Auch die Mitarbeiter des THW waren in den vergangenen Jahren stärker durch Wald-, Heide- und Moorbrände beansprucht, wie der Statistik der Bundesregierung zu entnehmen ist:

Einsatzfähigkeit der Bundeswehr und Bundespolizei

Doch wie steht es um die Einsatzfähigkeit von Bundeswehr und Bundespolizei bei Waldbränden? Die Bundeswehr setzt laut Bundesregierung für die Waldbrandbekämpfung die Hubschrauber CH-53 der Luftwaffe und Bell UH-1 D des Heeres ein, für die Brandbekämpfung auf Truppenübungsplätzen wird auch der Hubschrauber NH90 derzeit aufgerüstet.

Von den verfügbaren CH-53 seien von Mai bis August "jeweils tagesaktuell durchschnittlich zehn Hubschrauber einsatzbereit", im selben Zeitraum von den Heeres-Hubschraubern Bell UH-1 D "im Durchschnitt 22" einsatzbereit gewesen, so die Bundesregierung.

Bei der Bundespolizei-Fliegergruppe wiederum können bis zu fünf leichte Transporthubschrauber (LTH) vom Typ Eurocopter 155 und bis zu zwölf mittlere Transporthubschrauber (MTH) vom Typ AS 332 L1 Super Puma mit eigenen "Lasthaken zum Fliegen mit Außenlasten" ausgerüstet werden - sprich auch mit Wasserbehältern. Zeitgleich, so die Bundesregierung, könne die Bundespolizei drei LTH und sechs MTH mit eigenen Außenbehältern einsetzen, aus denen gelöscht wird. Zusätzliche Behälter müssten jedoch "von anderer Stelle bereitgestellt werden", heißt es einschränkend.

Eine Erweiterung der Kapazitäten zur Brandbekämpfung aus der Luft sei bei der Bundespolizei "derzeit" nicht vorgesehen, heißt es in der Antwort. Auch bei den Zivilschutz-Hubschraubern des Bundes, die nicht für den Brandeinsatz geeignet sind, sieht der Bund eine "entsprechende Erweiterung der Kapazitäten" nicht vor.

Was den Einsatz von Wasserwerfern angeht, kann die Bundespolizei theoretisch über 15 Fahrzeuge im gesamtem Bundesgebiet verfügen, es seien "14 Wasserwerfer einsatzbereit", so die Bundesregierung.

Kritik der FDP-Innenpolitikers Strasser

Der FDP-Innenpolitiker Strasser sieht angesichts der Zunahme der Brände einen dringenden Nachholbedarf. Bund und Länder seien gemeinsam gefordert, ausreichende Kapazitäten für die Bekämpfung von Waldbränden zu schaffen. "Der Ausbau der in Deutschland verfügbaren Löschhubschrauber oder auch eine gemeinsame europäische Löschflugzeugstaffel wären denkbare Wege dazu", regt Strasser an.

Doch eine EU-Lösung beurteilt die Bundesregierung kritisch. Es gebe bereits ein EU-Katastrophenschutzverfahren, sollten die nationalen Mittel zur Brandbekämpfung nicht ausreichen, heißt es in der Antwort an Strasser. Die Schaffung einer EU-Kapazität, so die Regierung, dürfe nicht dazu führen, dass nationale Maßnahmen zur Brandbekämpfung "eingestellt oder reduziert werden".

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