SPD-Generalsekretärin Nahles: "Regierungsbildung kann sich bis Januar hinziehen"

Reynaldo C. Paganelli/ Demotix

Die SPD rechnet offenbar mit langen Koalitionsverhandlungen. Am Freitag finden erste Sondierungsgespräche mit der Union statt. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles spekuliert darüber, dass sich die Regierungsbildung bis Dezember oder Januar hinziehen könne.

Berlin - Der Termin für erste Sondierungsgespräche steht, doch die SPD sieht offenbar keinen Zeitdruck bei möglichen Koalitionsverhandlungen mit der Union. "Im Zweifel wird das alles länger dauern und wir landen irgendwann mit einer abschließenden Regierungsbildung im Dezember oder Januar", sagte Generalsekretärin Andrea Nahles am Montag in Berlin.

Die SPD sei da völlig unabhängig von ihrem Parteitag Mitte November. "Es ist für uns überhaupt kein Muss, das Mitgliedervotum vor dem Parteitag einzuholen."

Bisher war davon ausgegangen worden, dass die rund 470.000 SPD-Mitglieder vor dem vom 14. bis 16. November in Leipzig stattfindenden Bundesparteitag über einen möglichen Koalitionsvertrag entscheiden. "Wir machen uns da die Hose nicht eng", sagte Nahles.

Der Parteitag sei aus rechtlichen Gründen nicht verschiebbar. Ob es einen Mitgliederentscheid oder eine Mitgliederbefragung geben soll, sei noch unklar, so Nahles. Bei einem Entscheid gebe es strengere Fristen. In jedem Fall soll das Votum politisch bindend für die SPD sein.

Teams für Sondierungsgespräche stehen fest

Union und SPD wollen am Freitag ein erstes Sondierungsgespräch führen. Ob es danach weitere Sondierungen geben wird, ist noch offen. Im Anschluss will die SPD "innerhalb weniger Tage" einen Parteikonvent einberufen, der dann über eine Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden soll.

An dem Treffen in der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin werden mindestens 21 Spitzenpolitiker teilnehmen - 14 auf Seiten der Union und 7 von der SPD. Die SPD hatte mit weniger Unionsteilnehmern gerechnet und stockte ihr Team kurzfristig um Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig auf. Über die Zusammensetzung der Gruppe hatte es im Parteivorstand in der vergangenen Woche Irritationen gegeben.

CDU bietet auch Grünen Sondierungsgespräche an

Zugleich wird die Union auch ein Sondierungsgespräch mit den Grünen führen. Kanzlerin Angela Merkel werde mit der Partei am Montag oder Dienstag ein Sondierungsgespräch verabreden, sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe am Montag in Berlin. Das Treffen könnte demnach in der kommenden Woche stattfinden.

Gröhe schloss aus, dass die Union konkretere Koalitionsverhandlungen parallel mit SPD und Grünen führen wird. "Wenn wir in Koalitionsverhandlungen einsteigen, verhandeln wir mit einer Partei." Mit Blick auf die schwierige personelle und inhaltliche Neuaufstellung der Grünen fügte der Generalsekretär hinzu, es sei "interessant festzustellen", dass es bei diesen eine selbstkritische Betrachtung des "selbstverordneten Linkskurses" gebe.

Auch Parteichef Cem Özdemir machte am Montag deutlich, dass es mit den Grünen keine Parallelverhandlungen geben werde.

In die schwierige Regierungsbildung hat sich auch der Bundespräsident eingeschaltet. Joachim Gauck hat die Vorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien zu Vieraugengesprächen in das Schloss Bellevue eingeladen. Er begann mit den Treffen am Montagnachmittag - als erstes empfing er Kanzlerin Merkel.

fab/vme/heb/AFP/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 294 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ey .. bekloppt ??
Art-ist gestern, 14:00 Uhr
Ich habe "jetzt" gewählt und seht mal zu das es nun los geht. Ihr habt einen Auftrag und nicht jetzt wochenlang herumsondieren - Ich kann auch nicht bei einem neuen Job wochenlang meinen Schreibtisch so lange und oft zurechtrücken, bis der Ausblick passt und die Sonne schön draufscheint ... Gebt Gas jetzt.
2. Was soll das ?
bilabu gestern, 14:01 Uhr
"Wir machen uns da die Hose nicht eng", sagte Nahles. Ich möchte mal gerne wissen, wo die ihre Sprüche herhaben, so von wegen "Klare Kante", "Beinfreiheit" und jetzt Nahles. Für mich sagt das viel darüber aus, wes Geistes Kind diese Leute sind, solange die in der SPD das Sagen haben, wird das nie was.
3. affenzirkus
petrasha gestern, 14:01 Uhr
der hier veranstaltet wird. ich hoffe frau nahles wird in der langen überbrückungszeit keine gesangsausbildung machen.
4. So viel Zeit?
maxuli gestern, 14:01 Uhr
Die sollen lieber unsere Land regieren und die vielen anstehenden Probleme lösen und wochenlang miteinander reden.
5.
Trondesson gestern, 14:02 Uhr
Seit wann steht das "D" in SPD für Dumpfbacken? Wenn die Sozialdemokraten nicht auch noch die letzten Wähler an Die Linke verlieren wollen, lassen sie die Union ohne Koalitionspartner am ausgestreckten Arm verhungern. Für mich sind sie allerdings schon seit dem letzten Verrat am Wähler, also seit der letzten "Grossen Koalition" (pffft, lächerlicher Ausdruck für so ein Gebilde) nicht mehr wählbar.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Deutschland
RSS
alles zum Thema Deutschland nach der Bundestagswahl
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 294 Kommentare