Energiewende: CSU will Solarpark-Betreiber schröpfen
Um einen Blackout bei der Stromversorgung im Freistaat zu verhindern, macht die CSU vor ihrer Klausurtagung in Wildbad Kreuth Druck. Sie will den gerade für Bayern wichtigen Bau neuer Gaskraftwerke von Solarpark-Betreibern und Windbauern bezahlen lassen.
Die CSU will Betreiber von Solarparks und Windanlagen zwingen, sich an der Finanzierung neuer Gaskraftwerke zu beteiligen. Auf diese Weise soll ein möglicher Blackout in der Stromversorgung verhindert werden.
Die Erzeuger erneuerbarer Energien sollen nach dem Willen der CSU gesetzlich verpflichtet werden, "eine festgeschriebene Menge an abrufbarer elektrischer Leistung zu garantieren". Da sie das aufgrund der Wetterlage nicht können, sollen sie zum Ausgleich für den Ausbau fossiler Kraftwerkskapazitäten zahlen. So steht es in einem Positionspapier zur Energiepolitik, das die CSU-Landesgruppe bei ihrer Klausur ab 7. Januar in Wildbad Kreuth beschließen will. Das fünfseitige Papier mit dem Titel "Energie von morgen, sicher und bezahlbar", liegt SPIEGEL ONLINE vor.
Durch den Beschluss der Bundesregierung, endgültig aus der Atomkraft auszusteigen, drohen vor allem in Bayern Versorgungsengpässe beim Strom. Ursprünglich wollte CSU-Chef Horst Seehofer die Atomkraft durch den Bau neuer Gaskraftwerke ersetzen. Entsprechende Ausbaupläne der großen Energieversorger liegen derzeit jedoch auf Eis. Denn die teuren Anlagen rechnen sich nicht, wenn sie nur Strom liefern sollen, um Schwankungen bei Windkraft- und Photovoltaik-Anlage auszugleichen.
Spätestens mit der geplanten Abschaltung des Atomkraftwerks Grafenrheinfeld im Jahr 2015 könnte die Stromversorgung Bayerns damit an ihre Grenzen stoßen. Die Bundesnetzagentur behilft sich zurzeit damit, im Winter sogenannte Kaltreserven unter Vertrag zu nehmen. Dabei werden zum Teil ausrangierte und klimaschädliche Kohlekraftwerke in Engpasszeiten wieder hochgefahren. Über eine dauerhafte Lösung wird in der Politik noch diskutiert.
"Der Vorschlag ist nicht zu Ende gedacht"
In dieser Situation will die CSU mit ihrem Gesetzesvorstoß Fakten schaffen. Die Erzeuger volatiler erneuerbarer Energien sollen demnach gezwungen werden, einen Teil der Kosten neuer Gaskraftwerke zu tragen. "Dies kann - ähnlich wie beim Emissionshandel - durch handelbare Zertifikate erreicht werden, über die wiederum hochmoderne Gaskraftwerke finanziert oder Biogasproduzenten zur flexiblen, ausgleichenden Einspeisung motiviert werden", heißt es in dem Entwurf.
Auf entschiedene Ablehnung stößt die Idee beim Bundesverband Erneuerbare Energien. Dort heißt es: "Der Vorschlag ist nicht zu Ende gedacht." Eine einseitige Belastung von Windbauern und Solarparkbetreibern könnte Investitionen in nachhaltige Energien abwürgen. Würden die Kosten dagegen über eine weitere Umlage finanziert, "müssten am Ende wieder die Stromkunden die Rechnung zahlen".
In Kreuth wollen die Energiepolitiker der CSU gleichwohl ihren Vorschlag mit Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) diskutieren. Die CSU drängt auf eine "zeitnahe Entscheidung" über einen solchen neuen Mechanismus. "Das liegt im besonderen Interesse der Versorgungssicherheit in Bayern."
Zudem macht die CSU Vorschläge, wie der Strompreisanstieg wegen der Subventionen für erneuerbare Energien gebremst werden kann. Unter anderem schlägt die Partei vor, die Abwälzung der EEG-Umlage an die Stromkunden zeitlich zu strecken. So könnte die Einspeisevergütung, die den Produzenten erneuerbarer Energien für 20 Jahre garantiert wird, vom Verbraucher über 40 Jahre bezahlt werden.
Diese würde die Vergütungszusagen an die Produzenten nicht in Frage stellen, die Stromkunden aber entlasten. Die Zwischenfinanzierung könnte die staatseigene KfW übernehmen.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Sonntag, 30.12.2012 – 09:06 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 149 Kommentare
Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.
MEHR AUS DEM RESSORT POLITIK
-
Abgeordnete
Bundestagsradar: Alle Fakten, alle Abstimmungen, alles Wissenswerte -
Regierung
Schwarz-gelbe Koalition: Das ist Merkels Kabinett -
Umfragen
"Sonntagsfrage": Der aktuelle Trend anhand von Umfragen -
Nachgefragt
Abgeordnetenwatch auf SPIEGEL ONLINE: Ihr direkter Draht in die Politik -
Rundgang
Kanzleramt, Bundestag, Ministerien: Das ist das politische Berlin

