Umfrage SPD holt auf, Union verliert kräftig

Nur noch wenige Prozentpunkte trennen die Sozialdemokraten von CDU und CSU. Laut einer Emnid-Umfrage erreicht die SPD in der Wählergunst 30 Prozent, die Union rutscht deutlich ab. Peer Steinbrück lästert: "Es wird einsam um die Kanzlerin."

SPD-Politiker Steinbrück: "Dieses Kabinett gibt eine denkbar schwache Vorstellung ab"
DPA

SPD-Politiker Steinbrück: "Dieses Kabinett gibt eine denkbar schwache Vorstellung ab"


Berlin - Für die Union und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird es in Umfragen immer enger. Laut einer neuen Erhebung hat die SPD den Rückstand zur Union auf zwei Prozentpunkte verkürzt. Im aktuellen Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich im Auftrag von "Bild am Sonntag" erhebt, gewinnen die Sozialdemokraten drei Prozentpunkte hinzu und erreichen damit 30 Prozent. Die Union büßt hingegen drei Prozentpunkte ein und kommt nur noch auf 32 Prozent.

Die FDP verbessert sich um einen Prozentpunkt auf sechs Prozent. Die Grünen behaupten sich mit zwölf Prozent als drittstärkste Kraft. Unverändert sind der Umfrage zufolge auch die Werte von Piraten (elf Prozent) und Linkspartei (sechs Prozent). Emnid befragte vom 18. bis zum 23. Mai insgesamt 2248 Personen.

Damit hätten weder Schwarz-Gelb noch Rot-Grün eine Mehrheit. Auch für Schwarz-Grün würde es nicht reichen. Fände tatsächlich am nächsten Sonntag eine Bundestagswahl statt, wäre daher eine Große Koalition die einzige wahrscheinliche Möglichkeit zur Bildung einer Regierung.

Schavan traut Union 40 Prozent zu

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Annette Schavan hält trotz der schwachen Umfragewerte ein Ergebnis von mehr als 40 Prozent bei der Bundestagswahl für möglich. "Dieses Potential trauen wir uns zu", sagte die Bundesbildungsministerin der "Welt am Sonntag". Umfragen seien Momentaufnahme und nicht Leitschnur.

Der mögliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück dagegen sieht Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zunehmend unter Druck und wirft ihr auf europäischer Ebene eine schlechte Personalpolitik vor. "Es wird erkennbar einsam um die Kanzlerin", sagte der frühere Bundesfinanzminister. Das Erstaunliche sei, dass sich Merkel präsidial weit erhoben habe über die Qualität ihres Kabinetts. "Dieses Kabinett gibt eine denkbar schwache Vorstellung ab. Es gibt viele Baustellen, die erkennbar nicht abgearbeitet werden durch diese Regierung."

Zudem sei Merkels Krisenmanagement in Europa in den vergangenen zwei Jahren unzureichend gewesen. Es sei außerdem sehr bedenklich, dass sie wichtige von Deutschen besetzte Führungspositionen preisgegeben habe. Als Beispiele nannte Steinbrück den Präsidenten der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Thomas Mirow, und womöglich auch Klaus Regling als Manager der Euro-Rettungsschirme. Zudem betreffe das den Vizepräsidenten der Europäischen Investitionsbank, Matthias Kollatz-Ahnen.

"Das alles weist darauf hin, dass es ein weit unterdurchschnittliches, teils parteipolitisch bestimmtes Personalmanagement gibt", so Steinbrück. Der Wahrnehmung deutscher Interessen in den EU-Institutionen diene dies alles nicht. Steinbrück hatte seinerzeit als Bundesfinanzminister in der Großen Koalition eng mit Merkel zusammengearbeitet.

cib/dpa



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Seite 1
B.Lebowski 27.05.2012
1.
Zitat von sysopDPANur noch wenige Prozentpunkte trennen die Sozialdemokraten von CDU und CSU. Laut einer Emnid-Umfrage erreicht die SPD in der Wählergunst 30 Prozent, die Union rutscht deutlich ab. Peer Steinbrück lästert: "Es wird einsam um die Kanzlerin." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,835474,00.html
Er muss aufpassen, dass er sich nicht beim Lästern selbst die Beine wegzieht. Die Wahlerfolge der Piraten begründen sich nicht nur aus Verlusten der Union oder Grünen. Sofern sich die Piraten als berechenbare und wählbare Alternative erweisen, werden sich die Verluste auch bei der SPD nicht nur im Promille-Bereich bewegen.
julian0922 27.05.2012
2. Raeusper!
"Emnid befragte vom 18. bis zum 23. Juni insgesamt 2248 Personen." Also entweder habe ich einen kompletten Monat verschlafen oder ich lebe in der Zunkunft! Aber schoen ist es das Tendenzen schon einen Monat vorab bekannt werden...wie waere es zur Abwechslung mal mit den Lottozahlen. (raeusper)
raven_wolf 27.05.2012
3. schön
Zitat von sysopDPANur noch wenige Prozentpunkte trennen die Sozialdemokraten von CDU und CSU. Laut einer Emnid-Umfrage erreicht die SPD in der Wählergunst 30 Prozent, die Union rutscht deutlich ab. Peer Steinbrück lästert: "Es wird einsam um die Kanzlerin." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,835474,00.html
Mit fehlt aber immer noch der Kanzlerkandidat in der SPD, das 3 Gespann will ich nicht, die sind mir zu träge geworden.
Kaworu 27.05.2012
4.
Soso, die Kanzlerin hat also versagt... irgendwie hört man seit 3 Jahren nichts anderes von der SPD - außer der Aussage, das man den europäischen Krisenstaaten wesentlich schneller und umfangreichere Hilfen zur Verfügung stellen möchte ohne Rücksicht auf Verluste (bitte korrigieren wenn ich hier falsch liege - denn dies ist der Grund, warum die SPD für mich aktuell absolut nicht wählbar ist)
Marachi 27.05.2012
5. Umfragen sind überbewertet
Je nach Umfrage die zwischen dem 23.05. und dem 25.05. veröffentlicht wurde kommt die CDU/CSU auf 31-36%, die SPD auf 27-31%, die Gründen auf 12-14%, die FDP auf 4-6%, die Linke auf 5-6% und die Piraten auf 7-13%... was zählt ist das Ergebnis bei der entsprechenden Wahl!
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