Soziale Netzwerke Deutscher Geheimdienst enttarnt chinesische Fake-Spionageprofile

Der Verfassungsschutz hat aufgedeckt, wie China über das Karrierenetzwerk LinkedIn Geheimdienstinformanten in Deutschland rekrutieren will. Die Behörde registrierte mehr als 10.000 Anwerbeversuche.


Schwarzer Hosenanzug, hellblaue Bluse, freundliches Lächeln. Wer auf das Profil von Laeticia Chen auf dem Karrierenetzwerk LinkedIn klickt, sieht eine seriöse Managerin, die für einen vermeintlich seriösen Thinktank in China arbeitet.

Doch als sich der deutsche Verfassungsschutz das Profil genauer anschaute, fiel den Geheimdienstlern auf, dass das Foto ein Fake ist - so wie die ganze Frau.

Es sollte nicht das einzige LinkedIn-Profil bleiben, das dem Bundesamt für Verfassungsschutz negativ auffiel. Als Fälschung entpuppten sich auch die Profile des angeblichen Unternehmensberaters Allen Liu und der angeblichen Headhunterin Rachel Li. Und viele weitere.

Hinter den Fake-Profilen sollen die chinesischen Geheimdienste stecken. Der Verfassungsschutz hatte schon vor längerer Zeit registriert, dass diese in den sozialen Netzwerken äußerst umtriebig sind. Besonders interessiert scheinen die Chinesen an Beamten in Behörden, Stiftungsmitarbeitern, Diplomaten, Bundeswehroffizieren sowie Parlamentariern und ihren Mitarbeitern zu sein. Das Ziel: Kontakte anbahnen, Informationen abschöpfen, Informanten rekrutieren.

Nun haben die Experten des deutschen Inlandsgeheimdiensts neun Monate LinkedIn genauer durchleuchtet - und dabei Beunruhigendes festgestellt: Die chinesischen Geheimdienste haben demnach versucht, mehr als 10.000 Männer und Frauen in Deutschland zu kontaktieren. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen, vermutet der Verfassungsschutz.

Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen
DPA

Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen

"Soziale Netzwerke, insbesondere LinkedIn, werden im großen Stil zur Abschöpfung und Quellenwerbung genutzt", sagt Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. "Es handelt sich um den breit angelegten Versuch der Infiltration insbesondere von Parlamenten, Ministerien und Behörden."

Die Masche ist dabei laut Verfassungsschutz immer ähnlich: Getarnt als Headhunter, Consultants oder Mitarbeiter von Thinktanks nehmen chinesische Geheimdienstler Kontakt zu ihren potenziellen Opfern auf. Sie gaukeln ihnen vor, sich für ihre Expertise zu interessieren und bitten beispielsweise um eine bezahlte Probearbeit. Im nächsten Schritt folgt oft eine Einladung zu einer Chinareise, bei der großzügig alle Kosten übernommen werden. Vor Ort sollen die Gäste aus Deutschland dann dazu bewegt werden, sensible Informationen zu liefern.

Weil die Anbahnungsaktivitäten in dem Karrierenetzwerk offenbar derart umfangreich sind, hat sich der Verfassungsschutz zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden: Er macht die acht aktivsten Fake-Profile der chinesischen Geheimdienste öffentlich sowie die Institutionen, für die sie angeblich arbeiten. Deren Namen klingen nach europäisch-chinesischem Austausch und wirtschaftlichem Aufbruch, ihre Logos und Homepages wirken seriös. Der Verfassungsschutz nennt sie: "Aktive Tarnorganisationen".

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Spiegelleserin57 10.12.2017
1. andere Geheimdienst werden mit ähnlichen Methoden arbeiten...
an Stelle von Herrn Maßen wäre ich da sehr leise. Was macht er wenn der chinesische Geheimdienst der ja bestimmt den deutschen auch sehr gut kennt die Maschen des deutschen Geheimdienstes öffentlich wie hier in der Presse macht. Das wäre doch sehr peinlich und die deutschen Akteure könnten gleich nach Hause fliegen. Man muss, wenn man austeilt, auch mit einer deutlichen Antwort rechnen. Manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren dass die andern Leute gerne für etwas einfältig gehalten werden!
G. Whittome 10.12.2017
2. Interessant, und weiter...?
Klingt wie der interessante Vorspann zu einem Artikel und endet dann abrupt. Wenn der Verfassungsschutz die wichtigsten Fake-Profile und angeblichen Organisationen öffentlich macht, könnte der Spiegel das hier doch auch tun, damit die Nutzer gewarnt sind und sich nicht selbst im Netz auf die Suche danach machen müssen. Wundern muss einen das Ganze nicht. Das Abwerben und Abschöpfen von Informationen in Richtung Taiwan findet dauernd statt und ist schon seit langem ein Thema in den taiwanesischen Medien. Viele Grüße aus Taipei.
Rollerfahrer 10.12.2017
3. Da sieht man mal, wo man wirklich aktiv sein muss....
Da ist die Datenvorratsspeicherung etc., die gegen die eigene Bevölkerung gerichtet ist völlig absurd! Die richtigen Übeltäter kommen von draußen über die Leitungen!
ebull 10.12.2017
4. Soll diese Information neu sein?
Es verwundert die Latenz, mit welcher eine solche Mitteilung als besonders interessant geteilt wird. In der Industrie und diversen mit selbiger verbundener Bereiche wird schon seit Jahren vor solch offensichtlichen und auch weniger offensichtlichen Aktivitäten gewarnt. Das nennt sich dann Informationssicherheit, aus welcher heraus Kunden (incl. denen der Öffentlichen Hand) Empfehlungen erhalten, wie diese umgesetzt wird. Nur wenn sich niemand daran hält, scheint es notwendig, quasi als letzte Option, es über die Presse zu verteilen.
bigroyaleddi 10.12.2017
5. Das zeigt eigentlich nur, wie wichtig für uns die EU ist
Es hat in den Foren doch immer schon mal Verweise auf china gegeben, bezüglich von wirtschaftlichder Zusammenarbeit und ähnliches. Ohne dass mir das jetzt besonders aufgefallen wäre ist dabei der Eindruck erweckt worden, dass - wg. Wegfall der donaldistischen USA - wir als Europäer andere Verbündeten suchen müssten. Auch Putin ist da gerne genannt worden. Wenn ich mir den Artikel jetzt mal so reinpfeife erkenne ich, das zum einen die Chinesen nur das machen, was westliche Geheimdienste gerne rumgedreht auch machen (würden), zum anderen wir uns hier in Westeuropa schon mal Gedanken über die Sicherung unserer Stellung in einer globalen Welt machen müssen. Der VR China ist alles egal, was bei denen intern keine Rolle spielt. Schon vergessen, welche Investitionen die in Afrika tätigen? Bestimmt nicht um der dortigen Bevölkerung zuhelfen. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele Chinesen mitlerweile in Afrika für die VR schaffen. So weit ich das von hier aus beurteilen kann, fällt für die einheimische Bevölkerung von diesem Investitionssegen nicht viel ab. Nur für die Herrschenden.
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