Spaltpilz Möllemann Der Vater des Projekts 18 tobt

FDP-Vize Jürgen Möllemann holt zum Gegenschlag aus: In einem offenen Brief wirft er der Parteispitze vor, durch öffentliche Angriffe auf ihn die Wahlchancen der FDP zu schmälern. Zudem hält sich Möllemann noch immer für einen Anwärter auf ein Ministeramt - obwohl in der FDP längst seine Entmachtung diskutiert wird.


Möllemann: "Der Vater des Projekts 18 muss sich nicht bewerben"
DDP

Möllemann: "Der Vater des Projekts 18 muss sich nicht bewerben"

Berlin/Düsseldorf - "Wenn es am Sonntag einen großen Erfolg gibt und wir Regierungspartei werden, ahne ich, dass sich der Vater des Projekts 18 und der Vorsitzende des größten Landesverbandes nicht bewerben muss", sagte Möllemann der "Rheinischen Post". Dies beziehe er "auf ein Regierungsamt oder den Fraktionsvorsitz" in Berlin. Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) hatte allerdings einen Posten Möllemanns in einer von ihm geführten Bundesregierung ausgeschlossen.

In einem offenen Brief an die FDP-Spitze verteidigt Möllemann seinen Standpunkt im Streit mit dem Zentralrat der Juden. In dem von der FDP in Düsseldorf veröffentlichten Schreiben wirft er seinen Kritikern vor, die Chancen der Liberalen bei der Bundestagswahl zu trüben. Es sei ihm "absolut unbegreiflich", dass "führende Parteimitglieder und solche, die es werden wollen, mich unablässig öffentlich attackieren und durch den gezielt erweckten Eindruck interner Zerrissenheit unsere Wahlchancen schmälern".

Besonders unerfreulich sei, dass diese Attacken auch "meiner/unserer Haltung zur Nahost-Politik gelten, für die ich bei allen Veranstaltungen breiteste Unterstützung erhalten habe", schreibt Möllemann. "Im Übrigen ist weder mir noch der Parteibasis verborgen geblieben, wer da erneut parteischädliche Intrigen schmiedet, während wir vor Ort für das Projekt 18 kämpfen", drohte der Parteivize. "Jeder sollte wissen: Die Ereignisse der Jahre 1994 und 1995 sind noch in guter Erinnerung. Sie werden sich nicht wiederholen."

Möllemann griff nach Einschätzung politischer Beobachter damit ohne Namensnennung sowohl den früheren Parteivorsitzenden Klaus Kinkel als auch die FDP-Ehrenvorsitzenden Hans Dietrich Genscher und Otto Graf Lambsdorff an. 1994 war Möllemann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vom eigenen Landesverband entmachtet und durch den Landtagsabgeordneten Joachim Schultz-Tornau als neuen Landesvorsitzenden ersetzt worden. Nach Einschätzung von Parteimitgliedern soll auch Kinkel hinter dieser Aktion gesteckt haben, weil er durch Möllemanns pausenlose Sticheleien entnervt gewesen sei. Kinkel selbst verlor im Sommer 1995 sein Amt als FDP-Vorsitzender.

Möllemann hatte in einem Wahlkampf-Flugblatt Israels Ministerpräsidenten Ariel Scharon und den Vizevorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, erneut kritisiert - und damit die bereits überwunden geglaubte Antisemitismus-Debatte in der FDP kurz vor der Bundestagswahl wiederbelebt. Möllemanns Angriffe auf Friedman hatten vor Monaten zu öffentlichen Auseinandersetzungen mit dem Zentralrat der Juden und zu Kritik aus breiten Teilen der Gesellschaft geführt.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.