Regierungserklärung: Schäuble wirbt für Milliardenhilfe für Spanien

"Die Märkte zweifeln an Spanien": Finanzminister Schäuble hat den Bundestag um Zustimmung für eine milliardenschwere Finanzspritze für das Krisenland gebeten. Nur so lasse sich die Lage beruhigen. Ein Ja des Parlaments gilt als sicher - die Kanzlermehrheit dagegen nicht.

Finanzminister Schäuble: Erklärung zu Euro-Krise und Spanienrettung Zur Großansicht
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Finanzminister Schäuble: Erklärung zu Euro-Krise und Spanienrettung

Berlin - Europa blickt gebannt auf die deutsche Hauptstadt. Dort ist das Parlament zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Der Bundestag stimmt am Nachmittag über das Hilfspaket für Spanien ab, das den maroden Banken des südeuropäischen Landes zugutekommen soll. Zuvor wandte sich Finanzminister Wolfgang Schäuble in einer Regierungserklärung an die Abgeordneten.

Die wirtschaftliche Lage in Europa sei immer noch von Verunsicherung geprägt, so Schäuble. Die Rückgewinnung verlorengegangenen Vertrauens werde noch lange brauchen. "Die Märkte zweifeln, ob der spanische Staat die Probleme der Bankenzone in den Griff bekommt", so Schäuble. Schon ein solcher Anschein sei höchst riskant, eine Kettenreaktion möglich. Der Minister warnte vor "gravierenden Ansteckungseffekten in Europa".

Spanien sei zwar auf einem guten Weg, doch der Erfolg der massiven Umstrukturierungen sei durch die Probleme im Bankensektor gefährdet. Daher müsse der Staat finanziell unterstützt werden. "Es handelt sich um eine Ausnahmesituation. In dieser wollen wir Spanien gegen die Unsicherheiten auf dem Finanzmarkt helfen."

Gleichzeitig stellte Schäuble noch einmal klar, dass die Hilfen für Spaniens Banken an strenge Auflagen gekoppelt sind. "Spanien stellt den Antrag. Spanien bekommt das Geld zur Bankenrekapitalisierung. Und Spanien haftet als Staat für die Hilfen aus dem EFSF", so der Minister.

Mit Blick auf ein anderes Euro-Sorgenland erklärte Schäuble, Zypern habe seinen Antrag zurückgezogen, beim Spanien-Rettungspaket nicht mithaften zu müssen.

Steinmeier wirft Regierung fehlende Erklärung vor

Auf Schäubles Rede folgt eine längere Aussprache. Als erster Redner trat der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier ans Mikrofon - und kritisierte die Krisenpolitik der Regierung scharf: "Die Menschen hungern nach Erklärungen. Hat dieses Fass einen Boden? Der wievielte Versuch einer Erklärung soll das denn heute sein?"

Trotz der deutlichen Worte gilt eine Zustimmung für die Finanzspritze als sehr wahrscheinlich, auch durch die SPD. Steinmeier erklärte, er habe seiner Fraktion das positive Votum nahegelegt - "trotz eigener Bedenken". Der Schaden durch eine deutsche Ablehnung der Spanien-Hilfe sei zu groß, als dass die SPD gegen den Antrag stimmen könne.

Die Grünen halten der Bundesregierung eine falsche Argumentation in der Euro-Krise vor. In Spanien gebe es keine Staatsschuldenkrise, sondern eine Bankenkrise infolge einer geplatzten Immobilienblase, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Denn selbst heute seien die Schulden des Landes noch niedriger als die der Bundesrepublik. Notwendig seien deshalb eine Bankenunion, eine Schuldenbremse für Banken und eine europäische Einlagensicherung.

Zugleich bezeichnet Trittin die an klare Vorgaben gebundene Spanien-Hilfe als einen "vernünftigen Vorschlag".

Spannend wird die Frage, ob Angela Merkel die symbolisch wichtige Kanzlermehrheit von 311 Abgeordneten erreicht. Mehrere Unionspolitiker haben bereits ihre Ablehnung angekündigt.

Die Mitglieder des Bundestags hatten für die Abstimmung ihren Sommerurlaub unterbrochen. Allerdings haben es nicht alle Parlamentarier rechtzeitig zur Sondersitzung zurück nach Berlin geschafft.

Madrid beschließt neues Sparpaket

Spanien hatte am 25. Juni offiziell Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF für seine Banken beantragt. Das Programm soll über 18 Monate laufen, die Obergrenze für die Hilfen ist bei 100 Milliarden Euro. Deutschlands Haftungsanteil liegt bei rund 29 Prozent.

Die Sparbemühungen in Spanien gehen derweil weiter. Das Parlament hat das jüngste, bis zu 65 Milliarden Euro schwere Sparpaket der Regierung gebilligt. Allerdings votierten nur die Abgeordneten der regierenden Volkspartei (PP) für den umstrittenen Sparplan. Die Opposition stimmte dagegen.

Das Sparpaket ist bereits das vierte, das die konservative Regierung von Ministerpräsident Mariano Rajoy innerhalb eines halben Jahres beschlossen hat. Es enthält eine kräftige Anhebung der Mehrwertsteuer, eine Kürzung des Arbeitslosengeldes und die Abschaffung des Weihnachtsgeldes für Staatsbedienstete.

EFSF soll Geld für spanische Staatsanleihen beiseitelegen

Der Euro-Rettungsfonds EFSF soll laut einem Medienbericht Geld für Käufe spanischer Staatsanleihen beiseitelegen. Wie das "Wall Street Journal" (WSJ) am Donnerstag mit Bezug auf die geplante Vereinbarung zwischen Madrid und seinen Euro-Partnern berichtet, soll die Unterstützung für das krisengeschüttelte Spanien über die angekündigten Rettungsgelder für den maroden Bankensektor hinausgehen.

Teil des Abkommens sei, dass der EFSF Vorkehrungen schafft, um zugunsten von Spanien an den Anleihemärkten zu intervenieren. Zu diesem Zweck soll der Krisenfonds separate Hilfstöpfe einrichten.

Korrektur: In einer früheren Version hieß es, Zypern habe seinen Antrag zurückgezogen, als Programmland voll unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Dies ist falsch. Das Land hatte lediglich beantragt, seinen Anteil am Rettungsfonds nicht mehr bezahlen zu wollen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

jok/dpa/Reuters/dapd

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1.
TheBlind 19.07.2012
Zitat von sysop"Die Märkte zweifeln an Spanien": Finanzminister Schäuble hat den Bundestag um Zustimmung für eine milliardenschwere Finanzspritze gebeten. Nur so lasse sich die Lage beruhigen. Später votiert das Parlament über die Hilfen. Eine Genehmigung gilt als sicher - die Kanzlermehrheit dagegen nicht. Spanien-Hilfe: Schäuble gibt Regierungserklärung ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845324,00.html)
"Das deutsche Volk zweifelt an der deutschen Regierung!" Cu.
2. Selber zahlen
gottgegenuns 19.07.2012
Zitat von sysop"Die Märkte zweifeln an Spanien": Finanzminister Schäuble hat den Bundestag um Zustimmung für eine milliardenschwere Finanzspritze gebeten. Nur so lasse sich die Lage beruhigen. Später votiert das Parlament über die Hilfen. Eine Genehmigung gilt als sicher - die Kanzlermehrheit dagegen nicht. Spanien-Hilfe: Schäuble gibt Regierungserklärung ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845324,00.html)
Kann ja mal bei sich und seinesgleich mit dem Hut rumgehen.
3. Spanien
Christian Guenter 19.07.2012
wird das 2. Griechenland. Banken sollen gerettet werden die vorher soviele Kredite an Spanien gegeben haben und jetzt Pleite wären-ohne Kohle aus Deutschland.
4. Schäuble lügt!
produster 19.07.2012
Schäuble lügt! Hat bei ihm Tradition. Was hier läuft, ist der gigantischste Umverteilungsprozeß, den die Welt gesehen hat. Kein Mensch redet über hunderttausende zwangsgeräumter Spanier, nur die spanischen Banken werden "gerettet". Spanischen Arbeitslosen, den verlierern der hemmungslosen Spekulation dort, werden die Hilfen um 17% gestrichen. Stoppt Schäuble, Merkel und Co. Stoppt sie jetzt, denn das Modell Spanien ist das zukünftige Modell für Deutschland. Oder glaubt jemand, dass dieser Kelch an uns vorrüber geht?
5. Not leidend
con_damillo 19.07.2012
Zitat von sysop"Die Märkten zweifeln, ob der spanische Staat die Probleme der Bankenzone in Griff bekommt", so Schäuble. Spanien-Hilfe: Schäuble gibt Regierungserklärung ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,845324,00.html)
In der Sondersitzung des Bundestages sprach Schäuble bereits mehrfach von "Not leidenden[!] Banken". Ich bezweifle, dass Schäuble bei dieser Wortwahl die "Probleme der Bankenzone" erkannt hat.
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  • Donnerstag, 19.07.2012 – 14:49 Uhr
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  • Kommentieren | 228 Kommentare
So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

Wer den ESM noch ratifizieren muss
13 der 17 Euro-Länder haben den Rettungsfonds ESM bereits ratifiziert. Der Nachfolger des EFSF soll mit einem Stammkapital von 700 Milliarden Euro Länder der Währungsunion unterstützen, die in finanzieller Not sind. Der ESM tritt in Kraft, wenn 90 Prozent des Stammkapitals erreicht sind. Da Deutschland einen Anteil von rund 27 Prozent besitzt, hat die Bundesrepublik ein Vetorecht. Folgende Länder haben den Vertrag noch nicht ratifiziert:
Deutschland
Bundestag und Bundesrat haben den ESM-Vertrag mit Zweidrittelmehrheit gebilligt. Für die Ratifizierung muss das Gesetz aber noch vom Bundespräsidenten unterschrieben werden. Dafür steht die Erlaubnis des Bundesverfassungsgerichts aus: Dieses verhandelt darüber, ob das Gesetz mit dem Grundgesetz vereinbar ist.
Estland
Auch in Estland steht die Zustimmung der Verfassungsrichter noch aus. Die Entscheidung soll am Donnerstag, den 12. Juli, fallen.
Italien und Malta
In beiden Ländern müssen die Parlamente den ESM-Vertrag noch billigen.