Finanzhilfe für Krisenstädte Sparkassen sollen klamme Kommunen retten

Viele westdeutsche Städte sind verschuldet, die Konten der Sparkassen dagegen prall gefüllt. Nun fordert Nordrhein-Westfalens Innenminister Hilfe für die Kommunen - in Duisburg soll schon bald Geld fließen. In der Debatte um den Solidarpakt spricht sich SPD-Chef Gabriel gegen eine Kündigung aus.

Sparkasse (Archivbild): Rücklagen in Milliardenhöhe gebildet
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Sparkasse (Archivbild): Rücklagen in Milliardenhöhe gebildet


Hamburg - Vielen Kommunen in Westdeutschland geht es schlecht - vor allem das Ruhrgebiet entwickelt sich zur finanziellen Krisenregion. Offen wird bereits über eine Kündigung des Solidarpakts diskutiert. Nun hat die nordrhein-westfälische Landesregierung einen neuen Vorschlag eingebracht: Sie will zur Finanzierung klammer Städte künftig die Sparkassen heranziehen.

Zwar liege die Entscheidung über Ausschüttungen bei den Kommunen selbst - schließlich sind sie in der Regel die Eigentümer der Sparkassen. "Wir halten das aber in Städten, in denen die Sparkasse auf gesunden Füßen steht, für eine sehr vernünftige Vorgehensweise", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) der "Financial Times Deutschland".

Ein aktuelles Beispiel gibt es bereits: Die Sparkasse Duisburg hatte am Dienstag nach langem Widerstand angekündigt, die Stadt am Gewinn zu beteiligen. Auch in anderen verschuldeten NRW-Kommunen ist die Ausschüttungsfrage hart umkämpft - etwa in Herford, Lüdenscheid, Solingen und Wuppertal.

Die Sparkassen sträuben sich bisher gegen die Debatte um eine Unterstützung der Kommunen. Sie schütten Gewinne ungern an ihre Träger aus - also Städte oder Kreise. Stattdessen legen sie das Geld meist zurück, um Wachstum zu finanzieren oder sich wie derzeit für die neuen Basel-III-Eigenkapitalregeln zu wappnen. Sparkassen haben keinen Zugang zum Aktienmarkt und somit keine Möglichkeit, ihr Kapital anderweitig aufzustocken.

Leisten könnten sich die meisten Sparkassen eine Stützung ihrer Kommune. Sie verfügen bundesweit über stille Reserven im zweistelligen Milliardenbereich - über die genaue Höhe schweigt sich der Sparkassen- und Giroverband (DSGV) jedoch aus. 2011 lag das Ergebnis der Sparkassen vor Steuern bei 4,7 Milliarden Euro. Die Kernkapitalquote liegt bei durchschnittlich 10,5 Prozent.

Die Landesregierung fordert nun ein weiteres Engagement - über die hohen Spenden für gemeinnützige Zwecke hinaus. Jährlich verwenden die NRW-Sparkassen darauf mehr als 200 Millionen Euro. Zur Orientierung am Gemeinwohl gehörten aber "auch Ausschüttungen zur Etatkonsolidierung", sagte Jäger.

Gabriel gegen Aufkündigung des Solidarpakts

In der Diskussion um die finanzielle Schieflage vieler Westkommunen war zuletzt die Forderung nach einer Aufkündigung des Solidarpakts laut geworden. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Verständnis für die Klagen der SPD-Oberbürgermeister im Ruhrgebiet, hält aber ein mögliches Ende des Pakts für falsch.

"Der Hilferuf der Oberbürgermeister ist aus der Not geboren. Immer mehr Städte und Gemeinden verwahrlosen, weil schlicht das Geld fehlt. Es wäre aber falsch, Ost gegen West auszuspielen. Eine Aufkündigung des Solidarpakts II kommt nicht in Frage", sagte Gabriel den "Ruhr Nachrichten".

"Dann würden die ostdeutschen Kommunen weniger Geld vom Bund erhalten, die westdeutschen hätten davon jedoch nichts", so der SPD-Politiker. Der Bund habe den Kommunen in der Familien-, Jugend- und Sozialpolitik immer mehr Aufgaben aufgebürdet, ohne die Finanzen dafür zur Verfügung zu stellen: "Wer die Musik bestellt, muss auch zahlen."

jok/dapd

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insgesamt 29 Beiträge
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kabian 22.03.2012
1. Das verstehe ich nicht
Die Sparkassen konnten die Schulden der West-LB nicht begleichen. Aber jetzt sollen ebendiese Pleiteinstitute die Kommunen retten, die ebenso unglaublicher hohe Schulden haben? Das sieht für mich wie ein Schneeballsystem aus. Unsere kleine Stadt mit etwas mehr als 40000 Einwohner, hat Schulden in Höhe von mehr als 100 Millionen. Ich kann mir nicht vorstellen, das die Sparkasse mehr als das Händchen des Bürgermeisters halten kann.
marthaimschnee 22.03.2012
2. Tilt!
Tja, Herr Schäuble, es sieht ganz danach aus, daß sie in Punkto Schuldenabbau eigentlich gar nichts geleistet haben. Die angeblich reduzierte Neuverschuldung des Bundes - und mehr ist es nicht, denn von einem Schuldenabbau sind wir noch diverse Sozialvernichtungsreformen entfernt - haben Sie lediglich jemand anderem untergejubelt. Und der Solidarpakt kommt auch nicht von ungefähr. Er ist sozusagen die Rache der ökonomisch Selbstsucht, mit der fast die gesamte DDR Wirtschaft nach der Wende dem Markt geopfert wurde. Die Vorteile dessen sind freilich längst verraucht, wie man nämlich schön in den Artikeln und Grafiken sehen kann, die links verlinkt sind, hat der Osten mittlerweile eine ähnliche Ausgabenstruktur erreicht, wie der Westen. Was nicht paßt, sind die Einnahmen, die im Westen zu 40% aus Steuern bestehen, im Osten nur aus 25% - geht ja auch nicht anders, weil man im Osten Investoren überwiegend mit Billiglöhnen und Steuergeschenken anzulocken versucht. Aber was will man das den Schwachmaten im Finanzministerium erklären, die verstehen ja nichtmal, daß ihre eigenen Probleme nicht in zu hohen Ausgaben, sondern in den durch die Steuerreformen wegreduzierte Einnahmen bestehen. Und da diese Einsicht derzeit komplett fehlt, wird es noch viel schlimmer werden!
alangasi 22.03.2012
3. Die Sparkassen.....
.... geben Ihr (Ja ihres!) Geld lieber für Reklame aus.
ccmehil 22.03.2012
4. Super Idee
Zitat von sysopDPAViele westdeutsche Städte sind hoch verschuldet, die Konten der Sparkassen dagegen prall gefüllt. Nun fordert der nordrhein-westfälische Innenminister Hilfe für die Kommunen - in Duisburg soll schon bald Geld fließen. SPD-Chef Gabriel spricht sich gegen eine Kündigung des Solidarpakts aus. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,822914,00.html
Dann wird der Ausbau Ost jetzt also mit Sparkassengeldern finanziert? Haushalten! Nicht räubern!
ditor 22.03.2012
5. Versteckte neue Abgaben plus Doppelbelastung
Hier sollen wohl neue Steuern/Abgaben generiert werden ohne dass der Bürger etwas davon sofort merkt. Diese elendige Tendenz gibt es schon bei einigen regionalen Versorgern, bei denen sich die Gemeinden bis zum maximal möglichen bedienen möchten. Die Sparkassen haben momentan andere Probleme als die Gemeindefinanzierung: Sie müssen mit ihrem recht teuer erkauftem Kapital gegen Banken konkurrieren, denen in Rahmen der Pleitestaatenrettungen Billigstgeld hinterhergeworfen wurde. Das dürfte Aufgabe genug sein.
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