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Sparpaket: Die schwarz-gelbe Rotstift-Regierung

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Tiefe Einschnitte im Sozialetat, Milliardenbeiträge aus der Wirtschaft: Am Sparpaket der Bundesregierung sollen die Finanzen der Republik in den kommenden Jahren gesunden. SPIEGEL ONLINE analysiert, wer unter den Plänen am meisten leidet - und wer vom Rotstift verschont bleibt.

Angela Merkel, Guido Westerwelle: Gut gelaunt trotz Sparpaket Zur Großansicht
REUTERS

Angela Merkel, Guido Westerwelle: Gut gelaunt trotz Sparpaket

Berlin - Das Ergebnis dieses "einmaligen Kraftakts", wie die Kanzlerin es ausdrückt, ist ein ziemlich nüchternes Papier. Knapp sieben Seiten, dazu eine Tabelle von noch einmal anderthalb Seiten mit reichlich Zahlen. So sieht es aus, das größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik, das "die Grundpfeiler unserer Zukunft stärken" soll. Das zumindest verheißt die Überschrift.

Als Angela Merkel und Vizekanzler Guido Westerwelle am Montagnachmittag ihren historischen Finanzplan für die nächsten Jahre endlich vorstellen, liegt der aber erstmal nicht vor. Hilflose Blicke bei der Regierungschefin und ihrem Vize. Irgendjemand hätte den zahlreichen Journalisten in der Berliner Bundespressekonferenz das dünne Dokument doch verteilen sollen.

Hat aber keiner. So viel zur Kommunikation über die Weichenstellung "für die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in den nächsten Jahren", die Merkel angekündigt hat.

Zur offiziellen Präsentation gibt es somit erst einmal ein verbales Zahlengewitter. 11,2 Milliarden Euro will die schwarz-gelbe Bundesregierung 2011 sparen, bis 2014 sollen es insgesamt gar 80 Milliarden Euro sein, um die vom kommenden Jahr an geltende grundgesetzliche Schuldenbremse einzuhalten. Große Einschnitte bei den Leistungen für Arbeitslose und Familien stehen an, auch der Wirtschaft drohen Milliardenbelastungen.

Allein die Bereiche Bildung, Forschung und im Wesentlichen der Verkehrsetat bleiben nach der etwa 16-stündigen Klausurtagung der Regierung am Sonntag und Montag von der Aktion Rotstift ausgenommen. Um die Besitzstände wurde in allen Ressorts hart gerungen, ist aus Koalitionskreisen zu hören, von "anspruchsvollen Einzelgesprächen" ist die Rede.

Die FDP etwa hat in den Verhandlungen erfolgreich darauf gedrängt, dass unter keinen Umständen Steuererhöhungen im Paket enthalten sind. Also kommt es nun weder zu einem Aufschlag auf die Tabaksteuer, geschweige denn zu Erhöhungen bei der Einkommen- oder Mehrwertsteuer. Maßnahmen unter dem Etikett Steuererhöhungen, die mancher Unionspolitiker zur Sanierung der maroden Staatsfinanzen erwog, hätte Westerwelle seiner Partei kaum vermitteln können, nachdem diese sich vor einigen Wochen endgültig von ihren Steuersenkungsträumen verabschieden musste.

Scharfe Kritik von der Opposition

Die Opposition hätte dagegen gern an der Steuerschraube gedreht - zumindest für Spitzenverdiener. Entsprechend scharf fällt die Kritik am Sparpaket aus. Sigmar Gabriel erkennt "ein Dokument des Versagens". Union und FDP schonten ihre Klientel, aber "schröpfen Arbeitslose und Familien", wettert der SPD-Chef. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth empört sich über ein "Programm der aktiven Reichtumspflege", Linke-Fraktionschef Gregor Gysi wittert "einen Anschlag auf den sozialen Frieden und die Demokratie im Land und ruft die Bevölkerung bereits zu "breitem öffentlichen Widerstand" auf.

Die Regierung weist den Vorwurf ungerechter Kürzungen zurück. Ausgewogen und gerecht sei das Sparpaket, heißt es am Montag, Vizekanzler Westerwelle mahnt aber auch: "80 Milliarden Euro sparen sich aber auch nicht mit der Nagelschere."

Bis Anfang Juli will die Regierung nun die Details des Konzepts ausarbeiten, Mitte August soll das Kabinett das Paket beschließen, dann geht es ins Parlament. Korrekturen am Sparpaket sind dabei nicht ausgeschlossen. Bis zum Sommer will Schwarz-Gelb auch die Eckpunkte der umstrittenen Gesundheitsreform vorlegen. Viel Arbeit also. "Das erfordert alles viel Geduld", sagt Westerwelle und fügt mit Blick auf den jüngsten Schlagabtausch zwischen FDP und CSU hinzu: "Und Liebe."

SPIEGEL ONLINE analysiert im Folgenden die Sparpläne der Regierung. Wer profitiert, wer verliert?

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Forum - Das Sparpaket - gerecht und ausgewogen?
insgesamt 11602 Beiträge
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1.
Sumerer 07.06.2010
Zitat von sysopDas größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik ist beschlossen: Die schwarz-gelbe Regierung will den Etat bis 2014 um 80 Milliarden Euro kürzen. Einkommen- und Mehrwertsteuer werden zunächst nicht erhöht. Ist das Gesamtpaket Ihrer Meinung nach ausgewogen und gerecht?
Nein. Zuerst hätten die Verursacher des Schuldenberges der BRD an die denken müssen, die diesen beschlossen haben. Also an sich selbst.
2.
T. Wagner 07.06.2010
Mit dem, was ich so gelesen habe, kann ich durchaus leben. Ich bin zufrieden und hoffe nur, daß es den gewünschten Erfolg zeitigt.
3.
ergoprox 07.06.2010
Zitat von T. WagnerMit dem, was ich so gelesen habe, kann ich durchaus leben. Ich bin zufrieden und hoffe nur, daß es den gewünschten Erfolg zeitigt.
Genau, Hauptsache nicht selbst betroffen. So ist er, der deutsche Nichtsblicker.
4. Lach...
nixkapital 07.06.2010
Zitat von T. WagnerMit dem, was ich so gelesen habe, kann ich durchaus leben. Ich bin zufrieden und hoffe nur, daß es den gewünschten Erfolg zeitigt.
Wenn Sie die Meldung auf SPON meinen, scheinen Sie sich ja mit wenig bis nichts zufrieden zu geben. Bisher ist alles nur eine Absichtserklärung ohne konkrete Zahlen. Warten Sie mal ab, bis sich die Lobbyisten warmgelaufen haben, dann werden wir ja sehen, wer vor allem für alle sparen darf. Das werden weiterhin die Leute mit den kleinen Gehältern und die Arbeitslosen sein.
5.
T. Wagner 07.06.2010
Zitat von ergoproxGenau, Hauptsache nicht selbst betroffen. So ist er, der deutsche Nichtsblicker.
Von was sind Sie denn persönlich betroffen bei den geplanten Einsparungen? Fürchten Sie bereits jetzt schon, sich im Winter einen kalten Hintern zu holen, wenn die Heizkosten für Hartz-IV-Bezieher nicht mehr in voller Höhe übernommen werden?
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Eckpunkte des schwarz-gelben Sparpakets
Die schwarz-gelbe Regierung hat das größte Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik geschnürt. 80 Milliarden Euro will sie bis 2014 einsparen. Der Überblick zeigt, in welchen Bereichen gekürzt wird.
Sozialleistungen
Dieser Bereich, der mehr als die Hälfte des Bundeshaushaltes ausmacht, soll effizienter werden. Grundsätzlich will die Koalition Pflichtleistungen in Ermessensleistungen umwandeln - etwa bei Eingliederungshilfen für Jobsuchende. Dies soll den Anreiz zur Annahme einer Arbeit erhöhen.
Arbeitslose
Bei den Leistungen für Arbeitslose setzt die Koalition den Rotstift an. So sollen die für zwei Jahre gezahlten Zuschläge beim Übergang vom Arbeitslosengeld I ins Arbeitslosengeld II ersatzlos gestrichen werden. Bisher werden Alleinstehenden im ersten Jahr bis zu 160 Euro monatlich gezahlt, im zweiten bis zu 80 Euro. Für Verheiratete gibt es maximal das Doppelte. Mit der Streichung will der Staat 200 Millionen Euro einsparen.
Hartz-IV-Empfänger
Hartz-IV-Empfängern soll das Elterngeld komplett gestrichen werden. Das Einsparpotential beträgt hier 400 Millionen Euro. Hartz-IV-Empfänger werden künftig auch nicht mehr rentenversichert. Der aus Steuergeldern bezahlte Rentenversicherungsbeitrag für Langzeitarbeitslose (1,8 Milliarden Euro jährlich) soll entfallen.
Bundesagentur für Arbeit und Arbeitslosenversicherung
Die Arbeitslosenversicherung soll künftig ohne Darlehen oder Zuschüsse auskommen. Dies könnte auf eine Erhöhung des Beitragssatzes über die für 2011 festgelegten drei Prozent hinauslaufen. Die Bundesagentur für Arbeit soll Leistungen stärker nach eigenem Ermessen gewähren können und dadurch ihre Ausgaben zwischen 1,5 und 3 Milliarden Euro drücken können.
Elterngeld
Gutverdienende Eltern bekommen künftig etwas weniger. Den Höchstbetrag von maximal 1800 Euro im Monat will die Koalition nicht antasten. Doch werden künftig nur noch 65 statt 67 Prozent als Berechnungsgrundlage genommen, wenn das Nettoeinkommen über 1240 Euro im Monat beträgt. Unterm Strich entlastet das den Bundesetat nach Erwartung der Regierung um 200 Millionen Euro im Jahr.
Heizkostenzuschuss
Der Heizkostenzuschuss für Wohngeldempfänger soll wegfallen. Die Regierung erwartet dadurch eine Entlastung um 100 Millionen Euro.
Subventionsabbau
Auf den Prüfstand sollen Finanzhilfen und Steuervergünstigungen. Durch Einschränkung der Ausnahmeregelungen von der Ökosteuer für besonders energieintensive Unternehmen sollen jährlich bis zu 1,5 Milliarden Euro mehr in die Staatskasse kommen.
Brennelementesteuer
Die Sondergewinne der Energiekonzerne aus der beabsichtigten Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke sollen abgeschöpft werden. Daraus erhofft sich die Regierung jährlich Zusatzeinnahmen von 2,3 Milliarden Euro.
Luftverkehrsabgabe
Für Flugpassagiere ist eine ökologische Luftverkehrsabgabe geplant. Sie soll jährlich etwa eine Milliarde Euro einspielen und bei Abflügen von deutschen Flughäfen erhoben und nach Kriterien wie Lärm und Energieverbrauch differenziert werden.
Finanzmarktabgabe
Mit einer Finanzmarkttransaktionssteuer sollen die Banken sich an den Kosten der Krise beteiligen. Die Bundesregierung setzt dabei auf eine internationale oder europäische Vorgehensweise, behält sich aber auch eine nationale Lösung vor. Angestrebt wird eine Lösung zum 1. Januar 2012.
Bahn
Die Deutsche Bahn soll einen erheblichen Teil ihrer künftigen Gewinne an den Bund als Eigentümer abführen. Von 2011 bis 2014 hat der Bund jeweils 500 Millionen Euro Dividendeneinnahmen eingeplant. Bisher konnte der bundeseigene Konzern Gewinne komplett behalten.
Bundeswehr
Bei den Streitkräften ist eine groß angelegte Reform geplant. Ziel ist es, ab 2013 jeweils zwei Milliarden Euro einzusparen. Die Rede ist von einer Reduzierung der Truppenstärke um 40.000 Berufs- und Zeitsoldaten. Es soll bei einem Wehr- und Ersatzdienst von sechs Monaten bleiben.
Bund und Beamte
Die Zahl der Bundesbeschäftigten soll bis 2014 um bis zu 15.000 Stellen sinken. Zudem sollen die Bundesbeamten 2011 auf die geplante Erhöhung des Weihnachtsgeldes verzichten. Dies bedeutet eine Kürzung der Bezüge um 2,5 Prozent. Generell sollen die Ausgaben des Bundes pauschal auf mittlere Sicht um 4,4 Milliarden Euro im Jahr gesenkt werden.
Berliner Stadtschloss
Der Aufbau des Berliner Schlosses wird auf Eis gelegt. Ursprünglich war der erste Spatenstich bereits für Anfang 2011 geplant. Die einstige Residenz der preußischen Könige und deutschen Kaiser soll nun erst von 2014 an wiederaufgebaut werden. Daraus ergeben sich Einsparungen in Höhe von 400 Millionen Euro.

"Schongang für Vermögende"

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Hintergrund: Die neue Föderalismusreform
Neue Schuldengrenzen
Bund und Länder wollen im Grundgesetz Obergrenzen für Neuschulden festsetzen. Grundsätzlich steht für beide das Ziel im Vordergrund, von 2020 an keine neuen Kredite mehr aufzunehmen. Für die Länder gilt ab diesem Zeitpunkt ein striktes Neuverschuldungsverbot. Für den Bund soll zwar von 2011 an eine Obergrenze der Neuverschuldung von 0,35 Prozent festgesetzt werden, er räumt sich aber dafür bis 2016 eine Übergangsfrist ein. In Konjunkturkrisen und Notsituationen wie Naturkatastrophen sind unter strengen Bedingungen, die noch nicht abschließend geklärt sind, Ausnahmen möglich. In wirtschaftlich guten Jahren müssen Rücklagen gebildet oder Schulden getilgt werden.
Hilfe für ärmere Länder
Ärmere Länder sollen beim Abbau ihrer Altschulden von 2011 bis 2019 mit jährlich 800 Millionen Euro unterstützt werden. Diese insgesamt 7,2 Milliarden Euro teilen sich Bund und Länder je zur Hälfte. Nach bisherigem Stand kann Bremen mit rund 300 Millionen Euro jährlich rechnen, das Saarland mit 260 Millionen und Schleswig-Holstein mit 80 Millionen Euro. Weitere Nehmerländer sind voraussichtlich Berlin und Sachsen-Anhalt.
Frühwarnsystem
Um Haushaltskrisen frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, soll ein Frühwarnsystem eingeführt werden. Dazu soll unter anderem ein Bund-Länder-Gremium eingesetzt werden, der sogenannte Stabilitätsrat, der das Haushaltsgebaren von Bund und Ländern kontrolliert. Bei Verstoß gegen Auflagen werden den Nehmerländern die Finanzmittel für den Rest des Förderungszeitraumes gestrichen.
Verwaltungs- und Steuerreformen
Bund und Länder haben sich verständigt, dass die Kfz-Steuer auf den Bund übertragen wird. Dafür ist ein Ausgleich von 8,9 Milliarden Euro pro Jahr vorgesehen. Geplant ist auch, die Verwaltungskompetenz für die Versicherungssteuer auf den Bund zu übertragen, dem die Steuer ohnehin zufließt. Weitere Ausgleichsmaßnahmen werden noch geprüft. Die Kooperation in der Informationstechnologie soll gestärkt werden. Länder sollen sich stärker an den jeweils besten Lösungsmodellen orientieren ("Benchmarking"); Details sind noch offen. Ein nationales Krebsregister soll durch ein Bundesgesetz eingerichtet werden.
Offene Streitfragen
Keine Einigung gab es unter anderem über ein neues Abstimmungsverfahren im Bundesrat, auch Fortschritte bei Überlegungen für eine Neuordnung der Länder blieben aus. SPD-Fraktionschef Peter Struck sagte, diese Aufgaben blieben für eine Föderalismuskommission III - genau wie die künftigen Zuständigkeiten für Bundesstraßen.

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