Sparpolitik der Bundeswehr Verteidigungsminister verärgert Rüstungsindustrie

Das Verteidigungsministerium hat mit seinen Sparbemühungen die heimische Rüstungsindustrie verärgert. Nach SPIEGEL-Informationen hat die Bundeswehr 176 Panzerwagen im Wert von mehr als 100 Millionen Euro in den USA bestellt statt bei einem deutschen Hersteller. Die Opposition spottet.

Kleintransporter "Eagle V" von General Dynamics: Besseres Preis-Leistungsverhältnis
General Dynamics

Kleintransporter "Eagle V" von General Dynamics: Besseres Preis-Leistungsverhältnis


Hamburg - Für die deutsche Rüstungsindustrie ist es ein Affront: Die Bundeswehr hat keinem deutschen Hersteller, sondern einem Konsortium um den US-Konzern General Dynamics den Auftrag erteilt, 176 gepanzerte Kleintransporter vom Typ "Eagle V" zu liefern. Der Auftrag im Wert von knapp 110 Millionen Euro umfasst auch die Wartung der gegen Minen, Sprengsätze und Schüsse gesicherten Fahrzeuge, die vor allem für die Truppen in Afghanistan dringend benötigt werden.

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Heft 17/2013
Wenn Schule krank macht

Für die heimischen Rüstungshersteller ist die Entscheidung für das amerikanisch-schweizerische Konsortium ein schwerer Schlag. Anders als bei der letzten Beschaffung von Panzerwagen vor vier Jahren haben Kraus-Maffei-Wegmann und Rheinmetall MAN mit dem "Armoured Multi-Purpose Vehicle" (AMPV) dieses Mal ein vergleichbares Fahrzeug im Angebot.

Mit der Entscheidung für das US-Modell sinken nun auch die Chancen für den Export des AMPV in andere Länder. Im Verteidigungsministerium heißt es, der "Eagle" habe beim "Verhältnis Leistung/Kosten" besser abgeschnitten - kurz: Er ist einfach billiger.

Insider schätzen, dass die Beschaffung des deutschen Konkurrenzmodells insgesamt 50 Millionen Euro teurer ausgefallen wäre. Hinzu kommt, dass die Bundeswehr inzwischen über 450 Fahrzeuge des Vorgängermodells "Eagle IV" verfügt und rund 80 Prozent der Ersatzteile auch für das Nachfolgemodell passen. Diese Woche liegt die geplante Anschaffung den Haushaltspolitikern im Bundestag zur Abstimmung vor.

Bund spart durch Kürzung beim Hubschrauber-Kauf kaum

Eine weniger glückliche Hand beim Sparen zeigte das Verteidigungsministerium bei einem anderen wichtigen Projekt: Das Haus von Thomas de Maizière (CDU) hat zwar bei zwei Großaufträgen die Zahl bereits georderter Hubschrauber massiv reduziert, spart dadurch aber nur einen Bruchteil der Auftragssumme ein.

Gegenüber dem Bundestag räumte das Ministerium ein, dass die Gesamtkosten von 10,5 Milliarden Euro nur um einen Betrag "im unteren dreistelligen Millionenbereich" sinken, obwohl nun statt 202 Maschinen nur 157 angeschafft werden. Im Ministerium geht man von einer Einsparung von 200 Millionen Euro aus.

De Maizière hatte mit den Herstellern lange verhandelt und nach der Einigung im März die Einsparung "erheblicher Haushaltsmittel" verkündet. Von der Opposition kommt Spott. "Bei der Bundeswehr wird gespart, koste es, was es wolle", sagt der SPD-Politiker Hans-Peter Bartels. Er vermute, "dass sich der Minister von der Industrie über den Tisch ziehen ließ".

Im März hatte das Verteidigungsministerium Verhandlungen mit der EADS-Tochter Eurocopter abgeschlossen. Der Kompromiss sieht vor, dass die Bundeswehr nur noch 82 statt 122 Transporthelikopter des Typs NH90 und 57 statt 80 Kampfhubschrauber des Typs Tiger abnimmt. Neu hinzu kommt, dass Eurocopter über die ursprüngliche Order hinaus 18 Marinehubschrauber an die Bundeswehr liefern wird.

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insgesamt 21 Beiträge
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Pango 21.04.2013
1. Prioriäten!
... besser die Rüstungindustrie verärgern, als den Steuerzahler! Wer gegen eine bessere Konkurrenz verliert, sollte über seine eigenen Fehler nachdenken. Schluss mit Subventionen und Protektionismus - da brauch sich die dt. Rüstungindustrie ganz sicher nicht beklagen.
g.hensel 21.04.2013
2. gluecklich??
wo sehen sie die glueckliche hand des herrn de maziere? besser als das deutsche angebot sind diese fahrzeuge garantiert nicht. billiger ist nicht besser und hier geht es um das leben der soldaten. aber vielleicht sollen die fahrzeuge als aufbau hilfe spaeter der afganischen armee geschenkt werden, dann spart man wenigstens den ruecktransport.
trickster 22.04.2013
3. Fette Geschaefte
110 Mill Euro geteilt durch 176 = 625000 Euro pro Fahrzeug. Ruesten lohnt sich.
spiegelak2 22.04.2013
4. geordert ?
bestellt geht wohl nicht ? Man koennte bloed bloecken dass es kein wunder ist, dass keine Deutschen Produkte geordert werden, wenn nicht einmal Deutsche Woerter bestellt werden, aber dazu ist's zu traurig. 'Sup dudes, glad you finally switched to talking American. Want fries with that ?
aggroberliner36 22.04.2013
5. Wozu auch
Deutschland hat von seinen Nachbarn nichts zu befürchten, und am hindukusch wird auch nichtmer lange verteidigt. Wozu dann noch ein aufgeblasener Militärapparat wie in USA und co? Sollte sich die Bedrohungslage ändern kann die Rüstungsindustrie im inland immernoch versorgt werden, unnötig viele Soldaten um die Arbeitslosenzahlen zu senken halte ich ebenfalls für falsch!
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