SPD-Krise Nahles ruft Gabriel zur Ordnung

Sigmar Gabriel würde gern Außenminister bleiben. Die designierte SPD-Chefin Andrea Nahles warnt ihn im SPIEGEL vor einer "Kampagne für sich selbst".

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Die designierte SPD-Chefin Andrea Nahles hat den geschäftsführenden Außenminister Sigmar Gabriel zu stärkerer Zurückhaltung und einem Verzicht auf Werbung in eigener Sache aufgerufen.

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Heft 8/2018
Die Schwäche der Volksparteien - die schwache Republik

"Es ist jetzt nicht die Zeit, dass Einzelne eine Kampagne für sich selbst starten", sagte Nahles dem SPIEGEL. "Die Mitglieder der SPD haben die Faxen dicke von den ewigen Personaldebatten." Die Frage, wer welchen Kabinettsposten besetzt, stehe jetzt nicht im Vordergrund. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

"Ich bin der Meinung, dass alle SPD-Minister einen guten Job gemacht haben - auch Sigmar Gabriel. Aber es geht jetzt darum, für ein Ja bei unseren Mitgliedern zu werben", betonte Nahles.

Die Sozialdemokratin schloss aus, vor dem Basisvotum über die Große Koalition die Kabinettsliste der SPD offenzulegen. "Darüber werden wir nach der Mitgliederbefragung Anfang März entscheiden - und keinen Tag früher."

Nahles äußerte sich zudem skeptisch zu der Idee, über den Parteivorsitz künftig per Urwahl zu entscheiden. "Ich habe schon einmal eine Urwahl erlebt. Anfang der Neunzigerjahre hat die SPD Rudolf Scharping zum Kanzlerkandidaten gekürt. Wie sich später herausstellte, war das aber nicht die Lösung, die sich viele davon versprochen hatten", sagte Nahles. "Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Basisdemokratie automatisch die besten Ergebnisse hervorbringt." Man werde über die Idee aber diskutieren.

Verunsicherung vor der Mitgliederabstimmung

Die SPD-Fraktionschefin gestand Fehler im Kurs der Parteispitzen seit der Bundestagswahl sowie in der Diskussion über die Zukunft von Ex-Parteichef Martin Schulz ein. "Es steht außer Frage, dass wir alle in den letzten Monaten Fehler gemacht haben, die an der Basis auf Kritik gestoßen sind."

Alle in der SPD-Spitze seien auch der Auffassung gewesen, dass Schulz "ein sehr guter Außenminister gewesen wäre", so Nahles. "Wir haben unterschätzt, dass viele Mitglieder eine ganz andere Sicht auf die Dinge hatten." Die Parteiführung habe auf diese Kritik reagiert: "Dass die Basis zu kurz gekommen ist, kann ich deshalb nicht feststellen."

Die Sozialdemokraten sind kurz vor dem Mitgliedervotum schwer verunsichert. Die Partei kommt im neuen ARD-"Deutschlandtrend" nur noch auf 16 Prozent. Das sind nochmals zwei Prozentpunkte weniger als vor gut zwei Wochen. Auch im SPON-Wahltrend war die SPD zuletzt unter 17 Prozent gerutscht.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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vme/msa

insgesamt 208 Beiträge
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next 16.02.2018
1. Herzlichen Dank
.. an die Autoren für diese Überschrift! Beste Real-Satire, da können die Kollegen der Titanic einpacken!
thinkof-it 16.02.2018
2. Mesotes Aristoteles
Die Sache hängt aufgrund der Bedingung Entscheidungen grundsätzlich auf Basis von unvollständiger Information treffen zu müssen, grundsätzlich an der Person. Personalfragen sollten nicht Sachfragen überschatten. Aber die Katze im Sack zu kaufen,kann fahrlässig sein.
aquarius99 16.02.2018
3. Schulz wäre der richtige Außenminister gewesen...
allein nur, wenn es um Europa geht. Kann sein, das er nicht so ein guter Waffenverkäufer gewesen wäre wie sein Vorgänger. Glaubwürdiger wäre er aber trotzdem gewesen!
josipawa 16.02.2018
4. Jeder ist
sich selbst der Nächste. Ist doch klar, wenn man sozial zu sich selbst ist.
hans-rai 16.02.2018
5. Wo sie recht hat, hat sie recht...
...Gabriel ist erledigt, weil er nur sich selbst im Visier hat. Die SPD ist ihm wurscht. Und mit der Einschätzung von Urwahl-Ergebnissen kann ich ihr auch gut zustimmen.
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