Nahles vor SPD-Parteitag "Ich kann das"

Andrea Nahles kann am Wochenende auf dem SPD-Sonderparteitag Geschichte schreiben - und die erste Frau an der Spitze der Genossen werden. Jetzt sprach sie über Ziele und Zweifel.

Andrea Nahles
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Andrea Nahles


Die SPD hält am Wochenende einen Sonderparteitag ab. Andrea Nahles gilt als klare Favoritin für den Vorsitz der Genossen.

Eine Frau an der Spitze - das gab es in der knapp 155-jährigen Geschichte der Sozialdemokratie noch nie. "Ich glaube, ich kann das, und ich kann das auch im Team mit anderen zu was Gutem machen", sagte Nahles nun der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Die designierte SPD-Vorsitzende will ihre Partei durch neue Akzente und ein klares Profil wieder stärken. Sie tritt am Sonntag in Wiesbaden gegen Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange an. Die 47 Jahre alte Nahles gilt als klare Favoritin.

Die Partei war bei der Bundestagswahl 2017 unter Ex-Parteichef Martin Schulz auf ein Tief von 20,5 Prozent der Stimmen gesackt. Die SPD wollte nach der Wahl zunächst in die Opposition gehen. Nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche von Union, FDP und Grünen kam es dann doch zu einer weiteren Großen Koalition. Der intern unter Beschuss geratene SPD-Vorsitzende Martin Schulz gab das Amt ab, Olaf Scholz führt die Partei und ihre 457.700 Mitglieder bis Sonntag kommissarisch.

Durch die harten Debatten um eine Beteiligung an einer GroKo mit der Union gab und gibt es erhebliche Differenzen. Nahles hat einen großen Erneuerungsprozess angekündigt. Lange wirft ihr zu wenig Basisnähe vor und will anders als Nahles das Hartz-IV-System abschaffen.

Nahles will um Ostdeutsche kämpfen

Angesichts der bevorstehenden Herausforderungen könne es schon passieren, dass sie morgens aufwache und sich frage: "Oh, haste dir das auch gut überlegt?", sagte Nahles. Gerade in Ostdeutschland gebe es viel zu tun - hier liegt die Partei in vielen Regionen weit hinter der AfD.

Sichere Arbeit, gute Bezahlung und vernünftige Löhne stünden ganz oben auf der Agenda. Es gehe um neues Vertrauen, mehr Bürgerdialog, um neue Konzepte angesichts der Umwälzungen durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt. Die SPD müsse zeigen: "Wir sind die Kraft der Zukunft und des Fortschritts."

In der internationalen Politik will Nahles die Rolle der SPD als Friedenspartei stärken - und fordert wie auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mehr Dialog mit Russland, um etwa die Eskalation in Syrien zu überwinden.



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dop/dpa



insgesamt 62 Beiträge
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ansv 20.04.2018
1.
Interessant: Im Radio war auch zu hören, wie viel % der Deutschen ihr das zutrauen. Da frag ich mich ja: Wer hat diese Umfrage in Auftrag gegeben und warum? Frau Nahles wird nicht von "den Deutschen" gewählt sondern von ihrer Partei. Natürlich, wer Umfragen in Auftrag gibt, will ja nicht das Ergebniss erfahren, er will es zu Werbezwecken nutzen. Vielleicht war sie es sogar selbst?
Arthur Dent 20.04.2018
2.
In einem Land wo man praktisch ohne Angelschein nicht angeln kann/darf. Ohne Schweißerschein nicht schweissen kann/darf, möchte Frau Nahles ohne irgendeinen Abschluß Weltpolitik machen. Na dann mal druffgehaun.
Idinger 20.04.2018
3. Natürlich
"kann sie das" - so wie ihre Vorgänger Gabriel und Schulz. Bemerkenswert ist auch die Sehnsucht nach einem "Dialog mit Russland" - einen Vorgeschmack dazu lieferte gestern einer ihrer Vorgänger bei Illner.
no.wichmann 20.04.2018
4. Der unaufhaltsame Fall der SPD!
Der SPD-Torso: Paragraph 229 SGB V, aus 2003, ein Gesundheitsmodernisierungsgesetz welches die Altersvorsorgenden weiterhin enteignet‼‼ und die Streichung der Doppelverbeitragung auf betriebliche Direktversicherungen aus dem Koalitionspapier. Welcher Bürger akzeptiert das❓?
Actionscript 20.04.2018
5. Nicht der Gender ist wichtig....
...sondern die Kompetenz der Person auch nach 155 Jahren. Also schön auf dem Boden bleiben. Zitat: "Sichere Arbeit, gute Bezahlung und vernünftige Löhne stünden ganz oben auf der Agenda." 1. ist das viel zu allgemein formuliert und wie will sie das schaffen. 2. macht sie damit denselben Fehler wie die Demokraten in den USA, die sich nur um die Mittelklasse gekümmert haben und dann gegen Trump verloren haben. Die Mittelklasse wird überleben. Das Wichtige dort ist sie zu erhalten. Die SPD muss sich jedoch um die Abgeschlagenen kümmern, die wenig Hoffnung haben und von Monat zu Monat ums Überleben kämpfen, die Alleinerziehenden zB, allgemein alle, die in oder an der Armutsgrenze liegen. Und das ist keine leichte Aufgabe. Ob Frau Nahles da richtig ist, bin ich mir nicht sicher. Denn dazu braucht es jemand, der/die bodenständig ist und konkrete, umsetzbare Programme erstellt. Mit irgendwelchen Steuerveränderungen oder ähnlichem ist es nicht getan.
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