09. Januar 2013, 16:26 Uhr

SPD in der Flughafenkrise

Gabriel dementiert Rücktrittsangebot von Wowereit

Berlins SPD-Chef Jan Stöß sorgt für Irritationen: Die Darstellung seiner Sprecherin, wonach er Klaus Wowereit gemeinsam mit Bundeschef Sigmar Gabriel vom Rücktritt abgehalten hat, wird aus der Partei-Zentrale klar dementiert. Gabriel ließ mitteilen, er habe ein solches Gespräch nie geführt.

Berlin - Im Willy-Brandt-Haus ist man fassungslos über das, was Berlins SPD-Chef Jan Stöß verbreiten lässt: Demnach ist der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit am Wochenende wegen der vierten Verschiebung des BER-Großflughafens zum Rücktritt bereit gewesen - Stöß und SPD-Bundeschef Sigmar Gabriel hätten ihn jedoch davon abhalten können.

Das Dementi von Gabriel ist deutlich: "Ein entsprechendes Gespräch hat es nicht gegeben", ließ er über einen Sprecher erklären. Wowereit habe zu keiner Zeit seinen Rücktritt angeboten. Man sei "außerordentlich irritiert" über die Darstellung von Stöß, so der Sprecher.

Wowereit war am Montagabend von seinem Amt als Chef des BER-Aufsichtsrats zurückgetreten. Weitere Konsequenzen aus dem Flughafen-Desaster will er bisher nicht ziehen. Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus plant ein Abwahlverfahren gegen den SPD-Politiker.

Die Nachrichtenagentur dpa hatte zunächst Stöß mit der Einschätzung wiedergegeben, wonach Wowereit sich am Wochenende zum Rücktritt bereit erklärt habe. "In dieser Situation haben sowohl SPD-Chef Sigmar Gabriel als auch ich ihn gebeten, zu bleiben", sagte Stöß demnach. Kurioserweise erklärte Stöß gegenüber der Nachrichtenagentur dapd am Mittwoch, Rücktrittsgerüchte seien übertrieben. "Dass es konkret darum ging, zurückzutreten, ist eine Übertreibung", so Stöß. Am Nachmittag korrigierte dpa dann die ursprüngliche Meldung und erklärte, das Rücktrittsangebot Wowereits sei lediglich von einer Sprecherin Stöß' weitergegeben worden.

Der Berliner SPD-Chef gehört zu einer kleinen Gruppe von jüngeren Sozialdemokraten, aus deren Mitte ein möglicher Nachfolger von Wowereit gekürt werden könnte. Dazu gehören Verkehrssenator Michael Müller, Arbeitssenatorin Dilek Kolat sowie Raed Saleh, Chef der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus.

flo/dpa/dapd


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