SPD-Chef: Gabriel spricht über seinen Nazi-Vater

Sigmar Gabriel bekam als Kind Prügel, litt unter einem Sorgerechtsstreit zwischen den Eltern und erfuhr als 18-Jähriger eine bittere Wahrheit: Sein Vater war ein Leben lang bekennender Nazi. Mit der "Zeit" hat der SPD-Chef jetzt erstmals über seine schwierige Familiengeschichte gesprochen.

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SPD-Chef Gabriel: "Unbändiger Zorn, wenn ich etwas als ungerecht empfinde"

Hamburg - Den Sohn will er bei sich behalten, als Walter Gabriel sich von seiner Frau trennt. Sigmar Gabriel ist damals drei Jahre alt und kann noch nicht ahnen, was auf ihn zukommen wird: Seine Eltern streiten daraufhin sieben Jahre lang um das Sorgerecht für den Jungen, so hat es der SPD-Chef jetzt der "Zeit" erzählt.

Gabriels hat der Zeitung seine Kindheitsgeschichte erzählt. Die Kindheitsgeschichte mit einem tyrannischen Vater, der noch dazu - das erfährt der heutige SPD-Chef erst als Bundeswehrsoldat - ein bekennender Nazi ist.

Sein Wunsch sei es damals gewesen, bei seiner Mutter zu leben, so Gabriel. Aber als ihn Kinderpsychologen befragten, bei wem er leben wolle, vermochte er diesen Wunsch nicht zu äußern. "Er brachte es einfach nicht über die Lippen", heißt es in dem Zeitungsbericht, der nach mehreren Gesprächen mit Gabriel entstanden ist. Also blieb er damals vorerst beim Vater. Vieles aus dieser Zeit hat er vergessen, aber an Prügel kann er sich noch erinnern. Und daran, wie sein Vater ihm sämtliches Spielzeug bis auf einen Teddybären wegnahm, weil der Junge eine schlechte Schulnote mit nach Hause gebracht hatte.

1969 erhielt die Mutter in letzter Instanz dann doch das Sorgerecht für ihren Sohn. Der SPD-Chef in der "Zeit": "Sie hat mir das Leben gerettet."

Ein paar Jahre später macht Gabriel die wohl schlimmste Entdeckung: Gabriel war damals gerade bei der Bundeswehr, sein Vater hatte ihn um einen Besuch gebeten. Sein Sohn möge doch bitte in Uniform kommen, hatte der Vater damals gesagt. Die beiden hatten damals kaum noch Kontakt, aber Sigmar Gabriel erfüllte seinem Vater den Wunsch. Und sah dann die einschlägige Literatur in den Regalen des Vaters.

Gabriel brach daraufhin den Kontakt zu seinem Vater ab. Erst 2005 habe er ihn wieder aufgenommen, um mit seinem Vater die Vergangenheit aufzuarbeiten. Dieser habe jedoch nicht von seiner Ideologie lassen können.

2012 starb sein Vater. Als Gabriel damals an den offenen Sarg trat, um Abschied zu nehmen, dachte Gabriel dem Zeitungsbericht zufolge: "Mein Gott, dein ganzes Leben hast du vergeudet."

Auf die Frage, was aus seiner Kindheit geblieben sei, sagt der 53-Jährige heute: "Übrig geblieben ist ein fast unbändiger Zorn. Wenn ich etwas als ungerecht empfinde, wenn Menschen Unrecht geschieht, kann ich mich richtig aufregen."

hen/dapd

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