SPD-Chef Gabriel: "Wulff ist eigentlich kein Bundespräsident mehr"

Die seit Wochen andauernde Affäre hat Christian Wulffs Image schwer beschädigt, die Mehrheit der Deutschen ist für seinen Rücktritt. Auch die SPD verschärft ihre Attacken: Wulffs Glaubwürdigkeit sei futsch, eigentlich sei er kein Bundespräsident mehr, sagt Parteichef Gabriel.

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Bundespräsident Christian Wulff: "Er residiert nur noch im Schloss Bellevue"

Berlin - Die SPD legt in der Affäre von Christian Wulff nach: "Das einzige Machtmittel eines Bundespräsidenten, die Glaubwürdigkeit seiner Rede, hat Christian Wulff schon ruiniert", sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel der "Sächsischen Zeitung" und ergänzte: "Er ist eigentlich schon kein Bundespräsident mehr, er residiert nur noch im Schloss Bellevue."

Im ARD-Deutschlandtrend hatten sich 54 Prozent der Befragten für Wulffs Rücktritt ausgesprochen - acht Prozentpunkte mehr als noch Mitte Januar. Mit der Arbeit des Bundespräsidenten sind nur noch 33 Prozent zufrieden, das waren 11 Punkte weniger als im Vormonat.

Mittlerweile sei, so die Einschätzung des SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach, die Mehrheit der SPD-Spitze der Auffassung, dass Wulff sein Amt aufgeben müsse. Bisher habe man sich zurückgehalten, um die Affäre um den Bundespräsidenten nicht zu einer Parteisache zu machen, sagte Lauterbach im ARD-"Morgenmagazin". Inzwischen sei man aber in der Partei übergreifend der Meinung, dass Wulff nicht mehr im Amt zu halten sei. Allerdings halten sich die Sozialdemokraten mit einer offiziellen Rücktrittsforderung weiterhin zurück.

Die CDU warf der Opposition ein falsches Spiel vor. Zuvor war bekannt geworden, dass sich auch hochrangige SPD- und Grünen-Politiker von Party-Veranstalter Manfred Schmidt hatten einladen lassen. "Es zeigt deutlich, wie doppelzüngig das rein taktisch motivierte Spiel der Opposition ist", sagte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe der "Mitteldeutschen Zeitung". "Wer sich wie Kurt Beck samt Leibwächter per Privatjet zu Medien-Events einfliegen lässt, sollte den Stab nicht leichtfertig über andere brechen. Gleiches gelte "für den Fußballfan Cem Özdemir."

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck hatte sich in seiner Zeit als SPD-Bundeschef einen Flug im Privatjet von Schmidt bezahlen lassen. Der Grünen-Vorsitzende Özdemir hat eingeräumt, von Schmidt zu einem Fußballspiel in Barcelona eingeladen worden zu sein und für das Ticket möglicherweise nicht den ganzen Preis bezahlt zu haben.

Wulff beendete unterdessen seinen Ski-Urlaub im Thüringer Wald. Der Bundespräsident hatte sich mit Frau und Sohn für etwa fünf Tage am Rennsteig in einer Pension im Örtchen Friedrichshöhe im Kreis Hildburghausen einquartiert.

heb/dpa/Reuters/dapd

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1.
steinaug 03.02.2012
Er war auch nie ein Bundespräsident; höchstens ein Buntespräsident.
2. Nur mal so ...
Tom Joad 03.02.2012
Zitat von sysopWulff beendete unterdessen seinen Skilang-Urlaub im Thüringer Wald. SPD-Chef Gabriel: "Wulff ist eigentlich*kein Bundespräsident mehr" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,813257,00.html)
Vielleicht "Skilanglauf-Urlaub"?
3. egal
Meckerliese 03.02.2012
Das geht doch H. Wulff am Arsch vorbei was andere über ihn denken etc. Hauptsache die Kohle stimmt.
4. Wulff ist eigentlich ein SCHADEN für das Land, ein......
prologo1 03.02.2012
.....ein Schaden im Ansehen für das Land, ein Schaden im Ansehen für alle noch ehrlichen Politiker, ein Förderer für die Politikverdrossenheit, Wulff ist einfach ein unbrauchbarer Bundespräsident, oder.....?
5. Nicht schon wieder das Theater
kumi-ori 03.02.2012
Natürlich ist Wulff eine Knallcharge. Dennoch bin ich nicht dafür ihn auszutauschen. Wenn man seine Planstelle wieder neu besetzt, dann kommt das noch teurer. Es ist eigentlich egal, wer gerade den Bundespräsidenten macht, aber da wir nun mal verpflichtet sind, einen einzustellen, sollten wir in Zeiten der Wirtschaftskrise die preisgünstigste Variante wählen.
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