SPD-Debatte um Gabriel Schäfer-Gümbel kritisiert Primaballerinen

In der SPD wirbt Vize Thorsten Schäfer-Gümbel für eine GroKo, im Umgang mit der Personalie Martin Schulz räumt er Fehler der Parteispitze ein - und fordert Mannschaftsspiel.

Thorsten Schäfer-Gümbel
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Thorsten Schäfer-Gümbel


Jene katastrophale Woche für die SPD - in der zuerst der GroKo-Vertrag besiegelt wurde, und an deren Ende dann der kommissarische Außenminister Sigmar Gabriel den eigenen Parteichef Martin Schulz düpierte und zum Rückzug zwang - hängt der Partei noch immer nach.

Die SPD fällt weiter in der Wählergunst, sie kommt der rechtspopulistischen AfD in den Umfragen gefährlich nahe. Jetzt räumt mit SPD-Vizechef Thorsten Schäfer-Gümbel ein hochrangiger Sozialdemokrat beim Umgang mit dem Posten des Außenministers, den in einer neuen Großen Koalition zunächst Schulz bekommen sollte, einen schweren Fehler der Parteiführung ein.

"Erneuerung, sonst stirbt die SPD"

Schäfer-Gümbel mahnt im Gespräch mit der "tageszeitung" ein Ende der Personaldebatte in der SPD an. Es sei nicht klug, "als Primaballerina alleine auf der Bühne zu tanzen". Die Nachfrage der "taz", ob er damit Sigmar Gabriel meine, verneint Schäfer-Gümbel nicht. Er antwortet vielmehr: "Ich meine, Politik ist ein Mannschaftsspiel."

Nach Veröffentlichung des Interviews schickte die "taz" am Dienstagabend einen Nachtrag, dem zufolge Thorsten Schäfer-Gümbel Wert auf die Feststellung lege, er habe Gabriel nicht mit einer Primaballerina verglichen.

Schäfer-Gümbel sagte weiter, es sei "eine kollektive Fehleinschätzung" des Vorstands gewesen, zu denken, Schulz könne Außenminister werden. "Schulz als Außenminister, Nahles als Parteivorsitzende - diese Trennung hätte man auch mit Blick auf die Erneuerung der SPD gut argumentieren können. Allerdings haben wir die Außenwirkung komplett unterschätzt."

Die Basis habe die Erwartung, dass Politik als Mannschaftsspiel in der SPD wieder erkennbarer werde, sagte Schäfer-Gümbel. Außerdem betonte er, wie ernst die Lage sei. "Die Erneuerung muss kommen. Sonst stirbt die SPD", sagte Schäfer-Gümbel. Die Erwartungshaltung bei Mitgliedern, Wählern und Gruppen, die die SPD mit kritisch-solidarischer Distanz beobachten, sei groß.

Schäfer-Gümbel ist seit 2013 stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei. Er hat den Koalitionsvertrag mitverhandelt und wirbt wie der Rest der SPD-Spitze für einen Eintritt in eine Große Koalition.

Die SPD beantwortet seit dieser Woche und noch bis zum 4. März per Mitgliederentscheid die Frage, ob die Partei in eine neue GroKo eintritt. Angesichts katastrophaler Umfragewerte und dem Personalhickhack in der Führung, gilt eine Zustimmung nicht als sicher. Während die Spitze sich für eine neue Zusammenarbeit mit der Union ausspricht, fahren Parteilinke und Jusos eine engagierte Kampagne gegen weitere Jahre in einer Großen Koalition.

cht



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