SPD-Streit Junge Genossin verzichtet auf aussichtsreichen Europa-Listenplatz

Die SPD will jünger und weiblicher werden. Doch der Vorschlag der Parteispitze für die Europaliste sorgt für massiven Ärger in einigen Landesverbänden. Luisa Boos zieht nun zurück.

Luisa Boos
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Luisa Boos


Die SPD streitet weiter über die Kandidaten für die Europawahl. Vor der Aufstellung der Liste am Sonntag hat die Nachwuchshoffnung aus Baden-Württemberg, Luisa Boos, 33, ihren Verzicht auf einen aussichtsreichen Platz erklärt. "Der Parteivorstand hat mit seinem Vorschlag für die Bundesliste die Ausgangslage für mich als Person und für den Landesverband Baden-Württemberg drastisch verändert", schreibt Boos in einer persönlichen Erklärung.

Boos war vom Vorstand für Listenplatz 15 nominiert worden, der für einen Einzug ins Europaparlament reichen könnte. Zuvor hatte ihr Landesverband aber die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Evelyne Gebhardt, 64, und Peter Simon, 51, für vordere Plätze vorgeschlagen. Boos will bei der Delegiertenkonferenz am Sonntag in Berlin, die die Liste beschließen soll, nicht in einer Kampfkandidatur gegen Gebhardt antreten.

Der Hintergrund: Parteichefin Andrea Nahles und Generalsekretär Lars Klingbeil haben sich vorgenommen, die SPD jünger und weiblicher zu machen. Es ist ein zentraler Bestandteil der Erneuerung. Mit dem Ergebnis, dass die Juso-Vizechefin Delara Burkhardt, 26, auf Platz fünf stehen soll. Und Boos auf Platz 15. Beide waren von ihren Landesverbänden nicht als Spitzenkandidatinnen ins Rennen geschickt worden.

Das Ergebnis war aber großer Streit in einigen Landesverbänden. "Maßlos enttäuscht" sei sie darüber, teilte Gebhardt nach der Entscheidung des Parteivorstands mit. Die Bundespartei wolle sich ein "jüngeres, social-media-konformes Image" verpassen: "Mit 64 Jahren wurde ich als Frau deshalb kurzerhand aussortiert."

Boos reagiert nun und will Gebhardt den aussichtsreichen Platz 15 überlassen. Sie stehe "zwischen zwei demokratisch legitimierten Beschlüssen: Dem meines Landesverbandes und dem meines Bundesvorstands", schreibt Boos. "Ein Ausweg ohne massive Enttäuschungen war folglich unmöglich."



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cte/dpa



insgesamt 17 Beiträge
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Alfred Ahrens 07.12.2018
1. Schade für Frau Boos, aber sie hat es selbst erfahren,
was Nahles und Genossen so reden und tun. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Kein Wunder, dass immer mehr Wähler abdriften nach links und rechts, weil sie mit den sogenannten Volksparteien nichts mehr am Hut haben ! Gruss aus Bochum !
H.Sputnik 07.12.2018
2. Keine Führungsqualitäten
Frau Nahles, Herr Klingbeil und der abgetauchte Herr Scholz, sind alle sehr schwache Führungskräft, jung zu sein oder alt zu sein ist kein Verdienst, jung ist man und älter wird man. Insofern ist das Lebensalter kein Wert an sich, man kann schlicht nichts für sein Alter. Der Masstab bei der Auswahl eines möglich Kandidaten sollte das Wissen und Können sein, welches der Kandiat erfolgreich für die Organisation einbringen kann, dass ist dann die Kompetenz eines Bewerbers. Nun hat die junge Frau ihre Kandidatur zurück gezogen, so wird die Zukunft verspielt, wenn Führungskräfte ohne Sinn und Verstand handeln. Es ist schade für die SPD das sie im Moment keine richtige Führung hat. In der Führung der SPD gibt es kein miteinader und es wird nicht im gemeinsamen Interresse gehandelt, jeder der drei schaut nur auf sich.
friedrich_eckard 07.12.2018
3.
Ob dieser Rückzug nun wirklich ein gar so grosses Opfer ist.... da ja die Rest-SPD Mühe haben wird, bei den Wahlen zum EU-Parlament auch nur die prozentuale Zweistelligkeit zu erreichen bietet Listenplatz 15 schon keine realistische Chance mehr. Da dürfte der Verzicht wohl so sehr schwer nicht gefallen sein, weil es sich Frau Boos so wenigstens erspart, im Wahlkampf Energie und kostbare Lebenszeit an ein aussichtsloses Unternehmen zu vergeuden.
claus7447 07.12.2018
4.
Es wird die Wogen in BW etwas glätten. Nahles hat hier Entscheidungen im Alleingang und mit kompletter ignorierung des Landesverbandes durchgesetzt. Für Frau Bloß allerdings schlecht, da sie den Job als Generalsekretär auch los hat. Aber sie ist jung, wenn sie so gut ist wie ihr nachgesagt wird, wird dies nicht das Ende einer jungen Karriere sein.
derblaueplanet 07.12.2018
5. Frau Boos hat den sicheren Listenplatz
verloren, aber Rückgrat und Charakter gezeigt, und enorm an Ansehen gewonnen. In Schleswig-Holsteins CDU hat sich unter Daniel Günther Ähnliches abgespielt: Die junge, hübsche Spitzenkandidatin dort (ohne Ausbildung oder abgeschlossenem Studium) freut sich sehr über ihre Wahl.
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