SPD-Flügelkampf Alle loben den Basta-Beck

Als hätten sie nur darauf gewartet: SPD-Chef Beck hat für seine drastische Kritik an parteiinternen Widersachern viel Zuspruch bekommen. Linke wie rechte Sozialdemokraten loben das Machtwort ihres Vorsitzenden.


Berlin - Erst demontierten sie ihn nach Lust und Laune, nun will es keiner gewesen sein - stattdessen wird Parteichef Kurt Beck für seine Basta-Rede von allen Seiten mit Lob überschüttet.

SPD-Chef Beck: Große Zustimmung nach dem heftigen Machtwort
DDP

SPD-Chef Beck: Große Zustimmung nach dem heftigen Machtwort

Als erste äußerte sich heute Morgen die designierte SPD-Vizevorsitzende Andrea Nahles - die prominenteste Parteilinke. "Ich denke, es war mal nötig, dass er klargemacht hat, wo der Hammer hängt", sagte sie im ARD-"Morgenmagazin". Mit dem Aufruf, sich auf die Sache zu konzentrieren, habe Beck in den Parteigremien viel Unterstützung erhalten. Nahles würdigte den SPD-Chef als "Mann in der Mitte der Partei".

Beck hatte Kritiker in der eigenen Partei zur Ordnung gerufen. "So einen Scheiß lasse ich mir nicht mehr bieten", soll Beck der "Berliner Zeitung" zufolge gestern Morgen im Parteivorstand gesagt haben. Er reagierte damit auf Kritik an seinem Führungsstil und an seiner Eignung zum Kanzlerkandidaten, die wichtige SPD-Politiker hinter den Kulissen immer wieder aufkommen lassen.

Sollten "weitere Querschüsse" kommen, werde er künftig Namen nennen, sagte Beck demnach. Am Abend formulierte der SPD-Chef seinen Ärger in den ARD-"Tagesthemen" konzilianter: "Es gibt einige Leute in der dritten und vierten Reihe, die hinter Büschen sitzen und mehr oder weniger Intelligentes erzählen, auf jeden Fall Unverantwortliches."

Auch die Parteirechte demonstrierte heute Solidarität mit Beck. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, sagte zu dessen emotionalem Ausbruch: "Kurt Beck ist ein guter Vorsitzender. Er führt." Die Kanzlerfrage sei entschieden, so Kahrs, "der Vorsitzende hat bei uns das erste Zugriffsrecht."

SPD-Bundestagsfraktionschef Peter Struck stellte sich ebenfalls demonstrativ hinter den Parteivorsitzenden. Beck habe "zu recht darauf hingewiesen, dass es auf Geschlossenheit in der SPD ankommt", sagte Struck.

Unterstützung erhielt der Pfälzer auch aus den Ländern. "Wo er recht hat, hat er recht", sagte der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas. Er gehört ebenfalls zum linken Parteiflügel. Es gebe "tatsächlich einige Leute, die dummes Zeug geredet haben", sagte Maas. "Es war an der Zeit, dass die mal einen Anpfiff bekommen haben, denn so konnte es nicht weitergehen." Ähnlich äußerte sich Bayerns SPD-Fraktionschef Franz Maget: "Ein Vorsitzender muss sich immer zu Wort melden und zu Wort melden dürfen", sagte er.

Auch der frühere Bundesfinanzminister Hans Eichel verteidigte den Führungsstil des Parteichefs. Es sei eigentlich nicht die Art von Beck, eine "Basta-Politik" im Stil von Gerhard Schröder zu betreiben, sagte der SPD-Politiker im RBB. Beck wolle die inhaltliche Diskussion - "was er nicht will, ist, wenn daraus sozusagen Seilschaften gebildet oder Grabenkämpfe gemacht werden", sagte Eichel.

Neues Buch der Parteireformer erbost die SPD-Linke

Im Hintergrund rumort bei der SPD eine Flügeldebatte. Anlass ist ein neues Buch von SPD-Reformern, das gestern in Berlin vorgestellt wurde. In "Auf der Höhe der Zeit" präsentieren SPD-Vize Peer Steinbrück, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und der ehemalige Parteichef und brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck ihre Vorstellungen moderner sozialdemokratischer Politik.

Während Beck das Buch einen "wichtigen Beitrag zur Programmdebatte" nannte, ist die Parteilinke darüber erbost. Sie sieht einen Versuch, alte Konflikte um die Agenda 2010 wieder in den Medien zu platzieren. Linke-Sprecherin Nahles sagte im "Deutschlandfunk", das Buch sei der Versuch, die SPD in zwei Lager zu spalten.

Der konservative SPD-Mann Kahrs warnte vor einer Überbewertung der Flügelkämpfe innerhalb der SPD: "Helmut Schmidt hat immer gesagt, die SPD ist wie eine Möwe: Sie hat einen linken Flügel und einen rechten." Beide müssten flattern, "damit der Vogel fliegen kann", sagte Kahrs. Und in der Mitte steuere Beck.

flo/dpa/AP

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