SPD-Frauen im Bundestag Warum ganz in Weiß?

Frauen in Deutschland dürfen seit 100 Jahren wählen. Anlass für die Politikerinnen der SPD-Fraktion, im Bundestag weiße Blusen zu tragen. Wie die ersten 37 Politikerinnen im Parlament im Jahr 1919.

Deutscher Bundestag am Donnerstag
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Deutscher Bundestag am Donnerstag


Die SPD-Fraktion hat den hundertsten Jahrestag des Frauenwahlrechts mit einer besonderen Sitzordnung und Kleidung gewürdigt: Die Abgeordneten saßen im Parlament anders als sonst paritätisch, also Männer und Frauen immer abwechselnd. Die Frauen in der Fraktion trugen zudem alle weiße Oberteile - genau wie die ersten Frauen in der Weimarer Nationalversammlung von 1919. Damals wurden 37 Frauen ins Parlament gewählt, mit ihren weißen Blusen fielen sie zwischen den Männern in schwarzen Anzügen deutlich auf.

Bei der heutigen SPD geht die Parität-Rechnung nicht ganz auf: Von den 153 Abgeordneten sind 64 Frauen und 89 Männer. Am 19. Januar 1919 durften Frauen in Deutschland erstmals wählen. Bei der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung nutzten weit mehr als 80 Prozent ihr neues Recht, 37 Frauen wurden ins Parlament gewählt und stellten damit fast neun Prozent der Abgeordneten.

Warnung vor Rückschritten bei Gleichberechtigung

In der Feierstunde warnten ehemalige Frauenministerinnen vor Rückschritten in der Gesellschaft. Es werde wieder salonfähig, Frauenrechte und Chancengleichheit infrage zu stellen, sagte die frühere SPD-Ministerin Christine Bergmann. "Wir müssen aufpassen, dass der Zug nicht rückwärts fährt."

Auch die frühere Bundestagspräsidentin und CDU-Ministerin Rita Süssmuth sagte: "Einmal Geschaffenes ist nicht von selbst schon etwas auf Dauer." Der nächste Schritt zu mehr aktiver Beteiligung der Frauen sei eine Demokratiefrage. Bergmann sprach sich für ein Paritätsgesetz für Listenaufstellungen und Direktmandate aus.

"Auch wenn Frauen längst in politischen Spitzenpositionen zu Hause sind: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", mahnte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Unverzichtbare Tätigkeiten wie Kindererziehung, Hausarbeit und Pflege müssten besser aufgeteilt werden.



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DER SPIEGEL

mho/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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joshuaschneebaum 17.01.2019
1. Implize
Impliziert Schäuble nicht mit diesem Aufruf, das Hausarbeit im Grunde Frauenarbeit sei? So in etwa: Es müssen mehr Frauen in den Straßenbau. Und ist Parität nicht ebenso diskriminierend? Es müsste doch besser heißen: Bei gleichem Interesse und gleicher Qualifikation, darf es keine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Herkunft, Hautfarbe und der sexuellen Ausrichtung geben.
anboes 17.01.2019
2. Schöne Worte sollten in kluge Taten umgesetzt werden.
"Auch wenn Frauen längst in politischen Spitzenpositionen zu Hause sind: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", mahnte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Unverzichtbare Tätigkeiten wie Kindererziehung, Hausarbeit und Pflege müssten besser aufgeteilt werden." Das hohe Gut der Gleichberechtigung muss auch in einer gleichberechtigten Zeiteinteilung in der Arbeitswelt aufgeteilt werden. Eltern sollten in der Lage sein eine stressfreie Zeiteinteilung zugunsten der Kinderversorgung zu leisten. Z. B. flexible Arbeitszeiten und auf eine begrenzte Dauer auch eine Arbeitszeitverkürzung beider Eltern. Wenn beide Eltern ihre Arbeitszeit flexibel einrichten können, erfahren sowohl die Kinder als auch die Eltern weniger Streß und berufliche Nachteile sind auf beide Eltern zu jeweils 2/3 Arbeitszeit für eine befristete Zeit kein wesentlich beruflicher Nachteil. Die Rechnung, dass der Elternteil mit dem geringsten Einkommen dieses allein verkürzt, trifft die Mütter und wirkt in ihre berufliche Zukunft über die befristete Zeit hinaus nachteilig. Erreichbar sind solche Ziele mit beiden Eltern und der Einsicht der AG und AN.
anboes 17.01.2019
3. Bezgl. der Gleichberechtigung
möchte ich die Parität als Ganzes der Gleichwertigkeit der Eltern verstehen. D. h. die ideellen Werte in der Familie und im Beruf hängen mit den realen Bedingungen zusammen und sind das Fundamend der Gleichberechtigung. (Beide Eltern haben gleiche Rechte und Pflichten auch bei ungleichen Einkommen.)
neanderspezi 17.01.2019
4. Im Zeichen 100jähriger paritätischer Entwicklung
Offensichtlich haben einige Nicht-SPD-Damen im Parlament keine weiße Bluse in ihrer Garderobe gefunden und kommen dadurch der Würdigung des hundertsten Jahrestags des Frauenwahlrechts nur sehr unzureichend nach. Die Damen mit den weißen Blusen führen den Männern durch ihre solidarische Aufführung mit ihrer Garderobe eine genderspezifische Orientierung vor, die ihnen zeigen will, dass beim Gesetzesbasteln mit dieser Komponente auch überparteilich zunehmend zu rechnen ist. Wer hierin in Zukunft an Lernfähigkeit Mängel aufweißt, wird im Zeichen eines patriarchalische Ufer ignorierenden Gender-Mainstreams wie ein Relikt aus verflossenen Zeiten hinweggespült. Es ist auch ein gutes Zeichen, dass viele männliche Beisitzer im Parlament sich mit weißen Hemden bezüglich des noch entwicklungsfähigen Frauenwahlrechts und der Ausarbeitung weiterer spezifischer Frauenrechte uneingeschränkt solidarisch zeigen. Selbst ältere Semester wollen hierbei mit plötzlich aufkeimenden Ideen nahezu vorauseilend einen besonderen Beitrag leisten.
demokrat2 17.01.2019
5. Wie ist das Verhältnis "Frau - Mann" .....
.... bei den anderen Parteien? Das unterschlägt der Berichtersatter mal ganz schnell, um zu vermeiden, dass das von Jahr zu Jahr noch schlechter wurde. Nicht nur da haben die Linken im Parlament wesentlich mehr Parität, als die anderen. Bei der AfD ist das Verhältnis für die Frauen am schlechtesten. Wen wunderts?
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