Ex-SPD-Chef Müntefering mahnt Nahles

Trotz ihres schwierigen Verhältnisses hält Ex-Parteichef Franz Müntefering Andrea Nahles für die richtige SPD-Vorsitzende. Im SPIEGEL schickt er an die 47-Jährige jedoch zwei Warnungen.

Franz Müntefering
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Ex-SPD-Chef Franz Müntefering warnt die designierte Vorsitzende Andrea Nahles davor, die Partei als Gegenpol zur Regierung aufzubauen. "Ich hoffe, dass sie keine Parteiseparationskiste macht", sagte Müntefering dem SPIEGEL. "Wir sind in der Regierung. Wenn wir als Partei die Regierung taktisch angreifen, greifen wir uns selbst an. Das geht den Leuten nicht in den Kopf."

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Heft 17/2018
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Er forderte Nahles dazu auf, künftig vor allem die Fraktion zu stärken. "Der Organisationsimpuls für die Partei ist eine Sache", sagte Müntefering. "Das andere ist die Idee: Wie geht das weiter mit der Demokratie?" Für solch große Debatten seien Volksparteien weniger der geeignete Ort. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Nahles soll auf dem Parteitag in Wiesbaden am Sonntag zur SPD-Chefin gewählt werden. Ihre Wahl gilt als sicher, das Ergebnis könnte allerdings mittelmäßig ausfallen, weil sie mit der Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange eine Gegenkandidatin hat. Mit Müntefering verbindet Nahles ein schwieriges Verhältnis. 2005 kandidierte Nahles gegen seinen Willen als Generalsekretärin. Müntefering trat daraufhin als Parteivorsitzender zurück.

Trotz des damaligen Zerwürfnisses hält Müntefering Nahles für die richtige SPD-Chefin. "Bei mir ist da nichts geblieben", sagte er. "Ich finde es gut, dass sie das jetzt macht. Da ist viel mehr Solidität drin, als man denkt, wenn sie so losbollert." Er warnte Nahles aber davor, gleich an eine Kanzlerkandidatur zu denken. "Andrea kann jetzt mit Übersicht aus dem Mittelfeld heraus spielen. Sie ist kein Lewandowski und kein Ribéry", sagte er. "Das kann noch werden. Aber sie sollte jetzt nicht die Wahlkampfmaschine anschmeißen."

Neben Müntefering haben sich auch die ehemaligen SPD-Chefs Martin Schulz, Sigmar Gabriel, Matthias Platzeck, Kurt Beck und Rudolf Scharping zum Parteitag angekündigt. Gerhard Schröder und Hans-Jochen Vogel haben hingegen abgesagt. Mit Spannung wird der Auftritt von Schulz erwartet. Dem Vernehmen nach will der ehemalige Kanzlerkandidat aus Sorge um den europapolitischen Kurs der Koalition eine Rede halten, um die Genossen an den Koalitionsvertrag zu erinnern.

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akkronym 20.04.2018
1. Meine Güte
der Agenda-Franz muss auch noch was dazu sagen. Bald wird er sich wie der Kaiser Franz B. freiwillig in aller Öffentlichkeit lächerlich machen. Müntefehring hat genug Schaden in der SPD und für die SPD (Absturz/Wählerverlust durch die Agenda2010) angerichtet. Schweigen und reuige Demut stünden ihm besser dann das Vorlaute und Altkluge.
klausbrause 20.04.2018
2.
" Sie ist kein Lewandowski und kein Ribéry", sagte er" Das hat er jetzt aber schön gesagt, der Herr Müntefering. Frau Nahles ist also, nach seiner Einschätzung, keine hochbezahlte Schauspielerin. Das ist doch schon was. Überbezahlte Selbstdarsteller gibts schließlich genug.
argonaut-10 20.04.2018
3. Ich kann nur hoffen
dass diese weltfremde und unfähige Nahles keine größere Rolle in der SPD spielen wird, will man den Absturz in die Bedeutungslosigkeit nicht noch forcieren. Eine Person, die nie das Arbeiten gelernt hat, die das wahre Leben also nicht kennt, die sich wie die Made im Speck immer nur in Organisationen aufgehalten hat, die glauben, dass Geld entweder im Keller gedruckt wird oder den Reichen genommen werden muss, wird mit hoher Wahrscheinlichkeiet dafür sorgen, dass DE wieder bei 5 Mio. Arbeitslosen endet.
neowave 20.04.2018
4. Mensch, Münte,
Mensch, Münte: "Wenn wir als Partei die Regierung taktisch angreifen, greifen wir uns selbst an. Das geht den Leuten nicht in den Kopf." Was den Leuten nicht in den Kopf geht, ist, das die ehedem Arbeiterpartei nicht mehr für ihre angestammte Klientel was Relevantes zu tun bereit ist - von Marginalien mal abgeshen.Und komme mir keiner mit dem Geschwätz von den nicht mehr vorhandenen Milieus - in diesem Land malochen, SPD (und Münte) sei Dank, Millionen fürn Hungerlohn und ohne Aussicht auf `ne auskömmliche Rente! Münte, verschon mich bitte - mach einfach auf Rentner. Wie gehts eigentlich so deiner Frau, die sich ja über viele Jahre mit größtem Einsatz auf einen Staatssekretärsposten hoch gearbeitet hat. Zufrieden?
Marut 20.04.2018
5. Alles, wie zu erwarten
Die GroKo, also die Regierungsbeteiligung der SPD an der Regierung, als Mittel einer parteiinternen Erneuerungsdiskussion Ketten anzulegen. Positionsdiskussionen in der SPD nur in dem Rahmen, wie die Grenzen einer noeliberalen Regierung es zulassen. Die GroKo-Gegner hatten mehr als Recht. Na denn, der Niedergang der SPD geht also weiter. Ich hoffe nur, diese Partei geht möglichst schnell unter, damit sich in dem frei werdenden Raum etwas neues gründen kann.
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