Juncker-Nachfolge: SPD spricht Schäuble Eignung als Euro-Gruppenchef ab

Wer tritt die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an? Finanzminister Schäuble soll interessiert sein am Posten des Euro-Gruppenchefs. Doch geht es nach der SPD, kommt der CDU-Mann nicht in Frage. Sein "belehrendes Auftreten" disqualifiziere ihn für die Rolle.

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Finanzminister Schäuble: SPD vermisst Verständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge

Berlin - Die SPD spricht Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Eignung als Euro-Gruppenchef ab. "Die Euro-Gruppe ist in den letzten drei Jahren wichtiger geworden. Der Vorsitzende ist mehr als ein Sitzungsleiter. Wir brauchen an dieser Stelle einen Volkswirt oder jemanden mit Verständnis für die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge", sagte SPD-Chefhaushälter Carsten Schneider SPIEGEL ONLINE.

Und: "Wolfgang Schäuble kann mit seinem belehrenden Auftreten keine vermittelnde Rolle einnehmen."

Grundsätzlich, so Schneider, wäre es begrüßenswert, wenn Deutschland den Posten des Euro-Gruppenchefs bekleiden würde. "Aber Wolfgang Schäuble kommt für die Nachfolge nicht in Frage." Gemeinsam mit der Bundeskanzlerin habe er "Deutschland isoliert und unsere starke Position in Europa nicht dazu genutzt, um etwas durchzusetzen, beispielsweise gegen den Steuerwettbewerb", kritisierte der Sozialdemokrat: "Für seine Vorstellungen zum Umbau der EU hat er dagegen nicht einmal die Unterstützung der Bundeskanzlerin geschweige denn der eigenen Partei."

Der bisherige Euro-Gruppenchef, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, hatte am Montagabend angekündigt, dass er das Amt in Kürze abgeben wolle. Juncker hatte ursprünglich schon zur Jahresmitte aufhören wollen, sich dann aber zum Weitermachen entschieden. Schäuble ist wie sein französischer Kollege Pierre Moscovici seit Monaten als möglicher Nachfolger im Gespräch. Berlin und Paris hatten insgeheim gehofft, dass Juncker seine Rücktrittsdrohung nicht wahrmacht.

Schäuble ist dem Vernehmen nach an dem Amt interessiert. Er wolle im Zweifel aber weiter Finanzminister in Deutschland bleiben. Die mögliche Doppelrolle stieß in anderen Ländern auf Widerstand. Die Entscheidung über den Euro-Gruppenvorsitz fällen die Staats- und Regierungschefs der 17 Euro-Staaten.

vme

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1. Mal wieder typisch
indie-cgn 04.12.2012
während es in anderen Ländern (z.B. Frankreich) durchaus üblich ist, dass man sich auch überparteilich auf Kandidaten einigen kann, die dann internationale Spitzenämter einnehmen, fängt in Deutschland direkt wieder eine interne Diskussion darüber an. Ergebnis: die deutsche Politik streitet darüber und ein anderes Land kann "seinen" Kandidaten durchsetzen. Kein Wunder, dass Deutschland auf internationaler Ebene (z.B. in Brüssel) nicht adäquat vertreten ist. Glaubt der Herr von der SPD denn ernsthaft, der französische Kandidat für den Posten des Gruppenchefs interessiert sich dann künftig für die deutsche Position bei den wichtigen Themen rund um den Euro?
2. Wie schön ...
Europa! 04.12.2012
Zitat von sysopDPAWer tritt die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an? Finanzminister Schäuble soll interessiert sein am Posten des Euro-Gruppenchefs. Doch geht es nach der SPD, kommt der CDU-Mann nicht in Frage. Sein "belehrendes Auftreten" disqualifiziere ihn für die Rolle. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-gegen-schaeuble-als-euro-gruppenchef-a-870847.html
Wie schön, dass ein deutscher Sozialdemokrat den einzig in Frage kommenden deutschen Kandidaten so richtig mies macht. Da brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn auch diese wichtige Aufgabe von einem Franzosen, Italiener, Niederländer oder Spanier übernommen wird. Einen so großartigen Diplomaten wie Juncker findet man nicht alle Tage, und dass er es war, der Schäuble als Nachfolger ins Gespräch gebracht hat, wird auch geflissentlich übersehen.
3. Terror wo ?
frontmann22 04.12.2012
Zitat von sysopDPAWer tritt die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an? Finanzminister Schäuble soll interessiert sein am Posten des Euro-Gruppenchefs. Doch geht es nach der SPD, kommt der CDU-Mann nicht in Frage. Sein "belehrendes Auftreten" disqualifiziere ihn für die Rolle. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-gegen-schaeuble-als-euro-gruppenchef-a-870847.html
Seitdem Herr Schäuble die deutschen Bürger wegen angeblicher Terrorgefahr zur Durchleuchtung freigegeben hat spreche ich ihm die politische Kompetenz ab. Ich meine, er ist bloss ein Wichtigtuer und seit der Affäre Baumeister hat er m.E. eine Leiche im Keller.
4. Ausgerechnet die SPD...
Mentar 04.12.2012
...schwingt sich jetzt zum Lehrmeister darüber auf, wer für die Position qualifiziert sein soll, es ist zum totlachen :) Der Witz ist: Mir wäre es lieber, wenn Schäuble als Finanzminister in Deutschland bleibt, dann kann man wenigstens sicher sein, dass ein vernünftiger Kurs gefahren wird. Aber dass sich ausgerechnet die Verprasser deutschen Geldes, die nicht nur alle Entscheidungen von Merkel/Schäuble letzlich mitgetragen haben, und sich nur darüber beschwert haben, dass sie nicht noch gleich ALLE Schulden in Europa mitübernommen haben, jetzt darüber schwadronieren, jemanden mit "Verständnis für volkswirtschaftliche Zusammenhänge" zu brauchen, ist wirklich ein Treppenwitz.
5.
herbert_schwakowiak 04.12.2012
Zitat von sysopDPAWer tritt die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an? Finanzminister Schäuble soll interessiert sein am Posten des Euro-Gruppenchefs. Doch geht es nach der SPD, kommt der CDU-Mann nicht in Frage. Sein "belehrendes Auftreten" disqualifiziere ihn für die Rolle. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-gegen-schaeuble-als-euro-gruppenchef-a-870847.html
Ach, sein Auftreten wäre mir egal (ich fand's lustig, wie er seinen Sprecher gestutzt hat), aber den Hunderttausend-Mark-Mann disqualifiziert noch so einiges anderes.
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