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SPD-Generalsekretärin Nahles "Die Kritik an Köhler rechtfertigte keinen Rücktritt"

SPD-Generalsekretärin Nahles: "Wir alle bedauern den Rücktritt sehr"Zur Großansicht
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SPD-Generalsekretärin Nahles: "Wir alle bedauern den Rücktritt sehr"

2. Teil: Eine Ampel in NRW? "Die FDP muss sich bewegen"

SPIEGEL ONLINE: Stichwort NRW: Die FDP hat sich wieder in Richtung SPD geöffnet. Ist die Ampel in Nordrhein-Westfalen wieder eine Option?

Nahles: Wir begrüßen diese Bewegung. Wir müssen aber noch abwarten, inwieweit die NRW-FDP dieser Öffnung jetzt Taten folgen lässt.

SPIEGEL ONLINE: Was würde eine Ampel in NRW für die Bundesebene bedeuten?

Nahles: Das wäre ein weiterer Farbklecks in der politischen Landschaft.

SPIEGEL ONLINE: Kein Projekt für 2013?

Nahles: Über 2013 reden wir, wenn es so weit ist.

SPIEGEL ONLINE: Parteichef Gabriel hält die FDP für verfassungsfeindlich. Teilen Sie diese Einschätzung?

Nahles: Ich denke, Guido Westerwelle gehörte immer zu denjenigen Oppositionsrednern, die am meisten auf andere eingeprügelt haben. Trotzdem haben wir in der Ausnahmesituation, in der sich NRW befindet, den Schritt zuerst auf die FDP zugemacht. Nicht mehr und nicht weniger erwarte ich von den Düsseldorfer Liberalen uns gegenüber.

SPIEGEL ONLINE: In welchen Bereichen wäre denn eine sozial-liberale Zusammenarbeit auf Bundesebene möglich?

Nahles: Wir werden sehen. Klar ist: Die FDP muss sich bewegen. In Deutschland tobt eine der größten Finanzkrisen überhaupt und man hat den Eindruck, die FDP trägt weiter die Konzepte der neunziger Jahre vor - immerhin in bewundernswertem Stoizismus. Aber ich sehe einen Dialogbedarf mit sozial-liberal geneigten FDP-Politikern. Man gründet Koalitionen nicht nur auf taktischen Überlegungen. Es geht immer zuallererst um inhaltliche Schnittmengen. Und die sind momentan unterentwickelt.

SPIEGEL ONLINE: Hannelore Kraft hat einem Linksbündnis eine Absage erteilt. Hat die SPD immer noch Schwierigkeiten, die Realitäten des Fünfparteiensystems anzuerkennen?

Nahles: Nein. Die Linkspartei hat Schwierigkeiten zu erkennen, dass für eine Regierung auch verantwortliche Absprachen getroffen werden müssen. Dazu war sie in NRW nicht bereit.

SPIEGEL ONLINE: Lafontaine hat sich zurückgezogen, eine neue Parteiführung ist gewählt - wie bewerten Sie die jüngste Entwicklung bei der Linken?

Nahles: Die sehe ich nicht besonders optimistisch. Auf dem letzten Parteitag hat sich vor allem der regierungsabgewandte Teil stark präsentiert. Reformorientierte Kräfte haben schlechte Stimmergebnisse erzielt. Die Partei Die Linke als Einheit gibt es nicht - es handelt sich vielmehr um eine sehr heterogene Partei, die sich selber noch darüber klar werden muss, was sie eigentlich will.

SPIEGEL ONLINE: Ihre eigene Parteilinke fordert, die SPD müsse radikaler werden. Teilen Sie diese Einschätzung?

Nahles: Radikal um der Radikalität willen schadet der SPD. Wenn es aber um das Einfordern von Gerechtigkeit und Chancengleichheit geht, steht Radikalität der SPD immer gut zu Gesicht.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt konkret?

Nahles: Wir haben derzeit einen verantwortungslosen, finanzmarktgetriebenen Kapitalismus, der keine Rücksicht nimmt auf das Gemeinwohl und auf demokratisch legitimierte Staaten. Staaten werden zur Ware degradiert. Vor diesem Hintergrund können wir ruhig die Systemfrage stellen: Wir brauchen eine marktwirtschaftliche, soziale Demokratie. Deshalb müssen wir sehr hart ringen mit dieser Profitmaschine Kapitalmarkt, die nur sehr wenige reich macht und viele arm. Wenn das mit radikal gemeint ist, kann ich das unterschreiben.

Das Interview führte Veit Medick

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insgesamt 61 Beiträge
carstenkapstadt 01.06.2010
Fr "Weltgewand" aus der Eifel mit Ihre Intrigenerfahrung erklaert das Leben ... lustig
Fr "Weltgewand" aus der Eifel mit Ihre Intrigenerfahrung erklaert das Leben ... lustig
orwell48 01.06.2010
etwas in Ihrem Leben geleistet hat der sollte sich hier nicht so äußern. Gerade aus den Reihen der SPD, der Grünen und der Linken sind doch die schlimmsten Diffamierungen gegen den Bundespräsidenten gekommen. Es ist halt immer [...]
etwas in Ihrem Leben geleistet hat der sollte sich hier nicht so äußern. Gerade aus den Reihen der SPD, der Grünen und der Linken sind doch die schlimmsten Diffamierungen gegen den Bundespräsidenten gekommen. Es ist halt immer einfach zu behaupten, daß der Bundepräsident nur der Abnicker von Gesetzen sein soll (H. Struck seinerzeit) oder nur die Shake Handas vornehmen darf, sich aber dann aufregen wenn nicht das kommt was die SPD (Frau Nahles ??) erwartet damit ihre Politik als gerechtfertigt erscheint.
mattsen 01.06.2010
man braucht nur die einleitung zu lesen, um die destruktive polemik erahnen zu können, mit der hier von verantwortung gegenüber den bürgern und dem staat gesprochen werden wird...
man braucht nur die einleitung zu lesen, um die destruktive polemik erahnen zu können, mit der hier von verantwortung gegenüber den bürgern und dem staat gesprochen werden wird...
69sonntag 01.06.2010
Der Bundeshorst ist nicht wegen irgendeiner Kritik zurückgetreten. Da ist etwas anderes im Busch. Er weiß es und macht sich davon, andere werden noch folgen
Der Bundeshorst ist nicht wegen irgendeiner Kritik zurückgetreten. Da ist etwas anderes im Busch. Er weiß es und macht sich davon, andere werden noch folgen
freidenker_ 01.06.2010
Eine kleine Zusammenfassung... Eigentlich sollte alles ganz anders laufen. Eigentlich wollte die EZB die Geldschwemme austrocknen und die überschüssige Liquidität aus den Märkten abschöpfen. Nun macht sie genau das Gegenteil. [...]
Eine kleine Zusammenfassung... Eigentlich sollte alles ganz anders laufen. Eigentlich wollte die EZB die Geldschwemme austrocknen und die überschüssige Liquidität aus den Märkten abschöpfen. Nun macht sie genau das Gegenteil. Seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 ist die globale Liquidität (M1), die bereits seit Mitte der 90er Jahre deutlich schneller gewachsen war als das Sozialprodukt, nochmals gestiegen. Das ist die ideale Grundlage für neue Spekulationsblasen, noch größer als je zuvor. Die Rechnung kommt später, aber sie kommt: Bankenzusammenbrüche bislang unbekannten Ausmaßes und Staatsbankrotte. Horst Köhler weiß das. Dennoch hat er den Milliarden-Euro-Rettungschirm mit seiner Unterschrift auf den Weg gebracht. Er weiß, dass das Geld der Deutschen weg ist. Er weiß, dass er Deutschland mit seiner Unterschrift in den Abgrund gestürzt hat. Und er weiß, dass er es mit seinem Veto hätte verhindern können. Köhlers Rücktritt ist ein Krisensymptom. Wir erleben derzeit die eine Erosion des Vertrauens der Bürger in die Bundesregierung, deren Krisenmanagement von allen Gesellschaftsschichten fast nur noch negativ beurteilt wird. Nur noch eine winzige Minderheit würde die Regierungsparteien derzeit wählen. Eine breite Mehrheit der Deutschen sagt in den Umfragen zugleich, dass es ihnen in wenigen Monaten schon deutlich schlechter gehen wird. Normalerweise bedürfte es da eines Kapitäns, der die Klippen des Bootes, in dem wir alle gemeinsam sitzen, vorausschauend so umschifft, dass in stürmischer See möglichst wenig Schaden angerichtet wird. Horst Köhler aber ist just in dem Moment von Bord gesprungen, wo die Klippen in Sicht kamen. So wie Roland Koch in Hessen wenige Tage zuvor. Ihnen gebührt dafür unsere tiefste Verachtung. Und eine besondere Ehrung: auf dem Müllhaufen der Geschichte.
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Procedere nach Köhlers Rücktritt
dpa
Der Nachfolger von Bundespräsident Horst Köhler wird am 30. Juni gewählt. In Artikel 54 Absatz 4 des Grundgesetzes ist festgehalten, dass die Bundesversammlung bei vorzeitiger Beendigung einer Amtszeit des Bundespräsidenten spätestens 30 Tage nach diesem Zeitpunkt zur Wahl zusammentritt.

"Mir wird sein Rat fehlen"

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