SPD-Generalsekretärin Nahles Fehlstart der Strippenzieherin

Der neue Parteichef Gabriel wird gefeiert, die Generalsekretärin abgestraft: Bei der Wahl von Andrea Nahles entlädt sich beim SPD-Parteitag der Unmut der Genossen. Das schwache Ergebnis wird zur Hypothek für die Parteilinke.

Aus Dresden berichtet

Blitzableiter Nahles: Schlechtes Ergebnis für die neue Generalsekretärin
REUTERS

Blitzableiter Nahles: Schlechtes Ergebnis für die neue Generalsekretärin


Dresden - Sogar die Spitze gegen den abgetretenen Parteichef misslingt. Andrea Nahles greift ein Standardzitat von Franz Müntefering auf: "Opposition ist Mist." "Meine Eltern haben einen Misthaufen, darauf wachsen die besten Kürbisse." Soll so viel heißen wie: Aus Mist kann auch etwas Gutes entstehen.

Der Gag zündet nicht. Viele Delegierten des Dresdner SPD-Parteitages schütteln den Kopf, mancher schaut peinlich berührt auf den Boden. Es ist nicht der einzige Teil ihrer Rede, der Nahles am Freitagabend misslingt. Sie spricht zu leise, wirkt fahrig und unsicher. Natürlich ist es auch undankbar, nach der gefeierten Rede von Sigmar Gabriel ranzumüssen. Doch die Unsicherheit der sonst so selbstbewussten Sozialdemokratin überrascht dann doch.

Und so trägt auch ihre Rede zu Nahles' Fehlstart bei: Nur 69,6 Prozent der Delegierten geben der neuen Generalsekretärin die Stimme. Ein schwaches Ergebnis - vor allem im Vergleich mit Gabriel und den Vizechefs. Der Bundesvorsitzende bekam 94,2 Prozent, seine vier Stellvertreter 85,7 (Olaf Scholz) bis 90,2 Prozent (Hannelore Kraft).

Denkzettel der Parteilinken

Während sich der Vorstand also insgesamt auf breites Vertrauen stützen kann, beginnt die Amtszeit von Gabriels rechter Hand mit einer Hypothek. Auch wenn Nahles sich trotz der Schlappe selbstbewusst gab: "Wenn ich in zwei Jahren immer noch nur 69 Prozent habe, dann ärgere ich mich. Aber heute ärgere ich mich nicht", sagte sie dem TV-Sender Phoenix.

Der Parteichef, da sind sich viele in der SPD sicher, hat mit seiner Rede viele Unentschlossene auf seine Seite ziehen können. Gabriel riss sie mit, impfte der Partei neues Selbstbewusstsein ein. Nahles gelang das nicht. Und so wurde sie als Ausdruck des Unmuts der Partei abgestraft. Unmut darüber, wie sich die beiden direkt nach der Bundestagswahl im Hinterzimmer die Führung aufgeteilt hatten - zusammen mit Scholz und dem Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit.

Vor allem ihren eigenen Parteiflügel hat Nahles damit vergrätzt. "Die Linken haben Nahles einen Denkzettel verpasst", vermutet ein Delegierter aus Niedersachsen. Viele Redner kritisierten die interne Absprache während der vierstündigen Aussprache vor der Vorstandswahl. Namen wurden nicht genannt, doch dass sich die Basis ein Ventil suchen würde, zeichnete sich ab.

"Urenkelin Willy Brandts" und "Königsmörderin"

Nahles kennt ihre Partei wie sonst niemand ihrer Generation. Doch geliebt wird sie nicht. Die 39-Jährige galt als Nachwuchshoffnung, seit sie 1995 die Führung der Jungsozialisten übernahm, der Jugendorganisation der SPD. Sie war das "Energiebündel", die mutige Schröder-Kritikerin. Ein Autor der "Woche" kürte sie gar zur "Urenkelin Willy Brandts" - nach einem couragierten Auftritt beim Mannheimer Parteitag 1995. Zehn Jahre später sollte sie Generalsekretärin werden. Gegen den Willen von Parteichef Müntefering, der lieber seinen Vertrauten Kajo Wasserhövel an seine Seite holen wollte. Der Parteivorstand schenkte ihr dennoch das Vertrauen, Müntefering trat zurück, Nahles wurde als "Königsmörderin" beschimpft.

Zitate aus der Gabriel-Rede

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Das wirkt nach. Gabriel sagt am Samstag, er bedauere ihr Ergebnis: "Natürlich hat der Parteitag das Recht dazu, aber das hat sie nicht verdient." Nahles habe in den Wochen nach dem Wahldebakel viel für den Wiederaufbau getan. "Sie weiß über die SPD unheimlich viel", sagt Gabriel, "ich habe sehr von ihr profitiert in den letzten Wochen."

Gabriel tröstet seine Generalin

Nahles und Gabriel scheinen sich tatsächlich angenähert zu haben. Ihre Beziehung bis zur Bundestagswahl nannte Nahles "ein Nichtverhältnis". Als Gabriel ihr am Wahlabend eine SMS schicken wollte, hatte er nicht mal ihre aktuelle Handynummer. Erst auf Vermittlung von Scholz kam das Treffen der vier zustande.

Gabriel bemüht sich am Samstag, nicht übermütig zu erscheinen - trotz der Masse der Schulterklopfer, die ihn seit Freitagabend umlagern. Und trotz der euphorischen Stimmung, die ihn nur wenige Stunden hat schlafen lassen. Die Krise der Partei werde "nicht durch 'ne gute Rede gelöst", sagt der Parteichef. Und dann schiebt Gabriel noch ein paar tröstende Worte für seine Generalin hinterher: Nahles habe nun die Chance, es besser zu machen. Bei seinem Ergebnis von 94,2 Prozent könne es fast nur nach unten gehen. "Andrea dagegen kann nun die SPD von sich überzeugen, wie sie mich überzeugt hat."

Forum - Schafft die neue SPD-Spitze die Wende?
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Seite 1
Dietmar Stadler 07.11.2009
1.
Zitat von sysopNach dem für die SPD desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl stellte sich die Partei neu auf um schnell wieder Tritt zu fassen. Hat die neue SPD-Spitze um den designierten Vorsitzenden Sigmar Gabriel das Zeug, die Wende zu schaffen?
Man kann sich doch immer wieder über die SPD auslassen. Ein Thread nach dem anderen, der hier auftaucht. Nun, es scheint wenigstens noch breites Interesse zu bestehen, über die SPD nachzudenken oder herzuziehen. Ihren Untergang wird das aber kaum verhindern.
SaT 07.11.2009
2.
Zitat von Dietmar StadlerMan kann sich doch immer wieder über die SPD auslassen. Ein Thread nach dem anderen, der hier auftaucht. Nun, es scheint wenigstens noch breites Interesse zu bestehen, über die SPD nachzudenken oder herzuziehen. Ihren Untergang wird das aber kaum verhindern.
Stimmt – macht irgendwie Spaß. Weiß auch nicht so recht warum.
profprom, 07.11.2009
3.
Zitat von sysopNach dem für die SPD desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl stellte sich die Partei neu auf um schnell wieder Tritt zu fassen. Hat die neue SPD-Spitze um den designierten Vorsitzenden Sigmar Gabriel das Zeug, die Wende zu schaffen?
Wie bitte? Die SPD stellt sich neu auf? Mit dem altgedienten Kader?
Rainer Daeschler, 07.11.2009
4.
Zitat von sysopNach dem für die SPD desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl stellte sich die Partei neu auf um schnell wieder Tritt zu fassen. Hat die neue SPD-Spitze um den designierten Vorsitzenden Sigmar Gabriel das Zeug, die Wende zu schaffen?
Gabriel ist Resteverwalter, nicht der Moses, der die SPD ins gelobte Land führt. Die SPD ist zur Zeit ein Chamäleon, das mal das Gesicht einer Arbeitnehmerpartei zeigt, dann wieder den Hort der Wirtschaftsversteher darzustellen versucht. Sie ist wie Gewerkschafter größerer Unternehmen, mit dem Aufsichtsratssitz und dem Co-Management ausgefüllt, aber immer noch ein kariertes Flanellhemd im Büroschrank griffbereit, wenn es dann doch mal in die Niederungen der Werkshallen gehen sollte. Die SPD muss entweder zwischen den beiden Extremen ihren Weg finden, oder sich für eines der beiden entscheiden. Der Wähler mag keine Überraschungseier wählen und Sigmar Gabriel mit ausgewiesenen Chamäleoneigenschaften ist nicht der Parteivorsitzende, der die entscheidende Wende verspricht.
Meerkönig 07.11.2009
5.
Zitat von sysopNach dem für die SPD desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl stellte sich die Partei neu auf um schnell wieder Tritt zu fassen. Hat die neue SPD-Spitze um den designierten Vorsitzenden Sigmar Gabriel das Zeug, die Wende zu schaffen?
Die SPD braucht Visionäre, die sich voll und ausschließlich den Normalbürgern verschreiben. Das sind Kleinbeamte-Arbeitnehmer, /Beitragszahler mit Familien, Rentner, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger aber auch Geschäftstreibende, Mittelstandsbetriebe. Es gibt genug Möglichkeiten in Deutschland um alle mit Wohlstand ,Zukunftssicherheit( Vollbeschäftigung) und Gesundheit zufrieden zu stellen, ohne dem Rest eines staatlichen Gemeinwesens weh tun zu müssen. (Weh tun zu müssen im wahrsten Sinne des Wortes). Man braucht nur auf L. Erhards soziale Marktwirtschaft zurückzugreifen. (Heute tiefster Marxismus) Hauptaufgabe ist, Ungerechtigkeit, Kriminalität und Korruption erbarmungslos in Regierung ,Opposition und Wirtschaft ohne Rücksicht und Bevorzugung (ja, z. B. Kohl gehört ins Zuchthaus) zu bekämpfen. Die Bildung muss Priorität haben mit Schwerpunkt Bekämpfung der Raffgier, Gesund- und Alterssicherungslehre und natürlich all die anderen Schwerpunkte. Man kann das auf alle Felder ausdehnen, wie Verkehr, Verteidigung, Umwelt ,Ernährung, Geldkontrolle, Erbschaft usw. Dafür fehlen mir Sahra Wagenknechts in der SPD. Ich sehe jedenfalls keine.
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