SPD Genossen wettern gegen Gabriels Reformkurs

In der SPD verschärft sich der Streit über die geplante Parteireform. Zahlreiche Kritiker greifen nach SPIEGEL-Informationen die Pläne von Parteichef Gabriel und Generalsekretärin Nahles an, auch Nichtmitglieder bei der Aufstellung von Kandidaten zu beteiligen und die Spitzengremien zu verkleinern.

SPD-Vorsitzender Gabriel (im Mai in Salzgitter): Zahlreiche Kritiker
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SPD-Vorsitzender Gabriel (im Mai in Salzgitter): Zahlreiche Kritiker


Zwar sei es richtig, dass die Partei auf Veränderungen in der Gesellschaft reagiere, sagte der hessische Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel dem SPIEGEL. "Aber wir dürfen nicht die Mitgliedschaft in dieser Partei entwerten. Der umgekehrte Weg ist richtig: Wir müssen uns fragen, wie wir die Mitgliedschaft in der SPD stärken können."

Der Berliner SPD-Vorsitzende Michael Müller sieht die Reformpläne ebenfalls skeptisch: "Wir sollten nicht alles für alle öffnen. Wir haben doch schon Gastmitgliedschaften angeboten und Listen für Nichtmitglieder geöffnet. Das hat uns kein einziges neues Mitglied gebracht."

Juso-Chef Sascha Vogt sagte zur geplanten Abschaffung des Parteirats: "Wir dürfen nicht das Gremium, in dem wenigstens noch einige Nicht-Berufspolitiker sitzen, abschaffen und durch einen Klüngel von Funktionären ersetzen."

Der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hingegen sprach sich für die Reform aus. Deren Erfolg sei "eine lebensnotwendige Frage für die Partei". Er habe als Quereinsteiger den Weg durch die Institutionen geschafft, "aber alle anderen, die mit mir angefangen haben, sind gescheitert". Die Gremien hätten es bislang als ihr Privileg betrachtet, "zum Teil auch drittklassige Leute nach Proporz aufzustellen". Die SPD müsse da dringend aufholen, die Grünen seien da weit voraus. "Wenn man es jetzt nicht macht, ist es zu spät. Ich würde Gabriel empfehlen, das jetzt durchzuziehen. Davon hängt auch seine Glaubwürdigkeit ab."

insgesamt 155 Beiträge
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martian-spy-trap 28.05.2011
1. Meinetwegen...
sollen sie sogar Nichtmitglieder als Kandidaten für Ämter aufstellen (bis hin zum Kanzlerkandidaten). Denn, was der komplette Führungsriege abgeht, ist Charisma und Glaubwürdigkkeit. Ja, ich weiß, ist spinnert und hört sich auch so an... aber mal ehrlich, irgendwie trifft es das doch.
matthias schwalbe, 28.05.2011
2. SPD ist wie ADAC
...dort wird einem auch ohne Mitglied zu sein geholfen ;)
Brand-Redner 28.05.2011
3. Vergleich
Zitat von matthias schwalbe...dort wird einem auch ohne Mitglied zu sein geholfen ;)
Soweit ich weiß, hilft der ADAC den Nichtmitgliedern aber _nur gegen Bezahlung_! Zurück zur SPD: Was müsste ich denn dort als Nichtmitglied so blechen?
mexi42 29.05.2011
4. Nur ...
Zitat von sysopMehr Demokratie für die Partei: Um ihre Politik volksnäher zu gestalten und gegen Politikverdrossenheit zu wirken, überlegen Sozialdemokraten, ihre Kandidatenwahlen auch für Nichtmitglieder zu öffnen. Ein richtiger Weg, um Parteien für den Bürger attraktiver zu machen?
hochqualifiziertes Führungspersonal und dementsprechende Parteiprogramme bewirken die Attraktivität einer Partei. Nur Mitglieder sollten wichtige Dinge mitbestimmen. Dazu gehören flache Hierarchien. Die Halbierung der Partei-Mitgliederzahlen bewirkten Schröder-Münte-Clement.
spiegelmaus 29.05.2011
5.
Merkwürdig, dass die SPD so unbedingt mit allen Mitteln an ihrer eigenen Abschaffung arbeitet.
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