SPD-Grabenkämpfe Linke fordern Rückzug von "Seeheimer"-Chef Kahrs

Mit Niels Annen wird ein führender SPD-Linker wohl nicht mehr in den Bundestag einziehen - nun will sein Lager Rache: Parteivize Nahles und Ex-Juso-Chef Böhning fordern den Rückzug des Bundestagsabgeordneten Kahrs als Chef des "Seeheimer Kreises". Er soll Annens Gegenkandidaten unterstützt haben.


Hamburg - Die Forderung ist eindeutig: Der linke SPD-Flügel will den Rückzug von Johannes Kahrs, dem Sprecher des konservativen "Seeheimer Kreises". Der Wortführer der SPD-Linken, Björn Böhning und die stellvertretende Parteivorsitzende Andrea Nahles machten in getrennten Zeitungsinterviews den Hamburger Bundestagsabgeordneten Kahrs für das Scheitern von Niels Annen verantwortlich. Das SPD-Vorstandsmitglied war im Rennen um die erneute Direktkandidatur seinem Bundestagswahlkreis Hamburg-Eimsbüttel gegen Hamburgs Juso-Chef Danial Ilkhanipour unterlegen.

SPD-Politiker Kahrs: Linke Sozialdemokraten fordern seinen Rückzug als Chef des "Seeheimer Kreises"

SPD-Politiker Kahrs: Linke Sozialdemokraten fordern seinen Rückzug als Chef des "Seeheimer Kreises"

Kahrs wird auch von Teilen der Hamburger SPD unterstellt, er habe im Kreis Eimsbüttel mit Hilfe der für ihn arbeitenden Jusos eine Mehrheit gegen Annen organisiert. Annen war am Sonnabend mit 44 zu 45 Stimmen gegen Ilkhanipour unterlegen und wird deshalb sein Bundestagsmandat vermutlich verlieren. Ilkhanipour hatte seine Kandidatur erst bekanntgegeben, nachdem alle Delegierten für die Nominierung gewählt waren.

Der Vorwurf lautet deshalb: Der Juso-Chef hat sich mit Kahrs' Hilfe die Mehrheit der Delegierten gesichert, bevor Annens Lager von Ilkhanipours Kandidatur wusste. Tatsächlich waren Juso-Vertreter bei der Delegiertenkonferenz in überraschend großer Anzahl vertreten.

"Wir erwarten, dass die Seeheimer personelle Konsequenzen ziehen. Wenn ihnen die Verantwortung für die Partei wichtiger ist als eigene Machtspielchen, kommen sie daran nicht vorbei", sagte Böhning dem Berliner "Tagesspiegel". So lange Kahrs eine herausgehobene Rolle beim "Seeheimer Kreis" spiele, könne es "keinerlei Kooperation mehr geben", fügte Böhning hinzu.

Auch Nahles übte im "Hamburger Abendblatt" heftige Kritik an Kahrs. "Ein Hauptverantwortlicher für die Entscheidung ist offenkundig Johannes Kahrs", so Nahles. "Er schaut erkennbar nur auf seinen persönlichen Vorteil. Er schadet damit auch dem Teil der SPD, für den er angeblich spricht. Wichtig und richtig ist ein Jahr vor einer Bundestagswahl, dass die SPD Unterschiede zur politischen Konkurrenz klar macht und nicht die eigenen guten Leute mit fragwürdigen Methoden bekämpft."

Kahrs wies die Vorwürfe gegenüber dem "Abendblatt" zurück. "Ich kümmere mich schwerpunktmäßig um meinen Wahlkreis", so Kahrs. "Damit bin ich mehr als ausgelastet."

Annen war von 2001 bis 2004 Bundesvorsitzender der Jusos. Seit 2005 sitzt er im Bundestag und ist einer der wichtigsten Außenpolitiker seiner Fraktion. Gerade in der Afghanistan-Politik galt er als wichtiges Bindeglied zwischen den Flügeln. Jüngst hatten sich sogar Außenminister Frank-Walter Steinmeier und SPD-Chef Franz Müntefering für Annen stark gemacht.

flo/dpa



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