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Wähler-Studie: SPD leidet an gravierendem Imageproblem

Wahlkampf 2013: Steinbrück attestiert SPD Fehleinschätzungen Zur Großansicht
DPA

Wahlkampf 2013: Steinbrück attestiert SPD Fehleinschätzungen

Ex-Kanzlerkandidat Steinbrück kritisiert im SPIEGEL Fehleinschätzungen seiner Partei. Die SPD müsse die Wahlniederlagen sorgfältig aufarbeiten. Eine aktuelle Studie bescheinigt den Sozialdemokraten: Sie finden keine neuen Wähler.

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Hamburg - Der ehemalige Kanzlerkandidat der SPD übt Kritik: Beim Wahlkampf seien Fehler gemacht worden, sagt Peer Steinbrück im Gespräch mit dem SPIEGEL. Deshalb plädiert er für eine Aufarbeitung der Wahlniederlagen von 2009 und 2013 durch seine Partei. "Ich fürchte, dass sie ohne Aufarbeitung beider Niederlagen, 2009 und 2013, in die Wahl von 2017 gehen könnte", so Steinbrück. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Die Lage in Deutschland sei im Jahr seiner Kandidatur falsch eingeschätzt worden, sagt Steinbrück. Das sei der zentrale strategische Fehler seiner Partei im Wahlkampf 2013 gewesen. "Die SPD vermittelte den Eindruck, das Land stehe am Abgrund und bestehe aus einer Ansammlung von Opfern", sagt er. Dabei hätten "um die 75 Prozent der Bürger" laut Umfragen gemeint, "Deutschland sei in einem ganz guten Zustand - und dafür sprach ja auch einiges", so Steinbrück.

Dass die SPD noch an ihrem Image feilen muss, um für die nächste Bundestagswahl gerüstet zu sein, bestätigt auch eine noch unveröffentlichte Studie des Instituts TNS Infratest. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, gelingt es den Sozialdemokraten demnach nicht, über ihre Kernklientel hinaus Wähler zwischen 25 und 45 Jahren zurückzugewinnen. Und das, obwohl die Partei in mehr als einem Jahr Regierungsarbeit zentrale Anliegen durchgesetzt hat.

Die Studie mit dem Titel "Die arbeitende Mitte in Ost- und Westdeutschland" bescheinigt der SPD ein gravierendes "Imageproblem". Dem Ergebnis werde in der Parteispitze erhebliche Bedeutung zugemessen, heißt es in dem Bericht.

"Prinzipiell gut aufgestellt"

Zwar heißt es darin auch, die Partei sei "im Hinblick auf ihre politischen Inhalte prinzipiell gut aufgestellt". Ihr "Imageproblem" verhindere aber, dass Wähler sich über die Parteigrenzen hinweg mit ihr auseinandersetzten und sich vorstellen könnten, die Partei zu wählen.

Die Union hingegen habe einen "sehr konsistenten Markenkern" und verstehe es, ihren "Leitwert" Sicherheit mit Leben zu füllen. Dass die SPD ihre Grundsätze nicht ebenso erfolgreich präsentieren könne, liegt laut der Studie

  • an den Hartz-IV-Reformen,
  • einer fehlenden Zielgruppenpolitik,
  • zu wenig erkennbarem "wertegeleiteten Handeln"
  • und "gefühltem Desinteresse an der Lebenswirklichkeit der arbeitenden Mitte".

Die SPD müsse "wieder erkennbar" werden, auch wenn dies bedeute, "dass sie - wo nötig - Konflikte mit der Union eingehen muss", heißt es.

Auch das passt zu Steinbrücks Aussagen im SPIEGEL: Er und die SPD hätten gedacht, "wenn es für Mindestlohn, die Gleichstellung von Homosexuellen, ein modernes Staatsbürgerrecht, die Frauenquote und die Mietpreisbremse jeweils einzeln hohe Zustimmungsquoten gebe, dann ließe sich aus der Addition solcher Vorhaben eine parlamentarische Mehrheit schmieden".

Die SPD stagniert in Meinungsumfragen bei Werten um 25 Prozent, obwohl sie in der Großen Koalition sozialdemokratische Prestigeprojekte wie den Mindestlohn, die Rente mit 63 oder die Frauenquote durchgesetzt hat.


Daten zur Umfrage:

  • Für die Studie befragte TNS Infratest im November 53 Bürger zwischen 25 und 45 Jahren, quotiert nach Geschlecht, Alter, Bildung, Parteipräferenz und Tätigkeit.


Zusammengefasst: Ex-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fordert seine Partei auf, die Wahlniederlagen besser aufzuarbeiten. Obwohl die SPD in der Großen Koalition wichtige Projekte durchgesetzt hat, kämpft sie in der öffentlichen Wahrnehmung mit ihrem Image. Eine Studie bescheinigt: Die Sozialdemokraten können kaum neue Wähler gewinnen.

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vek/AFP

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insgesamt 296 Beiträge
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    Seite 1    
1. Da brauche ich keine Studie für
kitte 07.03.2015
Da kann sich die SPD bei Steinmeier,Gabriel und Co bedanken. Anstatt in die Opposition zu gehen,waren die Herren Machtgeil. Die wollten auf Teufel komm raus ihre Posten haben.. Seit der Entscheidung zur GroKo ist die SPD unwählbar geworden. Freue mich auf die nächste Wahl....
2.
pflegeblog.com 07.03.2015
Die SPD hat kein Imageproblem. Sie hat einfach das sozialdemokratische verraten. Früher einmal, war sie die Partei der Arbeiter und setzte sich für sie ein. Nun handelt sie neoliberal ohne Rücksicht auf Verluste. Als wichtiges Beispiel sei TTIP zu nennen. Wer zum Steigbügelhalter der CDU verkommt, deren Positionen mitvertritt, wirkliche Verbesserungen nur halbherzig durchsetzt bzw. rein als Verhandlungsmasse nutzt, muss sich nicht wundern, wenn er keine Rolle mehr spielt. Oder um es in prägnanten Worten zu fassen: Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten!
3. Herr Steinbrück das ist nicht die SPD
kimmberlie67 07.03.2015
das sind die Lenker,wie Sie,die alles falsch einschätzen und es geht nur um das eigene Wohl und voran kommen. Da ist die Partei doch nur Mittel zu Zweck. So lange wie sich diese Partei nicht deutlich von der CDU/CSU unterscheidet wird ihr Weg nach unten Anhalten. Wenn der Typische Sozi heute mal eine Millionen für Vorträge im Jahr macht kann er nicht mehr ernst genommen werden. Auch ein H4 Kanzler Schadet der Partei.
4. Keine Überraschung,
bettini 07.03.2015
...wenn der ''Vizekanzler'' aka Wirtschafts-Siggi noch konservativer agiert als die Mutter Oberin mit ihrer ''marktkonformen Demokratie''. Man könnte lachen, wäre es nicht so traurig.
5. Mit dem aktuellen Führungspersonal
portisat 07.03.2015
wird die SPD ihr Imageproblem nie los werden. Das sind alles Neoliberale, die genau so gut in der CDU sein könnten.
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