SPD Simonis stichelt gegen Parteichef Gabriel

Die langjährige SPD-Ministerpräsidentin Heide Simonis wirft ihrem Parteichef Sigmar Gabriel Mutlosigkeit vor. Es bringe nichts, die Politik der CDU-Kanzlerin zu kopieren.

Simonis über Gabriel: "Man spürt richtig, dass ihm manchmal der Anspruch und der Mut fehlen, es allen zu zeigen"
imago

Simonis über Gabriel: "Man spürt richtig, dass ihm manchmal der Anspruch und der Mut fehlen, es allen zu zeigen"


Hamburg/Berlin - Heide Simonis kritisiert ihren Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. "Er kommt mir vor wie jemand, der im Schwimmbad auf den Zehnmeterturm geklettert ist und nun von unten bestaunt wird. Doch dabei blickt er selbst ganz ängstlich von oben runter", sagte die langjährige SPD-Ministerpräsidentin der "Zeit". "Man spürt richtig, dass ihm manchmal der Anspruch und der Mut fehlen, es allen zu zeigen und zu springen."

Die Sozialdemokraten seien gut beraten, "ihr linkes Profil zu schärfen", sagte die 71-Jährige weiter: "Wir haben eigentlich ein großes Wählerpotenzial, das eine eher linke SPD-Politik unterstützen würde - aber diesen Leuten bieten wir zu wenig."

Simonis, die zwölf Jahre lang Regierungschefin in Schleswig-Holstein war, kritisierte, die SPD sei "inhaltlich zu nah an Angela Merkel herangerückt. Es bringt aber nichts, die Politik der Kanzlerin zu kopieren. Da wählen die Leute doch lieber gleich das Original." Zwar habe ihre Partei in der großen Koalition sozialdemokratische Akzente gesetzt, "etwa beim Mindestlohn oder jetzt gerade bei der Frauenquote. Aber das war es dann auch schon."

Mit Blick auf die nächste Bundestagswahl im Jahr 2017 sagte Simonis: "Die SPD sollte sich die rot-rot-grüne Option in jedem Fall offenhalten." Am Freitag stellt sich der Linkspolitiker Bodo Ramelow in Thüringen zur Wahl, er will eine rot-rot-grüne Koalition in Erfurt führen. Er wäre der erste Ministerpräsident der Linken in einem Bundesland.

Warnung vor Scheitern in Thüringen

Einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins "Stern" fänden 54 Prozent der Befragten es grundsätzlich in Ordnung, wenn ein Linker die Regierung eines Bundeslandes anführte. 38 Prozent sind dagegen.

Ein Scheitern Ramelows bei der Wahl hätte nach Ansicht von Simonis fatale Folgen für die SPD. Falls die Wahl schiefgehen würde, "wäre das Malheur noch schlimmer als damals bei mir". Die SPD in dem Bundesland würde in einem solchen Fall "durcheinandergerappelt".

Die Wiederwahl von Simonis als Ministerpräsidentin war 2005 im Kieler Landtag gescheitert, weil ihr eine Stimme aus dem Lager von SPD, Grünen und der dänischen Minderheitenpartei SSW versagt wurde.

heb/jok



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sir wilfried 03.12.2014
1. Ist Frau Simonis noch in der richtigen Partei?
Hat sie nicht mitbekommen, daß die SPD unter Gabriel Teil der CDU wurde? Viele SPD-Genossen sind nun politisch heimatlos, aber eine Vollblutpolitikerin sollte nicht überrascht sein.
marty_gi 03.12.2014
2. Mutlosigkeit
...einer der Gruende meines Austritts.
Botox 03.12.2014
3. Das dumme ist...........
Wenn die SPD wieder das Soziale neu entdeckt, werden sie Automatisch mit der Agenda/Hartz4/Rente konfrontiert, und aus der Nummer kommen die nie wieder Raus. Sie werden auf den Baustellen kaum noch einen finden, der auf die SPD noch gut zu sprechen ist, und wird mit jedem Leiharbeiter noch weniger.
idealist100 03.12.2014
4. Hallo
Die wollte nur mitteilen das zwei konservative Parteien unsinnig sind und deshalb die sozen überflüssig.
Rlpler 03.12.2014
5.
Landesmutti a.D. hat gesprochen, und ihren Ex-Erzfeind Stegner damit zurecht den Rücken gestärkt. Grad weil die Beziehung zwischen den beiden so prekär war sollte Gabriel aufhorchen und dementsprechend handeln. Auch ein Ex-Vorsitzender kann Wirtschaftsminister sein und nach 2017 auch bleiben. Aber dann mit einer anderen Koalition und anderem Regierungschef.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.