SPON-Wahltrend SPD holt Grüne ein

Der Abwärtstrend ist vorerst gestoppt: In einer SPON-Umfrage legt die SPD auf niedrigem Niveau zu. Den Abstand zur AfD können die Sozialdemokraten vergrößern.

SPD-Politiker
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Es lief nicht gut für die SPD in den vergangenen Monaten.

Da waren die Landtagswahlen in Hessen und Bayern, bei denen die Partei historisch niedrige Ergebnisse einfuhr - und der Niederlage mit Ratlosigkeit begegnete. Und da ist der anhaltende Höhenflug der Grünen, im Dezember lagen sie fünf Prozentpunkte vor den Sozialdemokraten.

Doch nun zeichnet sich eine Wende für die SPD ab. In einer repräsentativen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE liegt die SPD gleichauf mit den Grünen und kann den Abwärtstrend erst einmal aufhalten.

In der aktuellen Sonntagsfrage stimmen jeweils 17 Prozent SPD und Grüne, die Unionsparteien kommen auf 31 Prozent. Die AfD liegt bei zwölf Prozent, für Linke und FDP stimmen jeweils rund neun Prozent.

Somit vergrößert sich auch der Abstand zwischen SPD und AfD wieder, den Rechtspopulisten um die Vorsitzenden Jörg Meuthen und Alexander Gauland bleibt nur der vierte Platz. In der Vergangenheit lagen sie mitunter vor den Sozialdemokraten.

Die neue Strategie der SPD scheint damit aufzugehen: In den vergangenen Wochen hatte sich die Partei mit einem linkeren Profil neu aufgestellt. Die Sozialdemokraten forderten zwölf Euro Mindestlohn, haben sich von Hartz IV abgewendet, Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) präsentierte seine Idee für eine Grundrente. Auch intern wirkt die Partei seitdem geeint - das scheinen die Wähler zu honorieren.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.

Wer steckt hinter Civey? An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

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tomkey 25.02.2019
1. Glaubwürdigkeit
Bleibt abzuwarten ob die SPD das auch umsetzt/umsetzen kann. Hoffen tue ich es. In einer GroKo allerdings nicht. Und wenn die SPD diese Forderungen nicht irgendwie annähernd umsetzen kann, dann hat sie ein riesengroßes Glaubwürdigkeitsproblem und schmiert dann so richtig ab.
urbanism 25.02.2019
2.
Hey Klasse! Am Freitag war die SPD beim ZDF noch 1% vor der AfD. Wenn das so weiter geht, wird die SPD bis zur Wahl, die absolute Mehrheit haben. Deutschland und seine Umfragen, was würden wir bloß ohne sie machen. Jede Woche neue Gewinner und Verlierer, wo gibt das sonst?!
Freidenker10 25.02.2019
3.
Wichtig wird sein was die SPD dann von ihrem linken Profil umsetzen wird wenn sie irgendwann die chance dazu haben wird. Sonntagsreden gabs in der SPD schon genug! Sollte die SPD dann wieder von ihrem linken Kurs abrücken ist sie auf ewig erledigt, das muss denen absolut klar sein!
bedireel 25.02.2019
4. Spd-misere
@Andreas Gallasch, hierzu hat sciencefiles.org schon 2012 eine Zusammenstellung unter dem Titel SPD – Sozialdemokratischer Pressekonzern Deutschland - aufgelistet. Die Tabelle enthält nur einen kleinen Ausschnitt der Medienbeteiligungen der SPD. Hinzu kommen z.B. noch 100%tige Beteiligungen an der Westfälischen Verlagsgesellschaft, der Presse Druck GmbH, der Bayreuth Druck + Media GmbH der Wullenwever print, sowie kaum mehr zu überblickende Beteiligungen an Fernseh- und Radiosendern. Wer sich vom SPD-Konzern einen Eindruck verschaffen will, dem sei die Aufstellung der SPD-Beteiligungen im Medienbereich der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich empfohlen. Aber Vorsicht: Der Ausdruck umfasst 28 DIN-A4-Seiten. Ganz nebenbei hat sich die Partei SPD in einen Medienkonzern verwandelt, was angesichts der Aufgabe von Parteien, bei der “Willensbildung des Volkes” mitzuwirken, denselben schlechten Beigeschmack hat, wie eine Beteiligung der Mafia am Bundeskriminalamt, eine Beteiligung der katholischen Kirche am Ablasshandel oder eine Beteiligung der führenden Stahlunternehmen am Bundeskartellamt. Entsprechend gab es zu Beginn der 2000er Jahre eine Diskussion über das Medienimperium der SPD unter der Überschrift “Berlusconi von links”. Damals hat sich Kurt Beck mit dem Hinweis darauf zu Wehr gesetzt, dass der Sozialdemokratische Pressekonzern das Ergebnis einer 140 Jahre währenden Parteigeschichte darstelle und dass die Anteile von der SPD nicht genutzt würden, um die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu bearbeiten. Es gibt Statistiken, welche SPD-Organe in welcher Zeit in welchem Umfang an Auflage verloren haben. Das Existenz-Ende ist absehbar. Im Grunde ist die Stärkung von ARD und ZDF durch Durchsetzung der Zwangsgebühr ein vorletztes Mittel der Absturzvermeidung. Das Letzte ist dann die Einführung des Einheits-Sprechs, der Vertrauen und Kompetenz antäuschen soll. Eine Art Kollektivismus zwischen Nachrichtenproduzenten und -konsumenten. Dazu ist aber das Wichtigste, die Glaubwürdigkeit des Lieferanten ist bereits weg. M.f.G
anja-boettcher1 25.02.2019
5. Werte SPD,
eine Partei, die für das steht, was ihr mal ward, könnte ich gut wählen. Aber dafür ist mehr nötig als nur ein wenig jederzeit wieder zurückzufahrende Sozialkosmetik. Unsere sozioökonomische Struktur in besseren Zeiten bestand ausbalanciert aus einem breit gefächerten Mittelstand, Konzernen, die Qualitätsstandards hatten, einem starken und qualitativ hochwertigem öffentlichem Sektor und genossenschaftlichen Strukturen. Damals war es auch sinnvoll, sich in starken Gewerkschaften zu organisieren. Es geht also nicht um kurzfristige Ausschüttungen nach unten - die sozialpolitisch und sozialökonomisch wenig nachhaltig sind - sondern um eine ausgewogene Verteilung von sozioökonomischem Gewicht, ohne den eine demokratische Korrektur von ökonomischen Eliten und Lobbyismus nicht mehr möglich ist. Es geht um den realen Unterbau der Gesellschaft - in diesem Land und in ganz Europa, was aber auch darüber hinaus austrahlen kann. Zum Weiteren geht es um die Wiederkehr echter und ernst gemeinter Friedenspolitik wie unter Egon Bahr und Willy Brandt. Denn die Zunahme der Konfrontationspolitik ist eine Folge der gestiegenen Macht von Großkonzernen. Schon Tucholsky stellte treffend fest, dass noch kein Lobbyist je in den Frieden investiert hat. Kriegs und Konfrontationspolitik ist Elitenpolitik. Damit einhergehend ist eine erneute Zentrierung und ein internationales Hinwirken auf eine starke Ermächtigung der UN von höchster Wirklichkeit, damit kein Land der Welt an ihr vorbei Kriege anfangen darf, indem es sich anmaßt, unter massiver Verbreitung einer "Menschenrechts"-PR mit ganzen Bevölkerungen geopolitisch Schach zu spielen - und wenn es Abermillionen an Menschenleben kostet. Dei Politik, die wir seit 1990 gesehen haben, ist eine wirkliche Katastrophe und treibt immer mehr Menschen in die Verarmung und die ganze Welt in einen erneuten Weltkrieg. Werdet ernst zu nehmende Anwälte des inneren und äußeren Friedens, dem ihr und Deutschland dienen sollt, statt katastrophaler NATO- & ihrer NeoconBushTrumpPompeoBolton-Logik, dann werdet ihr auch wieder gewählt.
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