SPD im Internet Pöbeln gegen beleidigte Marktradikale

Die SPD hat den Wahlkampf im Internet eröffnet. Auf www.die-falsche-wahl.de macht sie Stimmung gegen Schwarz-Gelb. Wie zu erwarten war, kommt FDP-Chef Guido Westerwelle noch einmal ganz groß raus.


SPD-Wahlkampfseite: "Penner" und "Leichtmatrosen"

SPD-Wahlkampfseite: "Penner" und "Leichtmatrosen"

Berlin - Weil Angela Merkel eine Frau ist, hatten die Gentlemen von der SPD-Spitze vor einigen Wochen einen neuen Umgangston im Wahlkampf angekündigt. Eine Kostprobe lieferte Gerhard Schröder bereits am vergangenen Wochenende. "Penner" nannte er die schwarz-gelbe Führungsriege - in Anspielung auf die in der Kohl-Zeit verschlafenen Reformen.

Für diejenigen, die mehr solcher Sprüche lesen möchten, hat die SPD am Montag ein ganzes Internetportal gelauncht. Unter www.die-falsche-wahl.de gibt es jeden Tag frische Zitate, Umfragen und Boshaftigkeiten. Ursprünglich hatte man mit dem Gedanken gespielt, nur eine Anti-Merkel-Seite ins Netz zu stellen. Doch Guido Westerwelle war ein zu verlockendes Ziel, als dass die SPD-Strategen es hätten ignorieren können.

Als "FDP-Vorsitzender und größtes Problem seiner Partei" wird Westerwelle auf der Website vorgestellt. Er ist neben Wolfgang Gerhardt der einzige Liberale, den die Sozialdemokraten eines Kurzporträts für würdig erachten. Der Rest der wenig schmeichelhaften, an Fahndungsfotos erinnernden Schwarz-Gelb-Bilder zeigt die Merkel-Mitstreiter aus der Union.

Da ist Edmund Stoiber, der "doppelt gescheiterte Kanzlerkandidat aus Bayern"; Roland Koch, der "hessische Polarisierer und Merkel-Treiber"; Peter Müller, der "Scheinliberale"; Volker Kauder, der "bekennende Rüstungslobbyist"; und natürlich Friedrich Merz, der "beleidigte Marktradikale".

Jenseits des Juso-Humors soll die Seite die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem schwarz-gelben Lager liefern. Im "schwarzen Glossar" werden die "wolkigen Formulierungen" des CDU-Wahlprogamms in SPD-Deutsch übersetzt. Aus dem Satz "Wir beleben die transatlantische Zusammenarbeit neu" wird zum Beispiel "Angela Merkel will häufiger zu George W. Bush fliegen".

Die Website unterstreicht, welchen Wert die SPD dem Online-Wahlkampf beimisst. Nach der umgestalteten SPD-Homepage ist es bereits die zweite wahlkampforientierte Seite der Partei. Eine dritte zum Spitzenkandidaten Gerhard Schröder soll Ende Juli folgen.

Die CDU hingegen hat den Wahlkampfauftakt im Netz verschlafen. "Es steht ja noch gar nicht fest, ob es eine Wahl gibt", sagt eine Sprecherin zur Begründung. Bisher gibt es nur einen Link auf der CDU-Homepage, der zu einer Rekrutierungsseite für Helfer und Unterstützer führt.

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