Berlin - Peer Steinbrück versucht den Befreiungsschlag und macht seine Einkünfte aus Vortragshonoraren öffentlich: "Ich gehe damit weit über die bisher geltenden Transparenzregeln hinaus", sagte der SPD-Kanzlerkandidat auf einer Pressekonferenz am Dienstag. "Ich möchte ein Beispiel geben, das konkurrierende Parteien im Bundestag aufnehmen sollten."
Dabei räumte Steinbrück ein, dass er zwei Vorträge im Oktober 2011 nicht ordnungsgemäß beim Bundestagspräsidenten angegeben habe. Diese habe er inzwischen nachgemeldet. In beiden Vorträgen bei der Kerkhoff Consulting GmbH und der Südwestbank AG sei es um eine Regulierung der Finanzmärkte gegangen.
Er habe nie in einer Abhängigkeit von Auftraggebern gestanden, stellte Steinbrück klar. Im Durchschnitt habe er 14.000 Euro pro Vertrag erhalten, die er mit 48 Prozent versteuert habe. 237 Vorträge habe er hingegen unentgeltlich gehalten. "Ich habe die Honorarverträge in einer Zeit angenommen, als weder die SPD noch ich damit rechneten, dass ich noch mal in den Ring steige", sagte der Kanzlerkandidat. Zwei Honorarvorträge werde er noch halten, andernfalls würde eine Konventionalstrafe fällig.
Zu den Kritikern aus der Koalition, die Steinbrück zu große Nähe zu Banken und Finanzunternehmen vorwarfen, sagte er: "Ich trage gerne dazu bei, das aus dem Stein, den sie auf mich warfen, ein Bumerang wird."
Kritik von der SPD-Linken
Am Montag war öffentlich geworden, dass Steinbrück zwischen 2009 und 2012 etwa 1,25 Millionen Euro an Honoraren kassierte - mehr als bisher bekannt. Am Dienstag machte der Sozialdemokrat seine Nebeneinkünfte wie angekündigt im Internet öffentlich: Der 20-seitige Bericht des von Steinbrück beauftragten Wirtschaftsprüfers listet Auftraggeber, Honorare, Nebenkosten, Ort des Vortrags und Veranstalter auf.
Der Aufstellung zufolge erhielt Steinbrück 2009 für sechs Vorträge jeweils 15.000 Euro, insgesamt also 90.000 Euro. 2010 erhielt der SPD-Bundestagsabgeordnete für 41 Vorträge Honorare.
2011 waren es dann 32 Vorträge für Honorare zwischen 1600 und 25.000 Euro, insgesamt 460.100 Euro. Von Januar bis zum 12. Juli 2012 kamen noch einmal für zehn Vorträge à 15.000 Euro insgesamt 150.000 Euro zusammen.
Der Koordinator der SPD-Linken im SPD-Parteivorstand, Ralf Stegner, äußerte sich kritisch zur Höhe der Nebeneinkünfte Steinbrücks. "Es ist natürlich klar, dass auch die meisten Parteimitglieder eine solch hohe Summe immer skeptisch sehen werden", sagte Stegner der "Welt". Er hob aber auch hervor, der frühere Finanzminister habe sich "an Recht und Gesetz gehalten".
Steinbrücks Honorare hatten in den vergangenen Wochen für Wirbel gesorgt - und eine Debatte über Nebeneinkünfte von Abgeordneten ausgelöst. Am Donnerstag reagierte der Bundestag: Künftig müssen Parlamentarier bei ihrem Hinzuverdienst stärker ins Detail gehen.Nach massiver Kritik hatte Steinbrück einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer beauftragt, eine Übersicht seiner Honorare zusammenzustellen. Den Prüfer habe er privat bezahlt.
heb/syd/AFP
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