SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück wegen Putzhilfe erpresst

Erpressungsversuch im Wahlkampf: Mit Enthüllungen über eine angeblich schwarz beschäftigte Putzhilfe sollte offenbar Peer Steinbrück erpresst werden. Doch der Kanzlerkandidat geht zur Polizei - und mit seiner Version der Geschichte an die Öffentlichkeit.

Peer Steinbrück und seine Frau Gertrud: Erpressungsversuch wegen Putzhilfe
REUTERS

Peer Steinbrück und seine Frau Gertrud: Erpressungsversuch wegen Putzhilfe


Berlin/Bonn - Ein Erpresser soll einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge versucht haben, Peer Steinbrück zum Rückzug von seiner Kanzlerkandidatur zu zwingen. Der mutmaßliche Täter beschuldigte das Ehepaar Steinbrück demnach, vor rund 14 Jahren illegal eine Putzhilfe beschäftigt zu haben. Er drohte der Zeitung zufolge, dies öffentlich zu machen, wenn Steinbrück nicht auf seine Kandidatur verzichte.

Steinbrücks Ehefrau Gertrud wies die Vorwürfe laut "Bild"-Zeitung zurück: "Steinbrücks sind nicht erpressbar. Und lassen sich auch nicht erpressen."

Der Erpressungsversuch beschäftigt jetzt Polizei und Justiz. "Die Staatsanwaltschaft Bonn und die Bonner Polizei ermitteln wegen des Verdachts der Nötigung gegen Unbekannt", sagte ein Sprecher der Bonner Polizei am Samstag. Steinbrücks Sprecher Rolf Kleine bestätigte den Erpressungsversuch ebenfalls und sagte, Steinbrück habe am Freitagnachmittag das Bundeskriminalamt eingeschaltet. Dieses habe den Erpresserbrief sichergestellt. Steinbrück, der am Samstag einen Wahlkampfauftritt in Erfurt hat, wollte am Mittag selbst Stellung nehmen.

Dem Zeitungsbericht zufolge war Gertrud Steinbrück Adressatin des Erpresserbriefs. Der anonyme Absender forderte sie auf, sie solle ihren "Mann im Stillen dazu bewegen, seine Kanzlerkandidatur bis zum 10. September aus persönlichen Gründen niederzulegen", berichtet die "Bild"-Zeitung. Denn weder ein Kanzlerkandidat der SPD noch ein Bundeskanzler dürften erpressbar sein.

Nach Darstellung von Gertrud Steinbrück war die Putzhilfe 1999 bei ihrer in Bonn lebenden Mutter Marie-Luise beschäftigt, die 2003 gestorben ist. Peer Steinbrück war wenige Monate zuvor Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen geworden, seine Familie war deshalb nach Bonn umgezogen.

Putzfrau dankt Familie Steinbrück

Da Gertrud Steinbrück durch ihre Berufstätigkeit und den Umzug stark belastet gewesen sei, habe ihre Mutter ihr "zum Einzug geschenkt, dass ihre Putzhilfe für ein halbes Jahr einmal in der Woche bei uns sauber machen sollte", sagte Gertrud Steinbrück der "Bild"-Zeitung. Die Putzhilfe sei danach für Peer Steinbrück tätig geworden.

Über die Bezahlung sagte Gertrud Steinbrück der Zeitung: "Ich zahlte sie für die bei mir abgeleisteten Stunden aus und rechnete das jeweils mit meiner Mutter ab." Bei der Putzhilfe handelte es sich um eine Philippinerin, die mit einem Gärtner der philippinischen Botschaft verheiratet gewesen sei. Nach Ablauf des vereinbarten halben Jahres wollte Gertrud Steinbrück demnach die Putzhilfe selbst übernehmen. Den angebotenen Arbeitsvertrag lehnte die Frau den Angaben zufolge aber ab, weil ihr Mann durch den Umzug der Botschaft nach Berlin seinen Job und die Familie damit den Aufenthaltsstatus verloren hätte.

Die Putzhilfe habe nur schwarz arbeiten können, wollte aber wegen ihrer sehbehinderten Tochter in Deutschland bleiben, sagte Gertrud Steinbrück der Zeitung und fügte hinzu: "Das hat mich sehr berührt. Dennoch habe ich ihr sagen müssen, dass ich sie natürlich nicht 'schwarz' beschäftigen könne. Als Trost habe ich ihr 500 DM geschenkt." Sie sei sich sicher, "damals sowohl für mich und meine Familie als auch für sie und ihre Familie das Richtige" getan zu haben, hieß es.

Die Philippinerin hat heute eine Aufenthaltsgenehmigung und lebt immer noch in Bonn. Sie bestätigte die Version der Steinbrücks: "Ich bin der Familie sehr dankbar; sie hat mich damals unterstützt."

nck/dpa/AFP

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insgesamt 152 Beiträge
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meinmein 07.09.2013
1. Egal
Das kann ihm und der SPD egal sein, die wollen sowieso nicht gewinnen. Die haben gar keine Lust, die Karre 2014 aus dem Dreck zu ziehen oder besser die Reste von der Wand abzukratzen gegen die Merkel unsere Republik fährt.
Prupur 07.09.2013
2. Jede Wette...
Jede Wette, dass der oder die Täter im linken Flügel der SPD zu finden sind. Fraglich nur, warum das gerade jetzt geleakt wird. Da hat Steinbrück das Blatt clever zu seinen Gunsten gewendet, könnte man meinen...
nepi 07.09.2013
3. Dreckkübeln mit Methode
Irgendwie war klar, dass man versucht so etwas ihm auch noch zu unterstellen. Ekelhaft, Wie der Anti-Wahlkampf gegen Steinbrück geführt wird. Eine einzige Dreckkübelei! Zum Glück ist er zur Polizei und hat die Geschichte nicht wieder versucht selbst zu "klären". Ich find es erschreckend, wie mit dem Mann umgegangen wird. Vor Jahren gefeiert als Experte und Politiker, ist er nun vielen offenbar unheimlich. Kein Wunder, die deutschen Wähler lassen sich offenbar gern einlullen und erklären, dass alles gut ist... Hingegen waere es genau jetzt wichtig jemanden zu haben, der Tacheless redet, handelt und keine Blasen redet!
Palmstroem 07.09.2013
4. Der falsche Kanditat
Zitat von sysopREUTERSErpressungsversuch im Wahlkampf: Mit Enthüllungen über eine angeblich schwarz beschäftigte Putzhilfe sollte offenbar Peer Steinbrück erpresst werden. Doch der Kanzlerkandidat geht zur Polizei - und mit seiner Version der Geschichte an die Öffentlichkeit. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-peer-steinbrueck-wegen-putzfrau-erpresst-a-920938.html
Wenn Peer Steinbrück diese Putzfrau beschäftigt hat, hätte er sie natürlich anmelden müssen. Dass er sie mit seiner Mutter abgerechnet habe, kann man glauben, ist aber rechtlich irrelevant. Es ist ja nicht das erstemal, dass Peer Steinbrück eine sonderbare Rechtsauffassung zeigt - West-LB Aufsichtsmandat, Redehonorare, Bettelbriefe an Großkonzerne, Entscheidungen im Thyssen-Aufsichtsrat - wenn man bedenkt, dass ein Bundespräsident wegen umstrittener 750 € zurücktreten musste, haftet Steinbrück ein G´schmäckle an , dass ein Kanzlerkanditat nicht haben sollte - schon gar nicht einer von der SPD!
sprechweise 07.09.2013
5. optional
"Die Putzhilfe habe nur schwarzarbeiten können,..." Dann verstehe ich nicht, wie das in dem 6 Monaten bei Steinbrücks legal ging. Das ist nicht konsistent
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