Struktur für SPD-Wahlkampf: Steinbrück bringt Ordnung in sein Team

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Die SPD-Zentrale setzt auf den Neuanfang: Nach fünf Monaten Durcheinander verpasst Kanzlerkandidat Steinbrück seiner Wahlkampfmannschaft erstmals eine Struktur. Im Willy-Brandt-Haus hoffen die Genossen auf das Ende von Pannen und Grabenkämpfen.

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück: Neuanfang in der Parteizentrale Zur Großansicht
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SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück: Neuanfang in der Parteizentrale

Berlin - Bei der Zeitungslektüre an diesem Montag dürften sich viele Genossen verwundert die Augen gerieben haben. Die politische Wochenendzusammenfassung liest sich in etwa so: Die SPD kriegt etwas hin und lässt auf einem Konvent die Bürger mitreden. Die Union kriegt nichts hin und streitet. Das ist normalerweise andersrum. Entsprechend fröhlich genießen die Sozialdemokraten den Augenblick.

Wie lange die Fröhlichkeit anhält, ist ungewiss. In dieser Partei und mit diesem Kanzlerkandidaten. Aber richtig ist schon, dass man Peer Steinbrücks jüngste Frotzeleien über zwei italienische Wahlsieger verhältnismäßig gut weggesteckt hat. Der Boulevard klatschte Steinbrück Beifall, das ist schon mal gut, vielleicht wird das ja doch noch was mit seiner Kandidatur.

Zu dem Hauch an Optimismus in der SPD passt, dass die Partei auch intern einen Neuanfang startet. Das Durcheinander in Steinbrücks Wahlkampfmannschaft soll endlich ein Ende finden. Der Kandidat hat - im Verbund mit Parteichef Sigmar Gabriel - der aus der SPD-Zentrale geführten Kampagne erstmals eine Struktur verpasst. Die Generalsekretärin hat die Mitarbeiter am Montagmorgen per E-Mail darüber informiert. "Hausmitteilung 1/2013, Kampa-Organigramm" ist ihre Nachricht überschrieben. Man wolle "jetzt noch eine Schippe drauflegen und konsequent auf Angriffsmodus umschalten", schreibt Andrea Nahles.

Der Schritt, mal ein bisschen Ordnung ins Team zu bringen, ist überfällig. Zuletzt blickte angesichts des Kompetenzwirrwars und der Grabenkämpfe im Willy-Brandt-Haus kaum noch jemand durch, der Personalrat rief deswegen kürzlich sogar eine Betriebsversammlung ein.

"Bestmögliche Voraussetzungen schaffen"

Die Lage stellt sich, grob gesagt, bislang in etwa so dar: Steinbrück hat ein paar Mitarbeiter mitgebracht, darunter seinen Wahlkampfchef Heiko Geue und seinen Sprecher Michael Donnermeyer. Diese wiederum haben Leute engagiert, die mit den teils seit Jahren in der Parteizentrale arbeitenden Vertrauten von Nahles und Gabriel konkurrieren. Alle fühlen sich für alles zuständig. Thema auf den Fluren des Willy-Brandt-Hauses sind nicht die Erfolgschancen des Kandidaten, sondern die Unzulänglichkeiten einzelner Kampagnenmitglieder.

Das soll sich nun ändern. Es muss schleunigst eine Art Gemeinschaftsgefühl her. "Wir alle müssen gemeinsam diese Kampagne vorantreiben und für unsere ehrenamtlichen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen", schreibt Nahles an die Mitarbeiter.

Es ist nicht so, dass die Neuordnung das Haus auf den Kopf stellen würde. Das Erstaunlichste an der Struktur ist, dass es fünf Monate gedauert hat, bis sie festgehalten wird. Man kann sagen, dass das Organigramm vor allem die Funktion hat, ein paar Selbstverständlichkeiten und Weisungsbefugnisse zu fixieren und so künftig Kompetenzgerangel zu vermeiden.

Gesichert ist zum Beispiel jetzt, dass Nahles die Chefin der gesamten Kampagne ist. Das ist zwar im Statut schon entsprechend geregelt, aber es kann ja nicht schaden, das noch einmal zu betonen. "Die Wahlkampfleitung liegt bei der Generalsekretärin", heißt es jetzt. Punkt.

Alle wollen sich künftig unterhalten

Leitungsfunktionen werden auch Geue (Kampagne Kanzlerkandidat) und Donnermeyer (Kommunikation Kanzlerkandidat) zugeschrieben. Zudem wird die Kampagne in drei Hauptsäulen gegliedert - den Online-Wahlkampf, die Organisation des Unterstützernetzwerks sowie die technische Wahlkampfleitung. Und damit sich die Stimmung auch wirklich verbessert, will man sich regelmäßig unterhalten. "Die Leiter 'Kampagne Kanzlerkandidat' sowie 'Kommunikation Kanzlerkandidat' und die Generalsekretärin stehen in ständigem Austausch miteinander", ist in dem Papier vorsichtshalber festgehalten. Das lässt erahnen, wie es bisher war.

Natürlich werden nicht alle in der SPD mit der Struktur zufrieden sein. Es finden sich ein paar Merkwürdigkeiten. Dass zum Beispiel Jessika Wischmeier für den wichtigen Bereich "Mobilisierung" zuständig ist, wird nicht jedem in der Partei gefallen. Wischmeier war einst Juso-Geschäftsführerin und bis vor kurzem Büroleiterin des Parteilinken Klaus Wowereit - beides Funktionen, die jemanden nicht unbedingt dafür empfehlen, an maßgeblicher Stelle für den pragmatischen Steinbrück zu arbeiten. Und dass Thorben Albrecht - ein kluger Kopf, der eigentlich die Abteilungsleitung für politische Planung bekleidet - sich künftig um "Demoskopie" kümmern soll, hält mancher Sozialdemokrat für eine Unterforderung.

Im Willy-Brandt-Haus weiß man: Guter Wille ist noch keine Garantie, dass auch alles flüssiger läuft. Ende Januar hatte man sich in kleiner Runde in die Hand versprochen, besser zusammenzuarbeiten. Geholfen hat es wenig. Und dann ist da noch Steinbrücks Temperament, das sich bisweilen ohnehin selten einer Struktur anpasst.

Aber guter Wille und ein bisschen Ordnung können im Wahlkampf nicht schaden. Schon gar nicht, wenn es nur noch gut sechs Monate sind bis zum Urnengang.

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1. Lächerlich!
Nabob 04.03.2013
Zitat von sysopDPADie SPD-Zentrale setzt auf den Neuanfang: Nach fünf Monaten Durcheinander verpasst Kanzlerkandidat Steinbrück seiner Wahlkampfmannschaft erstmals eine Struktur. Im Willy-Brandt-Haus hoffen die Genossen auf das Ende von Pannen und Grabenkämpfen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-ordnet-seine-wahlkampfmannschaft-a-886698.html
Wen interessiert schon, was auf den Fluren des Willy-Brandt-Hauses für Hauptthemen kursieren. Die SPD hat keine Führungspersönlichkeiten, was nützen denn da die Ideen auf den Fluren und ein Bollerkopf am Mikrophon?
2. Reicht das ??!
daslästermaul 04.03.2013
Zitat von sysopDPADie SPD-Zentrale setzt auf den Neuanfang: Nach fünf Monaten Durcheinander verpasst Kanzlerkandidat Steinbrück seiner Wahlkampfmannschaft erstmals eine Struktur. Im Willy-Brandt-Haus hoffen die Genossen auf das Ende von Pannen und Grabenkämpfen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-ordnet-seine-wahlkampfmannschaft-a-886698.html
Der SPD ist zugute zu halten, dass sie immerhin Verbesserungsbedarf erkannt zu haben scheint. Aber reicht das wirklich ??!: Hier ist der Kandidat das eigentliche Problem !!.
3. Guter und lange Winteschlaf.
prince62 04.03.2013
Zitat von sysopDPADie SPD-Zentrale setzt auf den Neuanfang: Nach fünf Monaten Durcheinander verpasst Kanzlerkandidat Steinbrück seiner Wahlkampfmannschaft erstmals eine Struktur. Im Willy-Brandt-Haus hoffen die Genossen auf das Ende von Pannen und Grabenkämpfen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-ordnet-seine-wahlkampfmannschaft-a-886698.html
Ich lach mich scheckig, nach "schon" 5 Monaten hat man in der SPD-Zentrale endlich gemerkt, daß es seit Monaten eh nur drunter und drüber geht, da haben Gabriel, Steinreich und Nahles ja einen guten Winterschlaf abgehalten. Aber mal im Ernst, wer wählt denn noch eine Partei, die den größten Sozialraub in der detuschen Geschichte zu verantworten hat und darauf auch noch immer stolz ist. Da werden die Honorare für die nutzlosen Vorträge des Herrn Kandidaten wohl in der Höhe stark nach Süden gehen!
4. Jetzt kommt die SPD in Fahrt!
agendaman 04.03.2013
Spät, aber nicht zu spät kommt die SPD in Fahrt. Bei all den von der schwarz-gelben Koalition ungeläösten Problemen ist die Chance für einen rotgrünen Wahlsieg weiterhin in Takt, zumal lediglich Angela Merkel von den Wählern positiv gesehen wird. In den einzelnen Politikfeldern ist das Erscheinungsbild der Regierung eher desaströs. Es bleibt auf jeden Fall sehr spannend bis zum Herbst!
5.
Cassandra105 04.03.2013
Zitat von sysopDPADie SPD-Zentrale setzt auf den Neuanfang: Nach fünf Monaten Durcheinander verpasst Kanzlerkandidat Steinbrück seiner Wahlkampfmannschaft erstmals eine Struktur. Im Willy-Brandt-Haus hoffen die Genossen auf das Ende von Pannen und Grabenkämpfen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-ordnet-seine-wahlkampfmannschaft-a-886698.html
Wäre es eine gewisse andere Partei würde hier stehen "Spitzenkandidat wütet in hinterhältiger Despoten-Manier in eigenen Reihen!!!" Statt man mal sowas hier behandelt: Die Philip Morris Story | NDR.de - Fernsehen - Sendungen A - Z - 45 Min (http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/minuten641.html) Da geht es auch (mal wieder) so richtig schön um Parteienbestechung.
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