Steinbrücks Kompetenzteam: Mann vom Bau, Frau fürs Web

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Eine Web-Expertin, ein Realpolitiker und ein Gewerkschafter alter Schule - mit den ersten Nominierungen seines Kompetenzteams bedient Peer Steinbrück die unterschiedlichsten Erwartungen. Ob das für die SPD die Wende bringt, ist fraglich. Vor allem die Berufung von IG-Bau-Chef Wiesehügel birgt Risiken.

Berlin - Das nennt man wohl Newcomerin. Gesche Joost steht im Atrium des Willy-Brandt-Hauses, sie soll etwas sagen zur Netzpolitik, dem Thema, das sie in Peer Steinbrücks Kompetenzteam repräsentieren soll, aber erst einmal muss sie schlucken. "Wow - die Hütte ist voll", sagt Joost. "Das ist meine erste Pressekonferenz, ich kenne sowas sonst selbst nur aus dem Fernsehen." Steinbrück grinst.

Der Kanzlerkandidat stellt an diesem Montag die ersten drei Mitglieder seines Kompetenzteams vor. Es ist alles mal wieder etwas rumpelig gelaufen, der Zeitplan für die Präsentation musste aufgrund einer Indiskretion kurzfristig über den Haufen geworfen werden. Aber jetzt stehen sie da. Steinbrück, Joost, Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel und Thomas Oppermann, der pragmatische Fraktionsgeschäftsführer. Links, rechts, modern. Der Kandidat glaubt, dass er mit seinen Leuten ein "breites Wählerspektrum" anspricht. Alles wird gut.

Mit der Berufung von Joost ist Steinbrück durchaus ein kleiner Coup gelungen. Die 38-Jährige ist eigentlich Kommunikationsprofessorin an der Berliner Universität der Künste, in den kommenden Monaten soll sie in Steinbrücks Team mal Politik probieren. Jung, weiblich, netzaffin - im Wahlkampf könnte das eine ganz gute Mischung sein, um dem mitunter etwas mittelalterlich wirkenden Steinbrück einen fortschrittlichen Anstrich zu geben.

Eine "eins plus" für Joost

Die Stichworte liefert sie gleich: "Open data" will Joost vorantreiben, den "digital divide" will sie bekämpfen, die "Netzneutralität" bewahren. Die drei Herren wirken da etwas orientierungslos, aber zum Glück versteht sich Joost nicht nur als Internetnerd. Netzpolitik, sagt sie, sei stets auch Gesellschaftspolitik. Joost hat große Pläne. Sie will über das Internet die Demokratie revitalisieren und das Netz innovationsfreudig machen. Dies könne man nicht den Märkten überlassen, es brauche politische Steuerung.

Da nicken die Spitzengenossen zustimmend. "Eine 'eins plus'" gibt der Kandidat dem Auftritt seiner Netzexpertin später.

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Steinbrücks Expertenteam: Kompetentes Trio
Inwieweit Joost dem Kandidaten wirklich wird helfen können, ist fraglich, so wie es fraglich ist, inwieweit die gesamte Mannschaft Steinbrück wird helfen können. Mit dem Kompetenzteam ist das immer so eine Sache. Man muss es haben, aber was es wirklich bringt, kann niemand sagen. Weil meist alle Welt nur darauf wartet, dass sich ein Mitglied des Teams danebenbenimmt, bergen solche Schattenkabinette auch immer ein Risiko. Besonders die von außen geholten Personen stellen in dieser Hinsicht eine gewisse Gefahr dar.

Bei Joost müssen sich die SPD-Strategen wohl weniger Sorgen machen als bei Klaus Wiesehügel. Die Berufung des Vorsitzenden der IG Bau wird in der Partei mit gemischten Gefühlen gesehen. Vielen Sozialdemokraten ist noch gut in Erinnerung, wie forsch Wiesehügel einst gegen die Reformpolitik von Gerhard Schröder mobilisierte und später gegen die Rente mit 67. Hartz IV verschärfe "die Tendenz zur Spaltung", schimpfte er. Mit der Agenda 2010 werde er "keinen Frieden" machen. Die Rente mit 67 "muss weg".

Wohin will die SPD politisch?

Ganz so martialisch kommentiert Wiesehügel die Reformen inzwischen nicht mehr. "Das ist zehn Jahre her", sagt er. "Wir sollten jetzt ein Stück weit nach vorne schauen." Er setzt ganz auf die SPD. Im September wird er nicht mehr für den Vorsitz der IG Bau kandidieren. "Hop oder top", sagt er. Arbeitsminister? Könne Wiesehügel auf jeden Fall werden, wenn er denn wolle, sagt Steinbrück. Es ist ein Freifahrtschein. Man wüsste gerne, was Andrea Nahles dazu sagt, die Generalsekretärin. Ihr wird nachgesagt, ebenfalls an diesem Amt interessiert zu sein.

Dass ausgerechnet Wiesehügel nun den Bereich der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik abdecken soll, ist strategisch ein heikler Fall, geht es doch immerhin um das für die SPD wichtigste Feld im Wahlkampf. Steinbrück glaubt, mit der Ernennung des Gewerkschaftschefs zeigen zu können, welch breite Schichten die Partei abdecken könne. Man kann es auch anders sehen: Die SPD stiftet mit Wiesehügel Verwirrung.

Dass der erklärte Agenda-Kritiker Wiesehügel und der erklärte Agenda-Fan Steinbrück jetzt gemeinsam Wahlkampf machen wollen, sorgt jedenfalls nicht unbedingt dafür, dass klarer erkennbar wird, wohin die SPD politisch will. Ist die SPD nun stolz auf Schröders Erbe, oder will sie sich weiter davon distanzieren? Steht Steinbrück nun für eine reformorientierte Politik, oder hat er den Mut verloren? Will die SPD in die Mitte vordringen, oder der Linkspartei das Wasser abgraben? Es sind Fragen, die vor allem jene stellen dürften, die Steinbrück gerne für die SPD gewinnen will: Familien, Selbständige, Kreative.

Wiesehügel und Steinbrück wollen ihre Differenzen ungern in den Mittelpunkt rücken. Als wichtigstes Projekt macht der Gewerkschaftschef an diesem Montag den Mindestlohn aus, da weiß er Steinbrück an seiner Seite. Auch in Sachen Rente mit 67 versuchen beide den Eindruck zu erwecken, als wollten sie in etwa das Gleiche.

Nur einmal, als Wiesehügel auf mögliche Korrekturen an der Agenda 2010 zu sprechen kommt, scheint Steinbrück ein wenig unglücklich mit seinem Mannschaftskameraden. "Wir müssen uns jeden einzelnen Punkt, der zu Fehlsteuerungen geführt hat, noch mal genau angucken", sagt Wiesehügel.

Da schaut Steinbrück, als wenn er sagen wolle: Ist gut jetzt, Klaus.

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1.
dongerdo 13.05.2013
Zitat von sysopEine Web-Expertin, ein Realpolitiker und ein Gewerkschafter alter Schule - mit den ersten Nominierungen seines Kompetenzteams bedient Peer Steinbrück die unterschiedlichsten Erwartungen. Ob das für die SPD die Wende bringt, ist fraglich. Vor allem die Berufung von IG-Bau-Chef Wiesehügel birgt Risiken. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück stellt Teil des Kompetenzteams vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-stellt-teil-des-kompetenzteams-vor-a-899476.html)
Und alle zusammen mit dem Charisma eines trockenen Stück Brots.... Eine am Reißbrett zusammengewürfelte "perfekte" kleine Zweckehe mit theoretisch möglichst maximalem Wähler- bei minimalem Aneckpotential. Ich sehe das Flipchart-lastige Meeting wo das entschieden wurde vorm inneren Auge. Mein Gott, was hat der Mann für Berater.....
2. Was?
Inselbewohner 13.05.2013
Zitat von sysopEine Web-Expertin, ein Realpolitiker und ein Gewerkschafter alter Schule - mit den ersten Nominierungen seines Kompetenzteams bedient Peer Steinbrück die unterschiedlichsten Erwartungen. Ob das für die SPD die Wende bringt, ist fraglich. Vor allem die Berufung von IG-Bau-Chef Wiesehügel birgt Risiken. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück stellt Teil des Kompetenzteams vor - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-stellt-teil-des-kompetenzteams-vor-a-899476.html)
Politiker - Kompetenz und dann auch noch Team? Ich hau mich weg, die SPD will auf vielen Hochzeiten tanzen wie immer und merkt gar nicht was läuft in diesem Land. Wenn man eines bei der SPD festellen kann ist, wenn sie erst einmal gemerkt hat wie mans nicht macht machen sie es immer wieder. Gruß HP
3. und was ist mit Oppermann ???
berti1947 13.05.2013
in einer kürzl. ausgestrahlten Talkshow(Lafontaine war auch da) durfte O jeglichen Blödsinn über Bezuüge Winterkorn und VW AG unwidersprochen verbreiten-In Steuerfragen Inkompetent hoch 2.Für was steht denn dieser Jurist mit dem dauerironischen Grinsen?????
4. Nun hat Herr Steinbrück neben Gabriel und Nahles noch..
analyse 13.05.2013
Herrn Wiesehügel der ihm sine gewünschte Beinfreiheit umschnürt ! Der "Klartextredner" ist ruhiggestellt! Erhellend war das Thema beim Presseclub : Wozu brauchen wir die SPD überhaupt noch ?? Ich meine:wir bräuchten sie sehr wohl,wenn sie sich eindeutig von den "GRÜNEN" distanzieren würden,die so gar nicht zur SPD passen ! Merken die das garnicht? Bitte mal wieder grundsätzlich denken und nicht nur auf Wählerstimmen schielen !
5. Dann kann Wieshügel
gloobaas 13.05.2013
die Hartzer Verbrecher ja direkt in der SPD bekämpfen. Der IG Mauer + Bauer, ist der Mann sauer. Auf den Baustellen ist Dank der Politik kaum noch ein deutscher Arbeiter zu sehen und Mitglieder aus dem Bausektor hat diese Gewerkschaft kaum noch (255.000 ohne Dateileichen). Nur noch Agar und Forsten. In der SPD sieht es ähnlich aus. Kaum noch Mitglieder (255.000 ohne Dateilleichen). Nur Rentner und Lehrer. Wahlsieger sehen anders aus. Und die Frau Professorin Jost hat noch nicht einen einzigen Tag in der EDV gearbeitet. Kompetenz sieht anders aus als ein paar wichtig vorgetragener denglischer Schlagworter, die darüber hinaus schon veraltet sind und nie eine wirkliche Bedeutung hatten.
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