Steinbrück gegen Merkel Das Duell ist eröffnet

Peer Steinbrück fordert Angela Merkel heraus. Die Kanzlerin und ihre Partei nehmen es demonstrativ gelassen - doch hinter den Kulissen macht sich Unruhe breit: Der SPD-Kandidat könnte für einen spannenden Wahlkampf sorgen. Und in der FDP träumt mancher schon von der Ampel.

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dapd

Berlin - Ob sie Angst vor einem Herausforderer Peer Steinbrück habe, wurde Angela Merkel jüngst gefragt. "Angst ist nie ein politischer Ratgeber", hat die Kanzlerin gesagt. Die SPD werde ihre Entscheidungen treffen. "Dann werden wir die normale Auseinandersetzung machen. Bis dahin haben wir noch viel zu tun." Steinbrück, Steinmeier, Gabriel? Mir doch egal, das war die Botschaft, ich muss mich um das Land kümmern. Selbstzufrieden blickte Merkel auf die Kandidatenfarce bei den Genossen, getragen von grandiosen Popularitätswerten.

Jetzt hat die SPD ihre Entscheidung getroffen: Peer Steinbrück wird tatsächlich für die Sozialdemokraten ins Rennen gehen. Und Merkel wird diese Entscheidung doch mehr bewegen, als sie offen zugeben würde. Denn die "normale Auseinandersetzung", die sich die derzeit so unangefochtene Amtsinhaberin vorstellte, die wird es mit Steinbrück nicht geben. Statt kuscheln ist für Merkel nun kämpfen angesagt, denn Steinbrück stellt die Bürger im September 2013 vor eine echte Wahl: sie oder ich.

Von Merkel selbst ist am Freitag zunächst kein Wort zu ihrem Herausforderer zu vernehmen. Die Kanzlerin tritt am Vormittag bei einem Kongress internationaler Unternehmerinnen auf, spricht über Frauenquote und Betreuungsgeld. Später noch ein Auftritt bei einer Konferenz der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft - Routine. Ihren Regierungssprecher lässt sie ausrichten, sie werde sich jedem Kandidaten stellen. Vorlieben habe sie eh keine gehabt. Demonstrative Gelassenheit.

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SPD-Politiker Steinbrück: Die Karriere des Kandidaten
Tatsächlich aber macht sich hinter den Kulissen Unruhe breit. Wochenlang hatten sich die Christdemokraten darauf eingestellt, es mit Frank-Walter Steinmeier zu tun zu bekommen. Den, so das Kalkül im Unionslager, hätte der Wähler als natürlichen Vizekanzler in einer nicht unwahrscheinlichen Großen Koalition wahrgenommen. Eine echte Gefahr sah man in ihm nicht.

Steinbrück dagegen nimmt man als echten Gegner wahr - und ernst. Die CDU-Strategen wissen: Auch wenn er in den demoskopischen Direktvergleichen derzeit noch weit hinter Merkel liegt - Steinbrück genießt einen guten Ruf im Volk, er ist ein guter Redner, verbindet Seriosität mit Aggressivität. Und er ist ähnlich wie Merkel ein Pragmatiker, der auch die Wähler der Mitte anspricht - was für Union und FDP gleichermaßen gefährlich ist. Hinweise darauf, dass sie auch mit ihm als Bundesfinanzminister gut zusammengearbeitet hat, helfen Merkel nicht. Denn Steinbrück hat längst klar gemacht: Unter einer Kanzlerin Merkel würde er nicht noch einmal ins Kabinett einziehen. Kanzler oder gar nichts, heißt sein Motto.

Also noch einmal alles auf Schwarz-Gelb? Offiziell hat Merkel die Neuauflage der Koalition als Ziel ausgegeben, doch dafür muss sie auf ein Wiedererstarken der schwächelnden FDP hoffen. Tatsächlich aber könnten sich dank Peer Steinbrück die Auflösungstendenzen in der Regierungskoalition im verbleibenden Jahr der Legislaturperiode eher noch verstärken.

Denn mancher Liberale, der von der schwarz-gelben Ehe enttäuscht ist, erkennt in dem SPD-Kandidaten neue Bündnisperspektiven. Offen spricht das am Freitag vorerst nur FDP-Solotänzer Wolfgang Kubicki aus. "Ich glaube, dass Peer Steinbrück für die FDP neue Optionsräume eröffnet", sagt der Fraktionschef aus Schleswig-Holstein, ein alter Weggefährte Steinbrücks. Auch Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel hatte zuletzt laut über eine Ampel nachgedacht. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle lehnt das am Freitag ab. Immerhin sagt er über Steinbrück: "Das ist ein respektabler Mann."

Schwarz-Gelb sucht nach Angriffspunkten

In der CDU setzt man nun darauf, dass der Schwung, den die SPD aus dem Befreiungsschlag in der K-Frage mitnehmen dürfte, bald wieder verpufft. Gerne verweist man auf die Erkenntnisse von Meinungsforschern, dass es keine Wechselstimmung im Land gibt - zumindest, was das Kanzleramt betrifft. "Die Euphorie wird bald wieder verflogen sein", so die Hoffnung in Unionskreisen. Zwar versammelt sich die sozialdemokratische Basis an diesem Freitag hinter dem Kandidaten. Doch dass gerade die SPD-Linke mit Steinbrück fremdelt, ist kein Geheimnis. Ein rot-grüner Lagerwahlkampf, glaubt man in Union und FDP, wird Steinbrück schwerfallen.

"Er wird Schwierigkeiten haben, die SPD-Basis zu mobilisieren", sagt CDU-Präsidiumsmitglied Philipp Mißfelder. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn meint: "Immer da, wo er mal Recht hat, sieht es seine Partei meist anders." Auch FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr sieht genug Stoff für Zoff: "Die SPD täuscht bisher die Wähler. Herr Steinbrück verkörpert nicht das SPD-Programm. Dauerkonflikte sind absehbar. Während Herr Steinbrück für die Schröder-Politik steht, wandert das SPD-Programm wie zuletzt bei der Rente wieder nach links."

Als mögliche Angriffspunkte hat Schwarz-Gelb Steinbrücks Glaubwürdigkeit ausgemacht. "Peer Steinbrück steht für eine Finanzpolitik, die der SPD heute selbst peinlich ist", sagt FDP-Finanzexperte Volker Wissing. Seine Steuererhöhungen für die Arbeitnehmer und die Milliardenhilfen für Banken sind kein Ruhmesblatt für die Sozialdemokratie." FDP-Generalsekretär Patrick Döring stichelt: "Der Partei- und der Fraktionsvorsitzende der SPD trauen sich die Kandidatur nicht zu. Nun wurde ein bekannter Buchautor verpflichtet. Dessen Haltung zu den Fragen dieser Zeit ist unklar. Als Finanzminister hat er die Banken dereguliert, nun will er sie verstaatlichen. Er hat für diese Wahlperiode 90 Milliarden mehr Schulden geplant als wir jetzt gemacht haben. Und er wirbt nun für Eurobonds statt für Stabilität und Solidität. " Doch verspricht der Liberale: "Das wird ein fairer Wahlkampf, bei dem wir uns vor früheren inhaltlichen Gemeinsamkeiten nicht scheuen und aktuelle Widersprüche zur FDP herausarbeiten werden."

In der Union wird ebenfalls auf die vermeintlich "miserable Bilanz" Steinbrücks als Finanzminister und Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen verwiesen. Auch will man ihm vorhalten, dass er in der Euro-Krise laut über die Vergemeinschaftung von Schulden nachgedacht hat - was beim Wähler nicht besonders gut ankommt. Und dann sind da noch die Banken: Steinbrück will große Kreditinstitute zurechtstutzen. "Wir werden ihn fragen, wie das mit seinen hochdotierten Vorträgen vor Bankern zusammenpasst", sagt ein Unionsmann.

Sie wollen nicht auf Steinbrücks Angriffe warten, sie wollen den Gegner selber reizen, so viel ist klar. "Seine größte Schwäche ist seine Arroganz", glaubt ein Unionsstratege. In zwölf Monaten ist Bundestagswahl. Das Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück ist eröffnet.

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BauIng 28.09.2012
1. Die FDP
träumt von der Ampel? Die FDP sollte mal schön eine Legislaturperiode Ferien haben. Ich kann nur jeden Bürger dieses Landes aufrufen wählen zu gehen. Selbst wenn dann die üblichen 5% der bisherigen Wählermenge die FDP wählen (und dafür höchstwahrscheinlich in die Hölle kommen) dann werden aus 5% schnell weniger!!
TangoGolf 28.09.2012
2. Mag sein...
Zitat von sysopdapdPeer Steinbrück fordert Angela Merkel heraus. Die Kanzlerin und ihre Partei nehmen es demonstrativ gelassen. Doch hinter den Kulissen macht sich Unruhe breit: Der SPD-Kandidat könnte für einen spannenden Wahlkampf sorgen. Und in der FDP träumt mancher schon von der Ampel. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-warum-merkel-ihn-fuerchten-muss-a-858564.html
...vielmehr sind sie aber die beste Besetzung für eine große Koalition. Die beiden werden sich mögen (und tun es bestimmt schon)!
inqui 28.09.2012
3. was für ein Duell?
Zitat von sysopdapdPeer Steinbrück fordert Angela Merkel heraus. Die Kanzlerin und ihre Partei nehmen es demonstrativ gelassen. Doch hinter den Kulissen macht sich Unruhe breit: Der SPD-Kandidat könnte für einen spannenden Wahlkampf sorgen. Und in der FDP träumt mancher schon von der Ampel. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-kanzlerkandidat-steinbrueck-warum-merkel-ihn-fuerchten-muss-a-858564.html
der Wahlkampf wird nur von den Medien künstlich aufgebauscht damit das Stimmvieh was geboten kriegt. Die ganze Wahl können sie sich schenken und CDU/SPD direkt Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Fakt ist und bleibt damit: Merkel bleibt bis 2017 alternativlos
hasenmann123 28.09.2012
4. Altherrenverein SPD!
Schade dass die SPD keine beliebten weiblichen Kandidaten hat: Außer der unbeliebten Frau Nahles ist es da mit den Frauen nicht so weit her... Die CDU könnte frau Merkel auch durch Frau von der Leyen austauschen und sie würden immernoch gegen die altmodische Männerbande SPD gewinnen!
voelligharmlos 28.09.2012
5. Ich lach micht tot.
DER soll es werden? Das glaubt doch kein Mensch. gerade wird er noch mit einer (Schachturnier) Affäre in Verbindung gebracht, die andere zum Rücktritt zwingen würde, und jetzt soll er Kanzlerkandidat werden? .
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