SPD Parteichef Gabriel schließt Verzicht auf Kanzlerkandidatur nicht aus

Bei seiner Wiederwahl zum SPD-Chef straften die Genossen Sigmar Gabriel ab. Nun redet er über die Kanzlerkandidatur - und dass es manchmal besser sei, den eigenen Ehrgeiz zurückzustellen.

SPD-Vorsitzender Gabriel: "Wenn es bessere Kandidaten gibt", sollte ein Parteichef "auch den Mut haben, die eigenen Ambitionen zurückzustellen"
DPA

SPD-Vorsitzender Gabriel: "Wenn es bessere Kandidaten gibt", sollte ein Parteichef "auch den Mut haben, die eigenen Ambitionen zurückzustellen"


Fordert Sigmar Gabriel Angela Merkel heraus? Bis zum SPD-Parteitag im Dezember waren sich die Beobachter einig, dass alles auf den Vorsitzenden Gabriel als Kanzlerkandidaten hinausläuft.

Er hat weiterhin das erste Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur. Aber die Frage ist, ob der Sozialdemokrat aus Goslar überhaupt noch antreten will - zumal er dies aus der ungünstigen Position des Vizekanzlers heraus machen würde. Eine Niederlage gegen Merkel, der nachgesagt wird, dass sie wieder antreten wird, würde Gabriel als SPD-Parteichef erheblich beschädigen.

Gabriel hält sich seine Entscheidung weiterhin offen. "Jeder Vorsitzende einer großen Partei muss sich für geeignet halten, auch Kanzler unserer Republik zu werden", sagte Gabriel nun der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Sonst sollte er nicht Vorsitzender werden."

Um dann aber klarzustellen, dass in dieser Sache keinen Automatismus gebe: "Wenn es bessere Kandidaten gibt", sollte ein Parteichef "auch den Mut haben, die eigenen Ambitionen zurückzustellen", sagte Gabriel. Eine Entscheidung werde die SPD erst dann treffen, wenn es an der Zeit sei. Sonst gebe es 2016 das ganze Jahr einen vorgezogenen Bundestagswahlkampf.

Inhaltlich kündigte Gabriel an, er wolle seinen Kurs ungeachtet des schlechten Wahlergebnisses bei seiner Wiederwahl als Parteichef konsequent fortsetzen. "Am Ende sind 75 Prozent für das Richtige besser als 100 Prozent für das Falsche", sagte er mit Blick auf sein Abschneiden auf dem SPD-Parteitag. Gabriel wird von SPD-Linken ein zu wirtschaftsfreundlicher Kurs vorgeworfen. Auch werden ihm die anhaltend schwachen Umfragewerte der Partei angelastet, sie liegen seit Monaten bei rund 25 Prozent.

Viele Wähler halten eher Außenminister Frank-Walter Steinmeier als SPD-Kanzlerkandidat geeignet: Nach einer Umfrage von Infratest Dimap waren Anfang Dezember 44 Prozent der Befragten der Meinung, dass Steinmeier der beste SPD-Bewerber um das Kanzleramt ist. Nur 17 Prozent sind für Gabriel. Sieben Prozent plädieren für SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, fünf Prozent für Arbeitsministerin Andrea Nahles.

Steinmeier war bereits bei der Bundestagswahl 2009 als SPD-Kanzlerkandidat angetreten. Unter seiner Führung erzielten die Sozialdemokraten mit 23 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl, sie mussten daraufhin in die Opposition gehen. 2013 war der Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück als Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gescheitert. Er holte bei der Bundestagswahl für die SPD 25,7 Prozent der Stimmen.

heb/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
kenterziege 05.01.2016
1. Aussichtsloser Wettlauf
Weshalb soll man sich in einen aussichtslosen Wettlauf begeben, wenn man einen anderen Dummen findet. Es ist ja der Parlamentspräsident der EU im Gespräch. Wohlan! Was sagte Herr Albig (SPD) so schön: Es lohnt gar nicht für die SPD einen eigenen Kandidaten aufzubauen. Frau Merkel macht das schon. Ob das 2017 noch der Fall ist, sei dahingestellt!
icke_werner 05.01.2016
2. Er weiß warum
Die SPD wird meiner Meinung nach in den nächsten Jahren nicht gerade massive Stimmengewinne machen. Das weiß auch Gabriel. Bei der Bundestagswahl müßte er dann das vorraussichtliche Wahldebakel verantworten. Da erklärt man sich schon mal im voraus.
garfield53 05.01.2016
3. mmm
Und wann bittet Siechmar um die Übernahme durch die CDU. Da der Unterschied bei allen westdeutschen Parteien nur sehr geringfügig ist, sie durch jahrelange Koalitionen inhaltlich und programmatisch sich unterschiedslos angenähert haben, könnte aus rein wirtschaftlichen Gründen eine "Christlich-sozialdemokratisch-grüne Union" gegründet werden. Da der Wille des Volkes aufgrund der ständig sinkenden Wahlbeteiligung sowieso keine Rolle spielt und die "gewählten" Abgeordneten nur sich selbst und ihren Sponsoren verpflichtet sind, wäre das die kostengünstigste Lösung. Da in der Unionsparteien,die Grünen und der SPD irgend welche politischen Hemmungen sowieso abhanden gekommen sind, eventuelle "Altmitglieder" welche aus politischen und programmatischen Gründen früher mal Mitglied wurden, biologisch in den nächsten Jahren abgebaut werden, muß nicht mehr der "Schein" einer politischen Vielfalt länger vorgetäuscht werden, da die derzeit Regierenden nur den Interessen der Wirtschaft verpflichtet sind, quer durch alle 4 Parteien, wie die jährlichen offiziellen Geldspenden belegen. Um die Masse der politisch desinteressierten Bevölkerung Unterhaltung zu bieten, werden derzeit rechtspopulistische und nationalisitsche Splitterparteien und Gruppen medial aufgewertet und ihre Bedeutung absichtlich vergrößert. Da in der Medienlandschaft "polnische" Verhältnisse zementiert sind, kommen politische, gar linke oder außerparlarmentarische Alternativen kaum vor oder werden klein geredet oder ganz verschwiegen. Wie eingangs erwähnt, die SPD ist überflüssig.
fortelkas 05.01.2016
4. Gabriel zweifelt
Das darf er auch, das ist ja auch menschlich. Viel wichtiger als die Diskussion um Personen ist aber doch die Diskussion um das politische Profil, wofür steht die SPD denn noch, wo sind die entscheidenden politischen Grundwerte, die sie von den anderen Parteien unterscheidet und wählbar macht. Das Geschwätz von der politischen "Mitte" führt nicht weiter, gibt es diese Mitte noch, hat es sie je so gegeben? Erst wenn die entscheidenden politischen Profilfragen geklärt sind, kann über Personen entschieden werden. Erwin Fortelka
klyton68 05.01.2016
5. Ah,
hieß es nicht noch neulich er sei designierter Kanzlerkandidat? Ist TTIP schon unterschrieben? Und nun Bescheidenheit. Schnüff, toll! Ja, die SPD. Nun verneigt er sich vor dem Amt. Ist auch angemessen. Geht ja wieder gut los. Der König von Tonga und Staatsoberhaupt flog gern nach D, um mal Schnee zu sehen. Bei Gabriel habe ich das Gefühl, dass es ähnlich ist. Das sollte dann doch Steinmeier besser machen. Auf Helmut Schmidt mit dem Steinbrück hat ja niemand gehört. Sie werden dich zwingen, Siggi. Ist ja keiner sonst da. Der Stegner verliert sich auch nur in Relativitäten. Und wieder wird Merkel gewinnen. Spätestens dann wandere ich aus. O tempora o mores. .
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.