SPD-Krise Juso-Chef Kühnert wirft Parteispitze Planlosigkeit vor

"Wir haben keine gemeinsame Linie": Juso-Chef Kevin Kühnert vermisst eine Gesamtstrategie der SPD-Spitze. Er sei, sagt er dem SPIEGEL, bisweilen "fassungslos".

Kevin Kühnert
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Juso-Chef Kevin Kühnert geht hart mit der SPD-Führung ins Gericht. Die Partei habe derzeit keine "Gesamtstrategie", beklagt Kühnert in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL.

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Heft 24/2018
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"Es gibt bei uns zwar einzelne Leute, die jeweils mit ihrer eigenen Strategie durch die Gegend laufen, aber wir haben keine gemeinsame Linie. Und wir versäumen es, uns darüber auseinanderzusetzen und eine Linie zu finden." Dies mache ihn manchmal "fassungslos", so Kühnert. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte bei SPIEGEL+.)

"Mir schreiben momentan so viele Leute, die seit Jahren Mitglied sind, die aber nicht wissen, was sie in dem Laden noch sollen", sagt der Juso-Chef. "Irgendwann kommt der Punkt, an dem der Faden zu diesen Leuten endgültig reißt. Und der ist nicht mehr weit weg."

Im anstehenden Prozess der SPD-Erneuerung soll Kühnert eine Rolle spielen und mithelfen, inhaltliche Vorschläge für die Zukunft der Partei zu entwickeln. Er beobachte allerdings "mit einer gewissen Sorge, dass die Leute, egal was unsere Parteispitze gerade sagt oder erklärt, nicht mehr zuhören", so Kühnert. "Dass sie Vorschläge schon allein deshalb ablehnen, weil sie von uns kommen."

Der SPIEGEL hatte Kühnert über mehrere Wochen begleitet. Das komplette Porträt lesen Sie ab 18 Uhr bei SPIEGEL+.

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mostly_harmless 08.06.2018
1.
Steinbrück hat schon 2013 nach der Wahlniederlage gesagt, dass die SPD eine schonungslose Analyse der Ursachen der Stimmverluste machen muss. Das ist immer noch nicht passiert. Und solange das nicht passiert, kann auch keine gemeinsame Strategie entwickelt werden. Ich vermute, die Parteirechte in der SPD (aka Seeheimer Kreis) hat kein Interesse daran, wenn sie als Schuldige für den Niederrgang genannt wird. Dann lieber weiterwurschteln bis zum Ende.
rilepho 08.06.2018
2. Man muss Kevin Kühnert recht geben
Nach all den Aussagen der SPD-Spitze zum zwar gezwungenen Eintritt in die GroKO kann man bisher diese angekündigte Erneuerung und das unbedingte Einhalten gewisser Standpunkte bei der SPD einfach nicht erkennen. Am meisten Schwierigkeiten bereitet mir Finanzminister Olaf Scholz. Er beherrscht inzwischen meisterhaft die Verhaltensweise von Frau Merkel: Keine Emotionen, ich sage nichts, Versprechungen von gestern verpflichten mich nicht. Hierzu nur ein Themenpunkt: Mütterrente will die SPD auf Keinen Fall den Beitragszahlern der Gesetzlichen Rentenversicherung aufbürden! Und, Herr Scholz, wieso gilt das nicht mehr?
Howard Brubaker 08.06.2018
3. Wie wär's denn mal mit richtiger Arbeit?
Tut mir echt leid, dass die SPD so gar keine Gesamtstrategie (allein das ist schon ein herrlicher Begriff) hat und Kevin Kühnert "fassungslos" ist. Ich bin eher fassungslos darüber, dass Kevin Kühnert schon 28 (da denken Profi-Fussballer langsam an den Ruhestand) ist und immer noch an der Uni rumstudiert (übrigens auf Kosten von Leuten die arbeiten gehen und Steuern zahlen). Vielleicht könnte man in der SPD unter dem Kapitel "Solidarität" mal beschließen, dass Langzeitstudenten wie Kühnert, Nahles (20 Semester Theaterwissenschaften) und Annen (32 Semester was weiß ich mit oder ohne Abschluss) nicht geeignet sind, für echte Arbeitnehmer zu sprechen. Also los SPD - wo ist euer Antrag? Ihr seid doch für die "kleinen Leute"....
flux71 08.06.2018
4.
Da hat der KeKü ja mal Recht. Bislang hat er ja nur aufgewiegelt und zur Spaltung innerhalb der Partei aufgerufen, statt was gemeinsames auf die Beine zu stellen. Jetzt beklagt er, dass es das nicht gäbe. Wenn er aber davon spricht, dass der Faden abreißt zu denjenigen, die auf unterster, lokaler Ebene ehrenamtlich die Fahne der SPD hoch halten, zu denen, die dann sagen "Wozu das alles?", dann sollte er vielleicht sich mal einen fremden Ortsverein, eine SPD-Fraktion in einer Stadtvertretung oder so etwas genauer ansehen. Das sind doch die, die arbeiten und die man motivieren muss! Es interessiert dann auch das Gender-Sternchen nicht. Das ist völliger Nonsens. Auch die Parteienfinanzierung ist völlig uninteressant. Das sind Fettnäpfchen, in die die SPD-Bonzen die SPD vor Ort mit hineinzieht. Und so geht's erst recht kaputt. Trotzdem bleibt richtig: Eine Gesamtstrategie fehlt. Aber wo ist sie denn? Das bleibt der liebe Herr KeKü wieder einmal schuldig. Und darin unterscheidet er sich in keinerster Weise von Nahles oder Scholz. Er sollte vielleicht mal nicht so viel reden, sondern statt dessen besseres.
tiger56 08.06.2018
5. Der Fisch stinkt vom Kopf her!
... u. ob die „Jungen“ die Machtzentrale überhaupt erreichen hatte ich gehofft - was sich jedoch für mich darstellte - ist ein Weiterso. Gefühlt könnte nach Jahren der GroKo - ebenso CDU Mitglied sein. Ich erinnere 44% hatten sich dagegen entschlossen. Die Konsequenz war jetzt der Austritt.
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