SPD-Mitgliederentscheid Gabriels Durchmarsch

Das klare Votum der SPD-Basis für die Große Koalition ist ein Erfolg für die Partei und ihren Chef. Für den Frieden in dem Regierungsbündnis verheißt das trotzdem nicht viel Gutes.

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Meine Güte, na endlich. Lange, viel zu lange hat die SPD die Republik mit ihrem basisdemokratischen Selbstfindungsexperiment namens Mitgliederentscheid gequält. Nichts gegen Mitgliederentscheide, ab und an wirkt das wirklich belebend. Aber ganz ehrlich: Sie sollten bitte nicht zur Regel werden. Ein bisschen unkomplizierter und flotter darf es schon gehen beim Regieren hierzulande.

Natürlich ist der Ausgang gut für das Land. Vor allem ist er aber ein Segen für die SPD und Sigmar Gabriel, ihren Chef. Die Sozialdemokraten sind nach Monaten der Demütigungen und Trübsal nun wieder stolz und selbstzufrieden. Gabriel hat den Entscheid mit Kraft und Klugheit durchgesetzt, einen stärkeren SPD-Chef hat es lange nicht gegeben. Er führt, die Partei folgt.

Doch es steckt auch viel Übermut in dem Jubel dieser Stunden. Mit dem 75-Prozent-Ergebnis und mit einem rot eingefärbten Koalitionsvertrag in der Tasche führen sich die Genossen auf wie die eigentlichen Sieger dieser Bundestagswahl. Im Rausch sollten sie sich zwischendurch immer wieder einmal das Ergebnis vom 22. September anschauen, da bekam die SPD magere 25 Prozent Zustimmung zu ihren Köpfen und ihrer Programmatik. Allein das zählt.

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SPD-Mitgliederentscheid: Genossen bejubeln Schwarz-Rot
Es wird an Angela Merkel liegen, die Genossen beizeiten daran zu erinnern, dass es auch noch andere Wähler in diesem Land gibt als die Mitglieder der SPD. Und: Wenn Deutschland in der Zukunft fit bleiben will, braucht es mehr als nur die Umsetzung von Ideen, die der SPD-Basis schmecken.

Wird Angela Merkel das gelingen? Die Kanzlerin steht nun einem SPD-Chef gegenüber, der es in Sachen Selbstbewusstsein und politischem Geschick durchaus mit ihr aufnehmen kann. Gabriel wird Merkel seine neue Macht spüren lassen. Zudem erscheint fast sicher, dass er der nächste Kanzlerkandidat der SPD wird. Offiziell werden sich Merkel und Gabriel als gute Kollegen inszenieren, doch gleichzeitig bahnt sich in der Koalition ein Konkurrenzverhältnis an, das nicht wirklich vertrauensbildend wirken wird.

Angela Merkel sitzt im Kanzleramt, doch wer in dieser Koalition Koch ist und wer Kellner, ist längst nicht ausgemacht.

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insgesamt 217 Beiträge
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ichsagsja 14.12.2013
1. Sozialverräter
Die verschenken sogar ihre Bundesratsmehrheit an die Schwarzen. Wer in den letzten Jahren in den Ländern SPD gewählt hat wird hier übel verarscht. Wer hat sich selbst verraten? Sozialdemokraten! Die Staatstragenden Versager.
erich21 14.12.2013
2.
nun lasst sie doch erst mal machen. vielleicht kommt doch so etwas wie eine grundlegende foederalismusreform dabei raus,! 80% muessen doch auch einen sinn haben. vielleicht nur den, dass 8 Schulatlanten ausreichen und kein mensch 16 braucht.
statler&waldorfmuppets 14.12.2013
3. Siegesgefühle
sind durchaus angebracht....die SPD hat angesichts ihrer wenigen Wählerstimmen extrem viel erreicht und eine rote GroKo initiiert. Merkel hat eigentlich alle Positionen kampflos aufgegeben um Kanzlerin zu bleiben.
analysatorveritas 14.12.2013
4. Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit!
Die Stunde der Wahrheit dürfte für die SPD bei den nächsten Wahlen kommen. Mutti's Umarmungen werden ihre Spuren hinterlassen, die SPD fungiert nur noch als Anhängsel der CDU. Hauptsache, man ist an den Schalthebeln der Macht oder man glaubt es zumindest; man kann lukrative Posten besetzen. Was nach vier Jahren groKo noch von den Sozialdemokraten übrig sein sollte, ist dann kaum mehr wahrnehmbar. Ein Kapitel wird zu Ende gehen, aber was soll's? Eigentlich nicht schade, zeitlich überholt und zu sehr auf Funktionärsdenken programmiert. Der klägliche Rest kann der CDU beitreten. Dürfte dann keinem mehr auffallen.
blunderbuster 14.12.2013
5. Frischzellenkur für die SPD
Mehr Demokratie gewagt und gewonnen: Die Partizipation der Basis – wie bei den Grünen - macht eine verzagte SPD putzmunter ! Und demaskiert damit die Schwarzen als altbackenen Kanzlerinnen-Wahlverein.
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