NRW-Wahlerfolg SPD-Linke will Kraft als Kanzlerkandidatin

Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier rangeln um die SPD-Kanzlerkandidatur. Doch jetzt bekommt die Troika Konkurrenz: NRW-Wahlsiegerin Hannelore Kraft soll den Job übernehmen, fordern Parteilinke im SPIEGEL.

SPD-Politikerin Kraft: Hoffnungsträgerin für die Bundestagswahl
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SPD-Politikerin Kraft: Hoffnungsträgerin für die Bundestagswahl


Hamburg - Nach dem Wahlerfolg bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen wird der Ruf nach einer Kanzlerkandidatin namens Hannelore Kraft in der SPD immer lauter. "Hannelore Kraft hätte als SPD-Kanzlerkandidatin sehr gute Chancen", sagt die Vizechefin der SPD-Bundestagsfraktion, Elke Ferner, dem SPIEGEL.

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Heft 21/2012
Neid und Niedertracht in der Politik

Auch die Vorsitzende der Parteilinken, Hilde Mattheis, wünscht sich für die Bundestagswahl 2013 eine Kanzlerkandidatin Kraft: "Vom Typ her wäre Hannelore Kraft imstande, Angela Merkel zu schlagen." Auch inhaltlich müsse die SPD vom jüngsten Wahlerfolg lernen, heißt es bei den Sozialdemokraten.

"Hannelore Kraft hat demonstriert, dass man mit einem anderen Kurs als nur mit Konsolidierung Wahlen gewinnen kann", sagt die Parteilinke Mattheis. "Das Thema Entschuldung, das einige Leute in der SPD wie eine Monstranz vor sich hergetragen haben, ist ganz offensichtlich kein Thema, das viele Menschen berührt", sagt Juso-Chef Sascha Vogt. Krafts Politik sei ein "Modell, das uns finanzpolitisch aus der Defensive führt", sagt der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner.

Kurt Beck: "Konsolidierung allein reicht nicht"

Hannelore Kraft hatte ihre Finanzpolitik unter das Dogma "präventive Politik" gestellt und damit gemeint: Es ist günstiger und gerechter, sich jetzt Geld für soziale Weichenstellungen zu leihen, als künftig die gesellschaftlichen Reparaturkosten aufzubringen. Ihr Weg ist damit auch ein Gegenkonzept zum allgemeinen Spardogma. "Wir leben heute auf Kosten der nächsten Generation", kritisierte Krafts Herausforderer Norbert Röttgen im Wahlkampf, CDU und FDP bezeichneten sie als "Schuldenkönigin".

Der thüringische Landesvorsitzende Christoph Matschie sagte dem SPIEGEL: "Mit Blick auf die Linkspartei wird ein klares soziales Profil der SPD immer bedeutender." Insbesondere in der Europapolitik wird nun ein Umdenken gefordert: "Konsolidierung allein reicht nicht - wir müssen in wichtige Zukunftsfelder investieren", sagt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck.

Für Juso-Chef Sascha Vogt ist dabei die bisherige Politik der Troika aus Parteichef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück nicht ausreichend: "Bevor die SPD im Bundestag dem Fiskalpakt zustimmt, müssen wir deutlich über das hinausgehen, was die Troika gefordert hat."

Kraft werden die größten Erfolgschancen gegen Merkel zugesprochen

Auch der Arbeitnehmerflügel der SPD plädiert für eine Kandidatur der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin für das Kanzleramt. Kraft sei "für die Kanzlerkandidatur nicht nur am geeignetsten", sondern habe auch "die größten Erfolgschancen" gegen Merkel, sagte der Vorsitzende des SPD-Arbeitnehmerflügels, Klaus Barthel, der "Bild am Sonntag".

Laut einer repräsentativen Emnid-Umfrage für die "BamS" glauben 26 Prozent der Befragten, dass Kraft größere Chancen gegen Kanzlerin Merkel hätte als die Mitglieder der SPD-Troika. Von den 502 Befragten rechneten 18 Prozent Steinmeier, 16 Prozent Steinbrück und elf Prozent Gabriel bessere Chancen gegenüber Merkel aus.

Laut einer am Freitag veröffentlichten Umfrage von "Zeit online" wären 43 Prozent der Deutschen für die Sozialdemokratin Kraft und 34 Prozent für die Christdemokratin Merkel als Kanzlerin. Kraft hat allerdings mehrmals gesagt, dass sie nicht Kanzlerkandidatin werden will.

Während die Partei die Dreierriege zunehmend skeptisch sieht, macht Sigmar Gabriel von sich reden, indem er Neuwahlen fordert. Die Unionsparteien und die FDP führten den Bürgern "seit mehr als zwei Jahren eine Koalition der Selbstblockade vor, in der in keinem wichtigen Politikfeld mehr Entscheidungen getroffen werden", sagte Gabriel der "Welt am Sonntag".

"Es wäre für Deutschland gut, wenn diese Selbstblockade der Bundesregierung endlich durch Neuwahlen beendet würde", führte Gabriel aus. Allerdings fehlten Union und FDP selbst dazu die Kraft. In wichtigen Bereichen wie Atomausstieg, Bildung oder Gesundheit stünden Deutschland deshalb "weitere anderthalb verlorene Jahre bevor".

Statt in inhaltlichen Fragen die Führung zu übernehmen, versuche Bundeskanzlerin Angela Merkel "durch die Demütigung eines alten Weggefährten Stärke zu zeigen", kritisierte Gabriel die Entlassung von Bundesumweltminister Norbert Röttgen.

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han



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
Mr. XXX 20.05.2012
1. Der sozialdemokratische Flügel...
Zitat von sysopGetty ImagesSigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier rangeln um die SPD-Kanzlerkandidatur. Doch jetzt bekommt die Troika Konkurrenz: NRW-Wahlsiegerin Hannelore Kraft soll den Job übernehmen, fordern Parteilinke im SPIEGEL. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,834044,00.html
mit seinem "Null Gewicht" innerhalb der SPD kann viel fordern. Nach wie vor dominieren und bestimmen den internen und äußeren Kurs der SPD und die polit-ideologische Ausrichtung der "Seeheimer Kreis" und das "Netzwerk Berlin" -die Neolibs also. Sollten die Popularitätswerte von HK weiter steigern, kann man in der Tat mutmaßen, dass sich die SPD dieser Personalie medienwirksam "bedienen" wird, um die SPD dem Wähler durch die sog. "Bürgernähe" von HK wieder schmackhaft zu machen. An der parteiprogrammatischen Ausrichtung der SPD wird es nichts ändern, hier geht es nur um eins: dem Michel einige Stimmen abzuringen.
rolandjulius 20.05.2012
2. Frau Kraft
Um Frau Merkel loszuwerden, wuerde ich sogar fuer die SPD waehlen
Tahlos 20.05.2012
3. Eine Entscheidung
für sie als Kandidatin würde nicht für die Stärke dieser Frau sprechen, sondern für die extreme Schwäche der "Troika". Außer das Merkel dann evtl abgewählt werden könnte...., ist mir überhaupt kein Argument im Sinn, das überhaupt für die SPD unter diesen "Spitzenkandidaten" positiv wäre. Die letzte Wahl wo es in allererster Linie um die Abwahl eines Aussitzer-Kanzlers ging, brachte dem Land "den Schröder". Sowas ist etwas, was man bestimmt nicht leichtfertig vergisst.
baudrillard 20.05.2012
4. Die Sache ist einfach
Eine Kanzlerkandidatur Frau Krafts, welche in kompletten Widerspruch zu den Ankündigungen vor der Wahl in NRW stehen würde, dass sie in NRW bleiben wird, würde ihr jegliche Glaubwürdigkeit rauben und sie mit der Opportunistin Merkel auf die gleiche Stufe stellen.
Wollilein 20.05.2012
5.
Sehe ich auch so. Im übrigen darf nicht unberucksichtigt bleiben,ndass es bis zur BTW noch eine politische Ewigkeit ist,min der sehr viel passieren kann. Krafts Popularität ist in jedem Fall eine Momentaufnahme, für deren Bestand ebenso wenig wie viel sprechen kann. Unlängst war erst zu erleben, dass aus einer totgesagten Partei binnen ganzer 6 Wochen die Zustimmung von 2% auf über 8% anwachsen kann. Das Stimmvieh ist eben zu allem fähig. Der richtige Kandidat (Lindner) oder das richtige Thema (Oderflut) zum richtigen Zeitpunkt haben mal noch jede Rognose umdrehen können. Kraft wäre gut beraten ihr Wort zu halten und dem Versprechen, in NRW zu bleiben, aufrechtzuerhalten. S hliess,ich war es die Glaubwürdigkeit die sie auszeichnete.
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