SPD-Krise Schulz nimmt Gabriels Entschuldigung an

"Du bist eben ein Emotionsbrötchen": Martin Schulz hat Sigmar Gabriels Entschuldigung nach dessen persönlicher Attacke laut SPIEGEL-Informationen akzeptiert. In der SPD gibt es weiter Zwist um den Kurs.

Martin Schulz (links) und Sigmar Gabriel
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Martin Schulz (links) und Sigmar Gabriel


Ex-SPD-Chef Martin Schulz hat nach SPIEGEL-Informationen die Entschuldigung von Außenminister Sigmar Gabriel für dessen Äußerungen in der vergangenen Woche angenommen. Bei einem Gespräch im Willy-Brandt-Haus am Dienstag, bei dem Gabriel Schulz gegenüber sein Bedauern zum Ausdruck gebracht hatte, sagte der Ex-Kanzlerkandidat zum Außenminister: "Du bist eben genau so ein Emotionsbrötchen wie ich. Ich habe gesagt, dass ich ohne Groll und Bitterkeit gehe. Das gilt auch für dich."

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Heft 8/2018
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Gabriel hatte als Reaktion auf Schulz' beabsichtigten Wechsel ins Auswärtige Amt gesagt, seine Tochter Marie habe ihn mit den Worten getröstet: "Papa, jetzt hast du doch mehr Zeit mit uns. Das ist doch besser als mit dem Mann mit den Haaren im Gesicht." Trotz der Aussprache gilt das Verhältnis zwischen Schulz und Gabriel als schwer belastet.

In der SPD sorgt Gabriels ungewisse Zukunft weiter für Diskussionen. "Ich bin dafür, dass Sigmar Gabriel Außenminister bleibt", sagte Bernd Westphal, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dem SPIEGEL. "Er hat bewiesen, dass er es kann." Gabriel verfüge über langjährige Kabinettserfahrung: "Auf so einen sollten wir nicht verzichten."

Kritik gibt es auch am neuen SPD-Führungsduo aus Andrea Nahles und Olaf Scholz. Das Schlimmste seien "die Textbausteine aus dem Willy-Brandt-Haus, die von der SPD-Spitze ausgespuckt werden. Die Leute wollen Politiker mit Ecken und Kanten, keinen Scholzomat 2", sagte der hessische Bundestagsabgeordnete Edgar Franke, Mitglied des konservativen "Seeheimer Kreises".

Der SPD-Vize und Parteilinke Ralf Stegner forderte seine eigene Partei zu einer neuen politischen Kultur auf. In der Gesellschaft gebe es ein großes Misstrauen gegenüber "denen da oben", sagte Stegner. "Wir brauchen dafür eine neue Sensibilität und müssen eine richtige Balance finden zwischen Führungsanspruch und dem ernsthaften Einbeziehen der Basis." Eine rein "machttechnokratische Antwort wäre jedenfalls falsch."

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vme



insgesamt 46 Beiträge
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Seite 1
paula_f 16.02.2018
1. die GroKo kann wg Gabriel noch kippen!
wie eine kleine Kind rührt Gabriel in allen Kanälen um Außenminister zu bleiben. Wenn es nicht klappt - dann sollen die anderen auch keine Posten kriegen, dann platzt sie halt die GroKo. Er hat sich hinreichend disqualifiziert, nur weil die notwendige Grundhärte fehlt rechnet er sich Chancen aus. Schulz hat sich die Elefantenrunde von Merkel bis ins letzte Komma vorplanen lassen. Ein Mann mit Eiern hätte die Gelegenheit genutzt und die Live Sendung unter Protest als unwürdige Merkel Show live verlassen. Nicht so Schulz, er saß da wie ein begossener Pudel. Jetzt nimmt er die Entschuldigung an - frei nach dem Motto ich halte jetzt mal dem Gabriel die andere Backe hin. Immer die gleichen Verhaltensmuster nach oben buckeln und nach unten treten, ganz toll.
Baikal 16.02.2018
2. Völlig uninteressant
ob der eine Versager dem anderen die ohnhehin verlogene Entschuldigung abnimmt. Weg sind beide und das ist auch gut so.
Peter M. Lublewski 16.02.2018
3.
"In der SPD gibt es weiter Zwist um den Kurs." Der Bürger=Wähler ist für die SPD-Führung nicht wirklich interessant, stimmt's?
Epsola 16.02.2018
4.
Wofür sollte Gabriel sich entschuldigen und warum hat er es getan? Ist es soweit, dass jetzt auch Politiker wie Bundesligaprofis keine Kanten und keinen Character mehr haben dürfen? Egal wie man zu einem Politiker steht, man sollte auch seinem politischem Gegner im Eigeninteresse zugestehen und sogar erwarten, dass dieser er selbst ist einschließlich Emotionen und keine gefilterte Wohlfühlversion. Technokraten können nicht führen.
edgar1907 16.02.2018
5. Nicht zu entschuldigen!
Eigentlich ist das Verhalten von Gabriel nicht zu entschuldigen und müsste dafür von der SPD-Führung getadelt werden. Hoffentlich ist er seinen Posten als AM los. So ein Verhalten ist nicht zu tolerieren.
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