SPD-Spitzenfrau Hannelore Kraft "Ich werde nie als Kanzlerkandidatin antreten"

Sie ist die große Hoffnung der SPD, doch jetzt schockiert sie ihre Partei: Hannelore Kraft hat auf einer Sitzung der nordrhein-westfälischen Landtagsfraktion eine Kanzlerkandidatur kategorisch ausgeschlossen. Für die Genossen kommt das Nein zu einem heiklen Zeitpunkt.

Ministerpräsidentin Kraft: "Ich bleibe in Nordrhein-Westfalen"
DPA

Ministerpräsidentin Kraft: "Ich bleibe in Nordrhein-Westfalen"


Düsseldorf - Hannelore Kraft gilt manchen als die Zukunft in der SPD. Einige Parteifreunde hoffen darauf, dass die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin 2017 als Kanzlerkandidatin antritt. Doch schon vier Jahre vor der nächsten Bundestagswahl macht sie die Tür in diese Richtung zu.

"Ich werde nie, nie als Kanzlerkandidatin antreten. Ich bleibe in Nordrhein-Westfalen. Darauf könnt ihr euch verlassen", sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am Freitag in einer Sondersitzung der SPD-Landtagsfraktion in Düsseldorf. Das bestätigten Teilnehmer SPIEGEL ONLINE.

Mit dem Satz beendete Kraft dem Vernehmen nach ein längeres Resümee über den Koalitionsvertrag und ihre Haltung zu einem schwarz-roten Bündnis. Anschließend habe es dafür Applaus gegeben. Kraft, so heißt es, habe mit der Festlegung Spekulationen entkräften wollen, im Falle des Scheiterns einer schwarz-roten Koalition werde sie bei einer möglichen Neuwahl als SPD-Spitzenkandidatin antreten.

Die SPD-Spitzen werben derzeit in Regionalkonferenzen bei der Parteibasis um Zustimmung zum ausgehandelten schwarz-roten Koalitionsvertrag. Sollte die Große Koalition am Veto der Mitglieder scheitern, würde auch die Parteiführung zur Disposition stehen. Direkt nach der Bundestagswahl am 22. September hatte sich Kraft skeptisch über eine Neuauflage des Bündnisses mit CDU und CSU geäußert.

Zuletzt sagte die Ministerpräsidentin des bevölkerungsreichsten Bundeslands jedoch: "Es ist viel Gutes drin in diesem Koalitionsvertrag." Die SPD habe ein Ergebnis erzielt, das sie "aus tiefer Überzeugung den Mitgliedern zur Annahme empfehlen kann".

Krafts Nein zu einer Kanzlerkandidatur kommt durchaus überraschend. Zwar hatte sie zuletzt stets betont, ihr Platz sei in Nordrhein-Westfalen. So kategorisch wie an diesem Freitag hatte sie sich zu ihren Zukunftsplänen jedoch noch nie geäußert. Ihr Kalkül sei, Skeptikern von Schwarz-Rot klarzumachen, dass das Szenario, sie würde im Falle eines Scheiterns des Mitgliedervotums als Retterin zur Verfügung stehen, unrealistisch ist. So zumindest schildern es Vertraute in Nordrhein-Westfalen.

Ganz glücklich ist Krafts Absage für die SPD-Führung in Berlin allerdings nicht. Sie könnte Sozialdemokraten und Öffentlichkeit dazu bewegen, sich wesentlich früher als bisher geplant mit der Frage zu beschäftigen, mit wem die SPD 2017 antreten wird. Viele Alternativen zu SPD-Chef Sigmar Gabriel hat die Partei nach jetzigem Stand nicht. Olaf Scholz, Hamburgs Erster Bürgermeister, wird immer mal wieder genannt. Auf dem jüngsten Parteitag wurde er allerdings nur mit einem schlechten Ergebnis zum Parteivize gewählt.

vme/syd/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 179 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
munsterm 29.11.2013
1. kein Kanzlerkandidat nötig
Eine Partei, die einen so unfassbaren Rückstand auf die stärkste Partei hat, wird wohl auch keinen Kanzlerkandidaten mehr brauchen.
parisien 29.11.2013
2. Zweifel
"... mit wem die SPD 2017 antreten wird. Viele Alternativen zu SPD-Chef Sigmar Gabriel hat die Partei nach jetzigem Stand nicht." Wetten, dass Nahles das anders sieht ?
goldpuma 29.11.2013
3. Wie lange diese Aussage wohl gilt...
Na da bin ich aber mal gespannt, wie lange diese Aussage von Frau Kraft Gültigkeit besitzt...
bugs bunny 29.11.2013
4. Und das ist gut so
... denn keiner bzw. keine hat sich so weit aus dem Fenster gelehnt und gegen eine GroKo polemisiert wie Hannelore Kraft. Bei der Aufarbeitung dr DDR-Vergangenheit nannte man solche Leute "Wendehals". Und nix anderes ist Hanelore, die Große.
rolantik 29.11.2013
5. Kraft(los
Das hätte sie gar nicht sagen brauchen, denn als Kanzlerin kann man sie sich nun wirklich nicht vorstellen mit dieser provinziellen Attitüde. In NRW hat sie ja auch nichts zustande gebracht, ausser hohen Schulden und Unterstützung der Kohlekraftwerke. Es ist schon erstaunlich, wie manche Menschen sich mit solchen Aussagen selbst überhöhen. Keiner hat sie doch gefragt, ob sie das wolle!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.