Berlin - Wen schickt die SPD ins Rennen um das Kanzleramt? Zuletzt wurden immer wieder drei Namen genannt: Parteichef Sigmar Gabriel, Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und - allen voran - der frühere Finanzminister Peer Steinbrück. Jetzt hat SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles einen vierten Sozialdemokraten ins Spiel gebracht: Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, der gerade für eine dritte Amtszeit im Roten Rathaus kämpft.
Nahles hält Wowereit im Falle eines Wahlsiegs in Berlin ebenfalls für einen möglichen Kanzlerkandidaten im Jahr 2013. Wenn Wowereit am 18. September gewinne, wäre das sein dritter Sieg in Folge, sagte Nahles der "Berliner Morgenpost". Parteichef Gabriel habe bereits gesagt, "dass jeder Ministerpräsident in der SPD geeignet ist für Höheres. Dem stimme ich zu", so Nahles.
Wowereit, 57 Jahre alt und seit zehn Jahren Berliner Regierungschef, hatte mehrfach Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur zurückgewiesen und betont, die nächste Amtszeit im Roten Rathaus zu verbringen. Doch vor allem der linke Flügel der SPD sähe es gerne, wenn Wowereit nach der Wahl auf Bundesebene eine wichtigere Rolle spielen würde - gewissermaßen als Gegengewicht zu Ex-Finanzminister Steinbrück, dem nicht wenige Parteilinke in herzlicher Abneigung verbunden sind.
In den Umfragen vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl liegt Wowereits SPD deutlich vor CDU und Grünen. Laut einer Erhebung von "infratest dimap" liegen die Sozialdemokraten bei 30 Prozent, CDU und Grüne erreichen jeweils 22 Prozent.
Die Grünen nahmen die Äußerungen von Nahles umgehend zum Anlass, den Amtsinhaber anzugreifen. Wowereit wolle das Amt offenbar "nur weiter bekleiden, um es als Sprungbrett in die Bundespolitik zu nutzen", sagte der Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Volker Ratzmann. "Klaus Wowereit spielt sein Karrierespiel auf dem Rücken der Berlinerinnen und Berliner. Berlin kann sich keinen Bürgermeister leisten, dem man nicht abnehmen kann, dass er mit ganzer Kraft für eine Legislaturperiode für Berlin da ist."
Parteichef Gabriel hat unterdessen sein Vorschlagsrecht für den SPD-Kanzlerkandidaten unterstrichen. Er werde dieses Recht als Parteivorsitzender wahrnehmen, sagte Gabriel der "Oldenburger Nordwest-Zeitung". Eine Entscheidung werde wohl erst im Frühjahr 2013 fallen. Der SPD-Chef warnte vor einer Kandidatendiskussion zum jetzigen Zeitpunkt. "Die Menschen wollen Antworten haben auf die Euro-Krise", sagte er. "Deshalb ist es klug, dass sich die SPD gegenwärtig nicht mit Personalfragen beschäftigt, die erst in zwei Jahren anstehen."
Nach einem am Mittwoch veröffentlichten Ranking des Magazins "Stern" ist der frühere Bundesfinanzminister Steinbrück der Politiker, dem die Bürger zurzeit am meisten vertrauen. Gabriel rangiert deutlich hinter Steinbrück und auch hinter Steinmeier.
vme/fab/dpa
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