Früherer SPD-Chef Scharping warnt vor "lebensgefährlichem" Nein zur GroKo

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Rudolf Scharping wirbt für die Zustimmung seiner Genossen zum Koalitionsvertrag mit der Union. Die sei entscheidend für das Überleben der Partei.

Rudolf Scharping
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Rudolf Scharping


Seit Dienstag läuft in der SPD der Mitgliederentscheid über einen Eintritt der Partei in eine neue Große Koalition. Die SPD-Spitze wirbt dafür, Parteilinke und die Jugendorganisation Jusos sind dagegen.

Nun hat auch der frühere SPD-Bundesvorsitzende Rudolf Scharping bei den Parteimitgliedern für ein neues Regierungsbündnis mit der Union geworben - allerdings warnt er vor allem vor den Konsequenzen eines Neins der gut 460.000 SPD-Mitglieder.

Eine Neuwahl wäre "ein lebensgefährliches Risiko für die SPD" und "schlecht für Deutschland", warnte der ehemalige Verteidigungsminister in der "Rhein-Zeitung". Scharping zufolge sei die Lage der SPD "so ernst wie noch nie in der Bundesrepublik". In der Partei geht seit Beginn des Mitgliederentscheids die Angst vor einer möglichen Neuwahl um: Aktuelle Umfragen sehen die SPD im Meinungstief, jüngst holte sie bei der Sonntagsfrage nur noch 16,5 Prozent.

Scharping hielt nun den GroKo-Gegnern in seiner Partei vor: "Die SPD ist keine Selbsterfahrungsgruppe. Wir sollten immer mit dem Anspruch antreten, Zukunft für die Mehrheit der Gesellschaft zu gestalten."

Vor Scharping hatte sich bereits Altkanzler Gerhard Schröder in einem Zeitungsinterview für ein Ja zur GroKo stark gemacht. Laut dem früheren Parteivorsitzenden müsse und werde die neue Führung der Sozialdemokraten um eine positive Entscheidung der SPD-Mitglieder zum Koalitionsvertrag kämpfen.

Auch das gebe Anlass zu der Hoffnung, dass sich die "kollektive Vernunft engagierter Mitglieder durchsetzt". Zumal die SPD bei den Verhandlungen ein Ergebnis erreicht habe, "das sich wahrlich sehen lassen kann".

Auch Scharping glaubt, der Entscheid werde zu Gunsten einer erneuten Regierungsbeteiligung der SPD ausgehen. Danach gefragt sagte Scharping: "Ich bin, was die Vernunft unserer Mitglieder und unserer Bürger angeht, grundsätzlich ein Optimist."



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cht/dpa



insgesamt 266 Beiträge
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Seite 1
Oskar ist der Beste 22.02.2018
1. ach der Scharping....
....erst einmal ist bei 16% eine solche Drohung eigentlich schon in sich absurd, außerdem hat UK und auch Frankreich gezeigt, daß man als sozial demokratische Partei nur "überleben" bzw. es eben nicht kann, wenn man mit einem sozialdemokratischen Programm und und Kandidaten antritt. Und Herr Scharping war es ja, der mit seinem "engagierten" Wahlkampf 1994 die Wahl gegen Kohl vermasselt hat und dann von Lafontaine ein Jahr später aus dem Amt gejagt wurde: Und die Kernaussage von Lafontaine war damails: "Man kann nur andere von etwas begeistern, wenn man selbst von dem begeistert ist, was man sagt und will".
sabrina74 22.02.2018
2. Na, Hauptsache ...
... der SPD gehts gut ...
!!!Fovea!!! 22.02.2018
3. Jahrelang hat man von dem
von Politikwissenschaftler Scharping bzgl. der Gräfinaffäre nichts mehr gehört, seit dem Schröder ihn entlassen hat. Was will er auf einmal jetzt? Klar, ist die Groko überlebenswichtig für die SPD, da Schulz den Fehler gemacht hat in die Groko hinein umzufallen. Sollte (was ich hoffe!) die Groko nicht zustande kommen, ist die SPD erledigt. Und das ist gut so, nach Jahren der Stümperpolitik und den H4 Gesetzen.
cup01 22.02.2018
4. So ein Quatsch
Im Koalitionsvertrag ist nicht mal ein weiterso, sondern eher eine Rolle rückwärts für Frau Merkel. Anstatt eines Ministeriums für Digitalisierung und künstliche Intelligenz bekommen wir einen Heimatminister. Es sind zu viele Alte zu lange an der Macht. Das darf so nicht weiter gehen, darum NOGroKo.
Überfünfzig 22.02.2018
5. Interessant das jetzt auf einmal.....
......alle Politikrentner der SPD aus den Löchern gekrochen kommen und fast durchweg ein JA zum Machtererhalt von AM empfehlen. Gezielte Kampangne der Medien, vor allen Dingen der in SPD-Besitz, weil es doch eventuell auf ein NEIN hinauslaufen könnte? Rache der Alten an der Partei, weil ihnen zum Teil die Liebe versagt worden ist? Mir kommt es so vor, als ob die Medien Angst davor haben, das ohne die SPD der Motor für mehr Fremdzuzug, Europa und Klimaideologie mächtig ins stottern geraten könnte.
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