Neue GroKo Gabriel will nicht ums Amt des Außenministers kämpfen

Er halte nichts davon, sich an Ämter zu klammern: Der geschäftsführende Außenminister Sigmar Gabriel hat in einem Interview über seine Zukunft gesprochen - und über Martin Schulz.

Sigmar Gabriel
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Sigmar Gabriel


Sigmar Gabriel sieht seiner politischen Zukunft nach eigener Darstellung gelassen entgegen. Er halte nichts davon, "um Ämter zu kämpfen und sich daran zu klammern", sagte der geschäftsführende Außenminister der "Braunschweiger Zeitung". "Wir sind nun mal Gewählte und keine Erwählten."

Seine Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz und sein Bemühen um die Freilassung des Journalisten Deniz Yücel aus türkischer Haft seien keinesfalls als Bewerbung um das Außenministeramt zu verstehen, sagte Gabriel. "Welch ein Unsinn." Er sei schließlich mal mit einer Türkin verheiratet gewesen und habe "manches dort kennen gelernt und deshalb viel Sympathie für die Menschen in der Türkei."

Im Fall Yücel hatte Gabriel mehrfach den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu getroffen und in zwei Fällen auch direkte Gespräche mit Präsident Recep Tayyip Erdogan geführt.

Was Gabriel über Schulz sagt

Gabriel hatte massive Kritik auf sich gezogen, weil er den inzwischen als SPD-Chef zurückgetretenen Martin Schulz attackiert hatte, nachdem dieser das Außenamt für sich reklamiert hatte. Gabriel entschuldigte sich dafür bei Schulz. Schulz wiederum verzichtete unter innerparteilichem Druck auf das Außenministeramt.

Inzwischen sei "alles ausgeräumt und nebensächlich", sagte Gabriel nun im Interview. Das Leben sei "zu kurz für dauerhafte Verärgerungen", er und Schulz wollten sich weiterhin "freundschaftlich treffen". Seine Reaktion auf die Ankündigung Schulz' nannte Gabriel "nicht besonders schlau".

Das Gabriel-Schulz-Beziehungsprotokoll

An Personalspekulationen um Regierungsämter beteilige er sich nicht, sagte Gabriel. "Wie gesagt: Das findet sich schon." Auf den Hinweis, Deutschland brauche einen erfahrenen Außenminister, sagte er: "Den wird es geben. Der muss aber nicht Sigmar Gabriel heißen."

Die SPD will erst nach einem Erfolg des Mitgliedervotums die Besetzung der Ressorts in einer neuen Großen Koalition festlegen. Offen ist, welcher SPD-Politiker dann Außenminister werden soll. Die dafür bisweilen genannte Bundesfamilienministerin Katarina Barley sagte am Mittwoch in der ARD-Sendung "Maischberger" auf die Frage, ob sie daran Interesse habe: "Ich übernehme gerne Verantwortung - egal in welcher Funktion."

Die Frage, ob er selbst künftig als einfacher Abgeordneter im Bundestag sitzen oder einen Posten in der freien Wirtschaft annehmen werde, ließ Gabriel in dem Interview offen. Er selbst fragte: "Warum sollen Menschen aus der Wirtschaft nicht in die Politik gehen können und umgekehrt?"



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aar/dpa/AFP

insgesamt 38 Beiträge
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alfreddneumann 22.02.2018
1. Is klar Siggi
Erst das vom Mann mit den Haaren im Gesicht und jetzt sovie Hirnakrobatik, dass das Ganze nichts damit zu tun hatte um das Amt zu kämpfen. Amen.
hausfeen 22.02.2018
2. Sorry Siggi, da ist nix ausgeräumt.
Denn der Schaden, den du uns Genossen, meiner Partei, angetan hast, lässt sich nicht ausräumen, jedenfalls nicht so schnell und von dir - mit oder ohne Martin. Auch sprichst du mit gespaltener Zunge. Das Understatement, dass du nicht am Amt hängen würdest, ist selbst nichts anderes als eine taktisch intelligente Bewerbung um Fortsetzung deiner Amtstätigkeit. Und schon wieder tätest du unser Partei keinen Gefallen damit. Dem Amt auch nicht. Auch nicht dem Land. Konsequent wäre ein Verzicht auf Eintritt in das neue Kabinett, so denn es käme. Deine junge Familie würde es dir danken. Ich auch.
alaba27 22.02.2018
3. Komisch
Das klang vor ein paar Tagen noch ganz anders, da war er sogar ein Auserwählter. Warum tut er jetzt so, als wäre er nie ein beleidigtes Kindergartenkind gewesen ? Und die letzte Frage ist ganz einfach zu beantworten: Politiker dürfen in die Wirtschaft, allerdings erst nach einer Karenzzeit. Aber das hat unsere Volksvertreter ja noch nie interessiert. Ich bin gespannt, welcher Leberwursthersteller noch einen Lobbyisten braucht.
tommit 22.02.2018
4. Zuerst kommt die Kränkung
dann der Groll, dann der Plan, dann die RAche .. und dann verliert man selber Freunde und dann die Verbitterung und ganz am Schluss bei Politikern die Gönnerhaftigkeit.. Sagen wir es doch einfach wie die HR ABteilung: Er sucht eine neue Herausforderung... Die Sprache die uns die Presse jedes Jahr in mindestens 5 ARtikeln als geheim anpreist und wie Kleinkindern erklärt... Kranke Frauen oder Männer und sonstige Ausreden sind auch beliebt.. wobei die normale Bevölkerung auch kranke Frauen und Männer hat... man will es sich ja nicht mit den Gendereiferern verscherzen... besonders ehemalige Chefs die Co Chefs werden suchen sich periodisch andere Herausforderungen
Rainer Carstens 22.02.2018
5. Na dann hat er wohl
ein lukratives Angebot aus der Wirtschaft oder meint mit gespieltem Desinterresse würde die SPD ihn bitten? Der ist doch so berechenbar
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