SPD in Schleswig-Holstein Simone Lange fordert Ablösung von Stegner

Bei der Wahl der SPD-Chefin unterlag sie, doch Simone Lange lässt nicht locker: Nach der Schlappe ihrer Partei im Norden spricht sich Flensburgs Oberbürgermeisterin für eine Neuwahl des Landesvorstands aus.

Simone Lange (beim SPD-Parteitag in Wiesbaden)
Getty Images

Simone Lange (beim SPD-Parteitag in Wiesbaden)

Von


Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange fordert eine Erneuerung der schleswig-holsteinischen SPD. Mit Blick auf die Verluste bei der Kommunalwahl sagte sie dem SPIEGEL: "Die Niederlage ist keine Momentaufnahme. Wir verlieren seit vielen Jahren Wahlen im Norden. Da kann es nicht ohne Veränderungen weitergehen - inhaltlich, aber auch personell." Im Klartext: Das geht gegen den Landesvorsitzenden und Vize-SPD-Chef Ralf Stegner.

Die nächste reguläre Wahl des Landesvorstands steht beim Parteitag im April 2019 an. Lange dauert das zu lange. Im kommenden Jahr seien Europawahlen.

"Wenn wir uns wirklich glaubhaft erneuern wollen, können wir mit der Wahl des Landesvorstands nicht noch ein Jahr warten", sagte die 41-Jährige, die bei ihrer Kandidatur als Bundesvorsitzende einen Achtungserfolg feierte. Zur Zukunft Stegners ergänzte Lange: "Es ist in Ordnung, wenn er sagt, er wolle weitermachen. Aber wir müssen in der ganzen Partei schauen: Gibt es jemanden, der besser geeignet ist?"

Die SPD war bei der Kommunalwahl in Schleswig-Holstein am Sonntag auf ihr historisch schlechtestes Ergebnis abgerutscht. Die Partei verlor 6,5 Prozentpunkte und bekam nur noch 23,3 Prozent der Stimmen. Landeschef Stegner sprach von einem "schlechten Ergebnis" und führte es auch auf den schlechten Bundestrend zurück. "Da kam der Wind stramm von vorne."

Lange will sich weiterhin in der SPD einbringen, sieht sich aber nicht als Landesvorsitzende. "Wir müssen als Partei entscheiden, wer passt am besten auf welchen Posten. Das ist doch keine One-Man-Show."



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey?

Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Das Start-up arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, darunter sind neben SPIEGEL ONLINE auch der "Tagesspiegel", "Cicero", der "Freitag" und Change.org. Civey wird durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.



insgesamt 65 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Art. 5 07.05.2018
1. Menschenverstand vor Ideologie stellen
Da hat Frau Lange das Unausweichliche unverblümt ausgesprochen. Keine halbwegs erfahrene Werbefirma würde mit so einem wie Stegner für irgendetwas werben. Bei der Neuausrichtung der Partei sollte sie aber bedenken, dass die neue Politik zur Migrationsproblematik nicht die der Linkspartei sein darf, denn die hat ja mit 3,9% noch schlechter abgeschnitten. Hier muss der gesunde Menschenverstand Vorrang vor der Ideologie haben.
peeweesg 07.05.2018
2. Linker Sozialist
Herr Stegner als alter Sozialist dürfte kaum zu Erneuerung der SPD beitragen. Wenn die SPD meint sich um die Ränder der Bevölkerung kümmern zu müssen entspricht zukünftig das Wahlergebnis genau dem Anteil dieser Bevölkerungsgruppe, ca. 10%. Wahlen werden in der Mitte gewonnen. Der letzte der das begriffen hat war Gerhard Schröder.
josho 07.05.2018
3. Ich sehe gerade im ersten Programm...
.....die Story über das "Ungleichland". Wenn ich mir vergegenwärtige, dass die SPD seit 15 Jahren an der Regierung ist, dann ist sie mit einem Verlust von 6,3 % doch noch gut bedient! Da ist noch viel Luft nach unten!
Andre V 07.05.2018
4. Bitte nicht!
Herr Stegner soll schön selbst auslöffeln, was er der SPD alles eingebrockt hat. Wenn er jetzt aufgibt, müssen andere den Kopf hinhalten, die das nicht verdient haben. Aber was die hat Europawahl denn damit zu tun? Hat die SPD denn mehr als 1 Abgeordneten aus Schleswig-Holstein im Europaparlament? Viel mehr dürften es bei dem geringen Bevölkerungsanteil im Vergleich zur gesamten Bundesrepublik auch in Zukunft nicht werden...
Heike Friedrich 07.05.2018
5. Quo vadis SPD?
Die SPD hat es versäumt auf dem letzten Parteitag Frau Lange zu wählen. Damit hat sie mit den alten Parteifunktionären ein weiter so gewählt. Einer dieser SPD Funktionäre ist Stegner. damit haben sie sich für einen weiteren Stimmenverlust und Abstieg entschieden! Frau Lange wäre die Zukunft gewesen. Aber die Genossen wollten es nicht
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.