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29. Dezember 2012, 13:20 Uhr

SPD

Steinbrück beklagt sich über geringes Kanzler-Gehalt

"Nahezu jeder Sparkassendirektor verdient mehr": SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wünscht sich ein höheres Gehalt für Bundeskanzler. Altkanzler Schröder findet die Bezüge des deutschen Regierungschefs dagegen durchaus ausreichend.

Berlin - Seit Wochen steht er wegen seiner Honorare in der Kritik: SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Jetzt hat der Sozialdemokrat eine Debatte über die eines Bundeskanzlers angestoßen. Die nämlich findet Steinbrück zu gering.

"Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS"). "Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin."

Schröder anderer Meinung

Die Debatte über die Bezahlung von Abgeordneten "bis hin zur Spitze der Bundesregierung" sei "sehr schief", findet Steinbrück. Parlamentarier des Bundestags arbeiteten fast sieben Tage die Woche, durchschnittlich 12 bis 13 Stunden. Sie seien gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt. "Manche Debatte, die unsere Tugendwächter führen, ist grotesk und schadet dem politischen Engagement."

Sein SPD-Parteifreund Gerhard Schröder sieht das allerdings anders. Er sagte der "Bild am Sonntag": "Nach meinem Eindruck werden die Politiker in Deutschland angemessen bezahlt. Ich habe jedenfalls davon immer leben können." Schröder ergänzte: "Wem die Bezahlung als Politiker zu gering ist, der kann sich ja um einen anderen Beruf bemühen."

"Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus"

Steinbrück wird seit Wochen wegen seiner hohen Nebeneinkünfte kritisiert. Insgesamt soll er seit 2009 Nebeneinkünfte von rund zwei Millionen Euro eingenommen haben. Davon legte er 1,25 Millionen Euro aus Vortragshonoraren öffentlich dar. Er hatte dazu Anfang November gesagt: "Der Wind bläst mir im Augenblick ins Gesicht. Ich weiß, dass Teile der Partei etwas davon abkriegen."

Sein Verhältnis zum Geld bezeichnete Steinbrück nun in der "FAS" als "rein instrumentell". Es habe Zeiten gegeben, in denen er sehr wenig Geld gehabt habe. "Heute bin ich, jedenfalls aus der Sicht vieler Menschen, ein vermögender Sozialdemokrat. Aber Geld löst bei mir keine erotischen Gefühle aus", sagte der SPD-Politiker.

heb

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